"Jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung"

12. Mai 2010, 14:11
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Mit der Zentralmatura und den Bildungsstandards soll die Qualitätsicherung vorangetrieben werden - Schmied: "Größte Intervention im positiven Sinn"

Qualitätsicherung ist eine der "zentralen bildungspolitischen Aufgaben", sagte Bundesministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Um die Qualität der heimischen Bildung zu sichern, forciert die Ministerin den Ausbau und die Anwendung von Bildungsstandards und der neuen, zentral organisierten Matura.

Bildungsstandards legen fest, was SchülerInnen in der 4. Schulstufe (in Deutsch und Mathematik) und in der 8. Schulstufe (Deutsch, Mathematik und Englisch) können sollen. Die Überprüfung soll sichtbar machen, ob die angestrebten Kompetenzen auch erreicht werden. "Es ist die größte Intervention im positiven Sinne", so Schmied. Bislang sei die Schule ein Ort des Lernens gewessen, sie soll jedoch auch eine lernende Institution werden. 

"Ist-Zustand" muss festgestellt werden

Zunächst muss jedoch der "Ist-Zustand" festgestellt werden, so der Leiter der Bundesinstuts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des Österreichischen Schulwesens (Bifie), Günter Haider. "Wir wissen nicht wirklich, wie das Leistungsvermögen derzeit aussieht", sagte Haider. Um sich einen Überblick über die Ausgangslage zu verschaffen, werden sogenannte "Baseline"-Tests zunächst in der vierten Klasse Volksschule in Deutsch und Mathematik durchgeführt. Der Fokus soll jedoch nicht bei den derzeit erzielten Ergebnissen liegen, sondern bei der zu erwarteten Entwicklung. "Jetzt beginnt die neue Zeitrechung", so Haider. 

Kein Beurteilungsinstrument

Ab dem Schuljahr 2011/12 werden erstmals Schüler der 8.Schulstufe in Mathematik, im Jahr darauf in Englisch und im Schuljahr 2013/4 schließlich in Deutsch auf ihre Kenntnisse hin überprüft werden. In der 4. Klasse Volksschule beginnen die Tests ab dem Schuljahr 2012/13 mit Mathematik und ab dem Schuljahr 2013/24 mit Deutsch. Insgesamt sind circa 83.000 SchülerInnen in der Volksschule und rund 90.000 SchülerInnen in der 8.Schulstufe an den Tests beteiligt.

Die Test werden jedoch nicht zur Beurteilung der einzelnen Schüler herangezogen, zunächste werden die Ergebnisse national gesammelt und berichtet. Eine Veröffentlichung in Form eines Rankings der Schüler oder Schulen wird es ebenso wenig geben wie die Einsichtmöglichkeit. Von Lehrern auf das Ergebnis einzelner Schüler. Auf die Inidvidualergebnisse können nur die Schüler selbst, auf die anonymisierten Klassenergebnisse die jeweiligen Klassenlehrer und auf die Schul-Ergebnisse die jeweiligen Direktoren Einsicht nehmen. 

"Informelle Kompetenzmessung" als Diagnose-Instrument

Zusätzlich zu den offiziellen Bildungsstandards-Tests werden vom BIFIE auch informelle Kompetenzmessungen angeboten. Ab Ende Mai 2010 werden diese Diagnose-Instrument für die 3. und die 7. Schulstufe erstmals zur Anwendung. Zu diesen freiwilligen Selbsttest haben sich mehr als 45.000 SchülerInnen in rund 1.700 Volksschulen angemeldet. Anhand der Ergebnisse kann der Unterricht entsprechend fokussierter geplant werden. Tests sind auch für weiter Schulstufe sind geplant.

"Durchwachsene Ergebnisse" bei Matura

Bei der neuen Matura - die ab 2013/14 an den AHS, ab 2024/25 an den BHS eingeführt wird - erproben derzeit 308 der rund 350 AHS die standardisierte Reifeprüfung  in den lebenden Fremdsprachen. 2010 haben 16.500 SchülerInnen am Schulversuch der Matura Neu teilgenommen. Bei den ersten Erprobungen der neuen Matura im den lebenden Fremdsprache in den beiden Vorjahren hätten sich gegenüber den "normalen" Reifeprüfungen "durchwachsene" Ergebnisse gezeigt, so BIFIE-Co-Direktor Josef Lucyshyn.

Die Hörbeispiele wären gut gelöst worden, bei den Lese-Aufgaben habe es Abweichungen von rund zehn bis 20 Prozent nach oben bzw. unten gegeben. Die Schüler hätten subjektiv das Gefühl gehabt, dass die Aufgaben anspruchsvoller geworden seien. Bei der neuen Matura werden die Beispiele nicht vom Klassenlehrer erstellt, sondern vom BIFIE zentral vorgegeben. Zusätzlich sind für die neue Matura eine verpflichtende abschließende Arbeit mit Präsentation und eine standortbezogene mündliche Prüfung vorgesehen. (seb, derStandard.at, 12.5.2010)

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