Religionssoziologe Berger mit Leopold-Lucas-Preis geehrt

11. Mai 2010, 22:30
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Berger beschäftigte sich mit der Frage, wie die multikulturelle Welt den Glauben und das Leben der Menschen verändert

 

Tübingen - Der aus Wien stammende amerikanische Religionssoziologe Peter L. Berger (81) hat am Dienstag in Tübingen eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Geisteswissenschafter in Deutschland erhalten: den mit 50.000 Euro dotierten Leopold-Lucas-Preis. Der Leopold-Lucas-Preis wird jährlich für Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte und der Philosophie verliehen und erinnert an den jüdischen Religionswissenschafter Leopold Lucas, der in Tübingen promovierte und im Konzentrationslager Theresienstadt umgebracht wurde.

Berger beschäftigte sich sein ganzes Leben lang mit der Frage, wie die multikulturelle Welt den Glauben und das Leben der Menschen verändert. Ständig sei der moderne Mensch auf seinem Lebensweg gezwungen, Entscheidungen zu treffen, schrieb Berger schon in den 1960er Jahren. Eines seiner bekanntesten Büchern ist "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit", das er gemeinsam mit Thomas Luckmann verfasste. Berger genieße als Wissenschafter Weltruhm, würdigte ihn die Universität Tübingen, deren evangelisch-theologische Fakultät den Preis vergibt.

Zweifel als Grundvoraussetzung

Der Zweifeln sei eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Miteinander, schrieb Berger in seinen Büchern. "Aufrichtiger und konsistenter Zweifel ist die Quelle der Toleranz." Der Mensch müsse sich deshalb mit einem gewissen Maß an Unsicherheit im Glauben und im Leben arrangieren.

Berger wurde am 17. März 1929 in Wien geboren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er in die USA aus. Ab 1956 lehrte er an verschiedenen amerikanischen Universitäten. Seit 1985 ist er außerdem Direktor des "Institute on Culture, Religion and World Affairs" an der Boston University. Für sein Werk erhielt Berger auch österreichische Auszeichnungen wie den Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (2000) und den "Paul Watzlawick-Ehrenring" (2008).

Der Leopold-Lucas-Preis wurde 1972 von Lucas' Sohn gestiftet. Unter den bisherigen Preisträgern waren der katholische Theologe Karl Rahner und der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper. (red/APA)

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