Neue Therapie gegen Stuhlinkontinenz

12. Mai 2010, 18:00
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Erfolg bei Behandlung des nach schwerer Geburt häufigen Leidens

Graz - Gute Ergebnisse in der Behandlung von Stuhlinkontinenz meldet die Med-Uni Graz. An der Klinischen Abteilung für Gynäkologie werden Reparaturzellen, die aus der körpereigenen Muskulatur gewonnen wurden, in das Narbengewebe des Schließmuskels injiziert. Die ersten Patientinnen berichteten bereits nach einer Woche von einer eklatanten Verbesserung. Die jüngst veröffentlichten Zweijahresergebnisse würden die anhaltende Wirksamkeit bestätigen, hieß es.

Körpereigene Zellen für Reparatur

Der Verlust der Kontrolle über den Darminhalt stellt für Betroffene eine enorme psychische Belastung dar. Bei Frauen ist die Schädigung des Beckenbogens während des Geburtsvorganges die häufigste Ursache dieses Leidens. Für sie waren bisher chirurgische Eingriffe wie das überlappende Vernähen des nicht mehr funktionstüchtigen Schließmuskels oder ein künstlicher Analschließmuskel die letzte Hoffnung. Das in Graz entwickelte Verfahren zielt darauf ab, den Muskeldefekt mit körpereigenen Zellen zu reparieren.

In der kleinen Pilotstudie wurde die Methode an zehn Frauen im Alter zwischen 24 und 65 Jahren, die seit Jahren an einer schweren Stuhlinkontinenz litten, erprobt: Dazu wurden Zellen aus dem Brustwandmuskel durch eine einfache Biopsie in Lokalanästhesie gewonnen, die Muskelvorläuferzellen (Myoblasten) im Labor isoliert und vermehrt. "Wir nehmen den Brustwandmuskel aus ästhetischen Gründen, möglich wäre auch Muskelgewebe aus dem Oberarm. Die Entnahme in der Achselhöhle hinterlässt keine sichtbare Narbe", so Andrea Frudinger, Leiterin der Forschungseinheit für anale Inkontinenz an der Universitätsfrauenklinik in Graz.

Große Erfolgsquote

Drei bis vier Wochen nach der Biopsie werden die extrahierten und vermehrten Reparaturzellen in mehreren Einzelinjektionen in das Narbengewebe implantiert. Um das Einwachsen der Zellen zu verbessern, wurde zusätzlich für mehrere Wochen eine Elektrostimulation des Beckenbodens durchgeführt. Die ersten Patientinnen hätten bereits eine Woche nach der Implantation berichtet, keinen Stuhl mehr zu verlieren, nach vier Wochen waren neun der zehn Patientinnen völlig kontinent. Nun möchte das Team um Frudinger in einer größeren Pilotstudie mit bis zu 50 betroffenen Männern und Frauen, die keinen Schließmuskeldefekt, sondern nur eine -schwäche haben, behandeln. (APA)

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    foto: standard/matthias cremer
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