Alle drei Verdächtigen enthaftet

12. Mai 2010, 15:03
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Verteidiger kritisiert, dass bei Verhaftung sogar Hund erschossen wurde

Korneuburg - Im Fall der verschwundenen Julia K. sind am Mittwoch auch die 27-jährige Frau und ihr 26-Jähriger Ex-Freund enthaftet worden. Der 21-jährige Bruder der Frau wurde bereits am Dienstagabend enthaftet. Dem Korneuburger Haftrichter reichte das Beweismaterial und die Ergebnisse der Hausdurchsuchungen nicht aus, um die U-Haft zu verhängen. "Es fehlt der dringende Tatverdacht in Richtung Freiheitsentziehung", erklärte Gerichtssprecherin Christa Zemanek. Die Staatsanwaltschaft  wird am Freitag entscheiden, ob sie gegen die Enthaftung der Tatverdächtigen Beschwerde einlegt.

Erschwerte Wahrheitsfindung

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg ging davon aus, dass die drei jungen Leute "am Verschwinden von Julia K. beteiligt waren". Das ist der Anordnung zur Hausdurchsuchung bei den drei Verdächtigen zu entnehmen. Die Anklagebehörde unterstellte dem Trio die Intention, "die Wahrheitsfindung wesentlich zu erschweren oder gar unmöglich zu machen". Es sei "im Zusammenhalt mit den bisherigen Erhebungsergebnissen zu schließen", dass sie "an der Freiheitsentziehung der Julia K. beteiligt waren bzw. sind", so BK-Sprecher Alexander Marakovits. 

Bei Verhaftung Hund erschossen

Johannes Öhlböck, der Verteidiger des 26-jährigen Mannes, übt nach der Enthaftung seines Mandanten heftige Kritik an der Ermittlungsarbeit der Sicherheitsbehörden. "Mein Mandant kann sich nicht erklären, weshalb er überhaupt festgenommen wurde und weshalb zehn bis zwölf schwer bewaffnete Cobra-Beamte seine Wohnung gestürmt und seinen Hund erschossen haben", erklärte Öhlböck.

"Er kennt Julia K. persönlich nicht", so der Anwalt. Wie es zu der Vermutung kommen konnte, der 26-Jährige möglicherweise eine Rolle beim Verschwinden des Mädchens gespielt habe, kann Öhlböck nicht nachvollziehen: "Ich habe bisher keine Möglichkeit gehabt, Einsicht in den Akt zu nehmen." "Der Richter hat aber wörtlich gemeint, die Suppe ist zu dünn", berichtete Öhlböck. Am Ende des Tages "bleibt daher nichts übrig als ein toter Hund", bilanziert der Anwalt.

27-Jährige habe keinen näheren Kontakt gehabt

Auch der Verteidiger der 27-Jährigen, Normann Hofstätter erklärte, dass seine Mandantin mit der Verschwunden "keinen näheren Kontakt gehabt" habe.  Die Staatsanwaltschaft ging von einer "Nahebeziehung" aus. "Sie hat mit dem Verschwinden nichts zu tun."

Bei den Hausdurchsuchung wurde nach Julias Schulsachen, Büchern, Kleidung und ihrem Mobiltelefon gesucht. Offensichtlich wurden keine Gegenstände entdeckt, die den Verbleib des Mädchens erklären hätten können. Dafür wurden geringe Mengen an Suchtgift sichergestellt. Den mutmaßlichen Besitzer wegen des Verdachts auf Besitz und Weitergabe von Suchtmitteln in U-Haft zu nehmen, erschien dem Haftrichter unverhältnismäßig.

"Der Umstand, dass bei der 27-Jährigen Drogen sichergestellt worden sind, wurde in der Haftverhandlung thematisiert. Es ist aber klar, dass das nicht in Zusammenhang mit dem Verschwinden Julias steht", betonte Hofstätter.

21-Jähriger habe Julia nicht gekannt

Der Verteidiger des noch am Dienstag auf freien Fuß gesetzten 21-Jährigen erklärte, dass der 21-Jährige mit dem Verbleib Julia Kührers "absolut nichts zu tun hat". Der zum fraglichen Zeitpunkt Minderjährige habe Julia nicht einmal gekannt und diese "höchstens einmal zufällig auf einem Zeltfest gesehen. Mehr an Kontakt hat es nicht gegeben", so Roland Friis.

Warnung per Telefonat

Zentrale Bedeutung misst die Anklagebehörde einem Telefonat bei, das der Ex-Partner der 27-Jährigen am 1. Mai 2010 mit dieser führte und das auf Basis einer gerichtlich bewilligten Rufdatenüberwachung von der Sonderermittlergruppe abgehört wurde. Der 26-Jährige dürfte im Vorfeld in Erfahrung gebracht haben, dass Julias Ex-Freund neuerlich vernommen worden war. Im Telefonat "warnte" der 26-Jährige  seine Ex-Freundin, der Bursch habe "alle verpfiffen".

Rufdatenerfassung

Auch die Ergebnisse einer Rufdatenerfassung machten die Ermittler stutzig: Demnach war Julia K. mit ihrem Mobiltelefon eine dreiviertel Stunde, nachdem sie zum letzten Mal am Hauptplatz in Pulkau gesehen wurde, in unmittelbarer Nähe zum Wohnsitz der Großeltern des 26-Jährigen eingeloggt. Für die Ermittler ergaben sich daraus offensichtlich ausreichende Indizien gegen das Trio.

Unter anderem auch, weil der 26-Jährige am 27. Juni 2006 um 14.03 Uhr mit seinem Mobiltelefon in Sigmundsherberg eingeloggt war und sich damit nur wenige Kilometer von jener Bushaltestelle entfernt aufhielt, an der sich Julia K. um 13.45 Uhr befand. Deren Handy wiederum wurde dann gegen 14.30 Uhr am Sendestandort Horn registriert, wo in unmittelbarer Nachbarschaft die Großeltern des 26-Jährigen leben.

Zurückhaltend in den Aussagen

Im Bundeskriminalamt (BK) ging man davon aus, durch die Einvernahmen der drei jungen Leute Informationen zu gewinnen. Die Verdächtigen waren am Montag ab mittags bis 22.00 Uhr befragt worden, am Dienstag wurden die Einvernahmen um 8.00 Uhr fortgesetzt und dauerten - mit Pausen - bis 20.00 Uhr. Die 27-Jährige habe sich "nicht sehr kooperativ gezeigt, wenig gesagt und war sehr zurückhaltend in ihren Aussagen", berichtete BK-Sprecher Alexander Marakovits. (APA)

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