Zwei weitere Manager festgenommen

12. Mai 2010, 15:19
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Interpol erlässt Haftbefehl gegen Ex-Vorstandschef Einarsson

Reykjavik/New York/London - Die Aufarbeitung des Bankenkollaps in Island verlagert sich zunehmend in Gerichtssäle und Haftzellen. Der staatliche Sonderermittler in Reykjavik veranlasste die Festnahme von bisher vier Ex-Managern der 2008 zusammengebrochenen Kaupthing-Bank. Und die ebenfalls pleitegegangene Glitnir-Bank will jetzt 2 Mrd. Dollar (1,6 Mrd. Euro) per Gerichtsklage in New York von ihrem Ex-Haupteigner Jon Asgeir Johannesson und früheren Spitzenmanagern zurückholen.

In der am Mittwoch veröffentlichten Klageschrift wirft das unter dem Namen Islandsbanki weitergeführte Geldinstitut Johannesson vor, die Bank zur Rettung maroder Unternehmen in seinem Besitz "systematisch ausgeplündert" und mit dem kriminellen Abzug von über 2 Mrd. Dollar "entscheidend zu deren Zahlungsunfähigkeit beigetragen zu haben".

Glitnirs Abwicklungskomitee kündigte rechtliche Schritte auch gegen das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers (PwC) an, weil es Johannesson geholfen habe, unter Verschleierung der Probleme der Bank über eine Milliarde Dollar bei Investoren in New York lockerzumachen.

Johannesson war Chef und Eigner der inzwischen selbst pleitegegangenen Finanzgruppe Baugur. Er betreibt weiter Handelsketten in Großbritannien und lebt in London. Nach Glitnir-Angaben hat ein Gericht in der britischen Hauptstadt alle Mittel des 42-Jährigen weltweit gesperrt.

Internationaler Haftbefehl für Einarsson

Am Dienstag bestätigte die Polizei in Reykjavik die Festnahme der früheren Spitzenmanager Ingolfur Helgason und Steingrimur Karason von Glitnirs ebenfalls zusammengebrochenen Konkurrenten Kaupthing nach einem Verhör. Gleichzeitig wurde für Ex-Aufsichtsratschef Sigurdur Einarsson ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Fast alle früheren Bank-Spitzen aus Island leben inzwischen in Luxemburg oder London. Die Festgenommenen waren Polizeivorladungen aus ihrer Heimat gefolgt. Einarsson sagte der Zeitung "Frettabladid" von London aus, er gedenke das nicht tun. Bereits seit vergangener Woche sitzen der frühere Kaupthing-Vorstandschef Heidar Már Sigurdsson und der frühere Leiter der Luxemburger Niederlassung, Magnus Gudmundsson, in Untersuchungshaft. Der staatliche Sonderermittler zum isländischen Bankenkollaps 2008, Olafur Hauksson, wirft allen vier unter anderem Scheingeschäfte in Milliardenhöhe, Dokumentenfälschung, Verletzung der Börsenregeln und Manipulation von Bilanzzahlen vor.

Kaupthing war wie Glitnir und Landsbanki im Oktober 2008 nach dem Scheitern extrem expansiver Kreditgeschäfte zahlungsunfähig geworden. Landsbankis Schulden über 3,8 Mrd. Euro in Großbritannien und den Niederlanden aus dem Kollaps der Internetbank Icesave gelten als ernstes Hindernis für die bevorstehenden EU-Beitrittsverhandlungen mit Island. Zusammen hatten die drei Banken bei ihrem Kollaps Schulden vom Zehnfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung Islands mit 320.000 Einwohnern.(APA)

 

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