Jurymitglied Panahi im Hungerstreik

19. Mai 2010, 16:24
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Regisseur fordert Freilassung aus iranischem Gefängnis - Solidarität des Festivals

Teheran - Der iranische Regisseur Jafar Panahi, der derzeit eigentlich in der Jury der Filmfestspiele in Cannes sitzen sollte, ist im Gefängnis in Teheran in Hungerstreik getreten. "Ich schwöre bei meinem Glauben, dem Kino, dass ich meinen Hungerstreik nicht aufgebe", zitierte die oppositionelle iranische Website Rahesabs den Filmemacher am Dienstagabend. Sein letzter Wille sei es, dass sein Leichnam seiner Familie übergeben werde.

Der 49-jährige Regisseur habe seiner Frau in einem kurzen Anruf aus der Haftanstalt Ewin mitgeteilt, dass er seit Sonntag nichts mehr esse und trinke, solange seine Forderungen nicht erfüllt würden. Nach 77 Tagen in Haft verlange er Zugang zu einem Anwalt und "bedingungslose Freiheit", bis sein Fall vor Gericht verhandelt werde.

Wie auf der renommierten französischen Internetseite "La Règle du Jeu" unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars zu lesen ist, soll Teheran die Inhaftierung des Filmemachers um zwei Monate verlängert haben. Grund soll der Brief sein, in dem sich Panahi für die Bemühungen um seine Freilassung bedankt. Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand hatte das Schreiben zu Beginn des Festivals auf dem roten Teppich vorgelesen.

Leerer Stuhl

Panahi ist einer der Juroren, die beim laufenden Festival an der französischen Riviera über den besten Film entscheiden sollen. Aus Protest gegen das Ausreiseverbot aus dem Iran ließen seine Kollegen in Cannes einen Stuhl für ihn frei. Das iranische Kulturministerium wirft dem Regisseur vor, einen Film über die Proteste nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr vorbereitet zu haben. Panahi hatte für seinen Streifen "Der weiße Ballon" 1995 in Cannes die Goldene Kamera für das beste Erstlingswerk erhalten.

Bereits zu Beginn des Festivals hatten Außenminister Bernard Kouchner und Kulturminister Mitterrand Teheran aufgefordert, die Menschenrechte zu respektieren und Panahi frei zu lassen. Der Iraner Abbas Kiarostami erklärte auf der Pressekonferenz, auf der er seinen neuen Film "Certified Copy" vorstellte: "Ich kann nicht verstehen, wie man einen Film als Verbrechen betrachten kann, der noch nicht einmal existiert." Die französische Schauspielerin Juliette Binoche, die bei der Pressekonferenz neben Kiarostami saß, konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, als sie von dem Hungerstreik erfuhr. (APA)

 

Die (in-)komplette Jury des 63. Filmfestivals in Cannes

  • Vorsitzender: Tim Burton (Filmregisseur, USA)
  • Kate Beckinsale (Schauspielerin, Großbritannien)
  • Giovanna Mezzogiorno (Schauspielerin, Italien)
  • Alberto Barbera (Nationales Kinomuseum, Italien)
  • Emmanuel Carrere (Filmregisseur, Schriftsteller, Drehbuchautor, Frankreich)
  • Benicio Del Toro (Schauspieler, Puerto Rico)
  • Victor Erice (Filmregisseur, Spanien)
  • Shekhar Kapur (Filmregisseur, Schauspieler, Produzent, Indien)
  • Alexandre Desplat (Komponist, Frankreich)

 

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