Wirtschaft stagniert, Privatkonsum expandiert

12. Mai 2010, 09:45
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Wifo-Schnellschätzung: Außenhandel und Investitionen schwächer - nur Konsumausgaben gegenüber Vorquartal im Plus

Wien - Die österreichische Wirtschaft ist im 1. Quartal 2010 im Vergleich zum letzten Vierteljahr 2009 nicht gewachsen, das BIP-Plus hat sich im Quartalsabstand von real 0,3 Prozent auf Null abgeschwächt. Im Jahresabstand hat das Bruttoinlandsprodukt zum Jahresauftakt aber um 0,4 Prozent zugelegt, nach noch 1,2 Prozent Minus im Schlussquartal 2009, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Mittwoch in seiner Schnellschätzung bekannt gab.

Schwächer als im Vorquartal entwickelte sich Anfang 2010 der Außenhandel. Exporte und Importe schrumpften im Vierteljahresabstand um jeweils 0,2 Prozent, nachdem davor die Ausfuhren noch um 1,2 Prozent zugelegt hatten und die Importe lediglich stagnierten. Die Bruttoanlageinvestitionen schrumpften weiterhin mit 1,9 Prozent, und die Bruttoinvestitionen insgesamt blieben mit -1,0 (nach -1,3 Prozent) anhaltend schwach. Lediglich die Konsumausgaben legten im Quartalsabstand zu: jene der privaten Haushalte erneut um 0,3 Prozent und die des Staates um 1,0 Prozent (nach +0,1 Prozent).

Erholung macht Pause

Die seit Mitte 2009 beobachtete Erholung der heimischen Wirtschaft hat im 1. Quartal dieses Jahres inne gehalten, erklärte das Wifo in seiner Schnellschätzung zur BIP-Entwicklung. Besonders in der exportgetriebenen Sachgütererzeugung kam der Aufwärtstrend zum Stehen. Die Bauwirtschaft verzeichnete wetterbedingt Produktionsausfälle. Im Jahresabstand dagegen ist das BIP erstmals seit dem 3. Quartal 2008 wieder gewachsen (+0,4 Prozent).

Nach einer Ausweitung der Sachgütererzeugung seit Mitte 2009 im Vorquartalsvergleich sank hier die Wertschöpfung im 1. Quartal 2010 um 0,9 Prozent. Damit lag sie leicht über Vorjahresniveau, aber noch um 12,2 Prozent unter dem Niveau vor Beginn der Rezession im Jahr 2008. In der Bauwirtschaft sank die Wertschöpfung zum achten Mal in Folge (-0,1 Prozent zur Vorperiode). Die Konjunktur in Handel, Gastgewerbe und Verkehr blieb verhalten. Dagegen setzte sich die Stabilisierung der Vermögens- und Unternehmensdienstleistungen fort.

Parallel zur Entwicklung in der Industrie verloren laut Wifo im 1. Quartal auch die saisonbereinigten Exporte nach der Belebung in den beiden Vierteljahren davor zuletzt deutlich an Schwung (-0,2 Prozent). Während die Warenexporte im Quartalsabstand stagnierten, nahm der Dienstleistungsexport ab. Auch die Importe sanken gegenüber der Vorperiode um 0,2 Prozent. Sowohl Importe als auch Exporte lagen im 1. Quartal jedoch erstmals wieder über dem unbereinigten Vorjahreswert (Exporte +1,3 Prozent, Importe +0,2 Prozent).

Infolge der geringen Auslastung der Unternehmen waren die Ausrüstungsinvestitionen abermals rückläufig, der Rückgang verlangsamte sich aber. Die Bauinvestitionen sinken saison- und arbeitstagsbereinigt im Quartalsabstand nun schon seit zwei Jahren. Dabei wurden die Wohnbau-Investitionen erneut überdurchschnittlich eingeschränkt. Die Anlageinvestitionen (Ausrüstungen und Bauten) verringerten sich saisonbereinigt um 1,9 Prozent und lagen auch unbereinigt immer noch unter dem Niveau des Vorjahres (-9,4 Prozent).

Privatkonsum expandiert

Der Privatkonsum expandierte saison- und arbeitstagsbereinigt mit +0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal weiter stabil und ebenso stark wie in den drei Quartalen zuvor. Im Jahresabstand ergab sich unbereinigt aufgrund des frühen Ostertermins ein Plus um 2,5 Prozent.

Frühere BIP-Veränderungen hat das Wifo teils revidiert: Im 4. Quartal schrumpfte die heimische Wirtschaft im Jahresabstand laut neuer Mitteilung um 1,2 Prozent, zuletzt war man noch von -1,4 Prozent ausgegangen. Für das 3. Quartal wurde der BIP-Rückgang gegenüber dem Vorjahr von -3,2 auf -3,1 Prozent revidiert. Im 2. Quartal dagegen - dem stärksten Rückgang in der Rezession - schrumpfte die Wirtschaftsleistung "nur" um 4,9 Prozent nach davor angenommenen -5,1 Prozent. Für das 1. Quartal 2009 wurde das BIP-Minus vom Wifo auf -4,7 (statt -4,9) Prozent korrigiert.

Für 10. Juni plant das Wifo die ausführliche Darstellung des BIP im 1. Quartal. Die nächste Konjunkturprognose der Institute ist für 2. Juli vorgesehen. (APA)

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    Kaum Bewegung beim Wirtschaftswachstum.

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