Handy-Versicherung: Teurer Schnickschnack

12. Mai 2010, 11:55
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Eine Versicherung kann ein Handy wiederbeleben - mit mehr oder weniger kuriosen Ausnahmen

Nein. Das Handy ist nicht mein Lieblingsthema. Ich vermeide es, in der U-Bahn zu telefonieren, auf der Straße, aus dem offenen Fenster in das Ding hineinzuschreien, kurzum, meine Gespräche gehören mir –-  ich will sie nicht mit dem öffentlichen Leben teilen. Aber ich brauche dieses Kleinod. Eines, das möglichst funktioniert. 

Vor kurzem war an dieser Stelle über die schier unglaubliche Pannenserie meines "kleinen Schwarzen" zu lesen. Die User haben mich verhöhnt, als unfähig hingestellt. Doch ich schiebe nach. Die Sache hat eine Fortsetzung. Zur Erinnerung: Nach dreimaliger Reparatur aus eigener Tasche und dem Kauf eines neuen Nokias um - ich weiß - perverse 500 Euro greife ich zum Naheliegenden, zu einer Versicherung für das Handy. Selbstbehalt bei jeder Reparatur: 45 Euro, monatliche Versicherungsgebühr: 4,50 Euro.

Anfangs scheint sich dieser Schritt auch durchaus bezahlt zu machen, denn es... nun ja, keine Details zum Warum, also nicht noch mehr Futter für grantelnde Poster... es muss weitere zwei Mal repariert werden, beim dritten Mal darf ich mir ein anderes Modell aussuchen. Ein fettes, aber immerhin schwarzes. Die Halbwertszeit bei Mobiltelefonen ist offenbar kurz, das meinige nicht mehr erhältlich.

Drei Klicks bei Amazon bringt die ersehnte Erleichterung. Da glänzt es, Kostenpunkt: 160 Euro, ein kleiner Shop in Wien verhökert es sogar noch billiger. Ich schlage zu.

Weder Hintergrundbild, Datum und Uhrzeit, Klingelton sind eingestellt, da flattert bereits ein Brief ins Haus. Absender kaum ersichtlich, fast landet das Kuvert ungeöffnet im Müll:

Betreff: Kündigung (in fetten Lettern)

Sehr geehrter Kunde,
wir sehen uns leider gezwungen Ihre Handyversicherungspolizze nach dem letzten Schadensfall
am soundsovielten gem. Punkt 3 der Bedingungen aufzulösen.

3.4. KÜNDIGUNG IM SCHADENFALL

„Den Vertrag können Sie oder wir durch Kündigung beenden, wenn wir eine Leistung erbracht...haben...“

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Handyversicherungs Kundenservice.

Da staunt Otto-Normalverbraucher. Spätestens jetzt werfe ich einen langen, sehr langen Blick auf das Klein-Kleingedruckte meines Versicherungsvertrages  - –und finde Erstaunliches:

Kein Versicherungsschutz besteht unter anderem für:

-Schäden infolge von Krieg, Terrorismus, Invasion (sic!) Handlungen ausländischer Feinde, Feindseligkeiten (...), Bürgerkrieg, Rebellion, Revolution, Aufstand, militärische oder widerrechtliche Machtergreifung;

-Schäden durch Kernenergie;

-Schäden durch Reinigung, Instandhaltung, Wartung und Reparatur;

-unerklärliches Verschwinden des Endgerätes;

-Schäden, die dadurch entstanden, dass das mobile Endgerät auf einem Fahrzeug lag;

Fragt sich, wer hier wen absichert.

Weiter unten im Vertrag noch der Vermerk: Für diesen Vertrag gilt das Recht der Republik Österreich. Bleibt zu hoffen, dass uns zumindest Invasion, Bürgerkrieg und militärische Machtergreifung erspart bleiben. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 12.5.2010)

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    foto: derstandard.at
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