Maschinen machen auch nur Jobs

11. Mai 2010, 21:54
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Die Automatisierung zerstört Jobs, hieß es einmal - Die drei Gewinner des Wettbewerbs "Arbeitsplätze durch Innovation" konnten diesen Grundsatz sogar im Krisenjahr 2009 widerlegen

Gehen wir's grundsätzlich an: "Obwohl die Maschinerie notwendig Arbeiter verdrängt in den Arbeitszweigen, wo sie eingeführt wird, so kann sie dennoch eine Zunahme von Beschäftigung in anderen Arbeitszweigen hervorrufen", glaubte Karl Marx. Und dann das: Von anderen Arbeitszweigen kann in diesem Fall gar nicht die Rede sein - im Jahr 2009 sind es sogar dieselben Firmen, die Automatisierung forcieren und gleichzeitig noch Arbeitsplätze schaffen.

Diesen Schluss legt zumindest das Ergebnis des Wettbewerbs "Arbeitsplätze durch Innovation" für das Krisenjahr 2009 nahe. Realisiert wird er seit vier Jahren bundesweit von der Arbeiterkammer und der Foschungsförderungsgesellschaft (FFG), unterstützt vom Wirtschaftsministerium. Immerhin zwei der drei Bundessieger unter diesen Unternehmen haben im engsten Sinn mit Automatisierung zu tun, das andere mit Maschinen oder genauer gesagt mit feinmechanischen Bauteilen. Alle neun Preisträger zusammen - in jedem Bundesland wird einer ermittelt - haben während der letzten drei Jahre 660 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und dabei den eigenen Umsatz um über 180 Millionen Euro gesteigert. Alle ausgezeichneten Unternehmen haben zudem auch im schwierigen Jahr 2009 weitere Beschäftigte einstellen können.

Quote und Qualität

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner geht davon aus, dass diese außergewöhnliche Leistung generell mit der österreichischen Forschungslandschaft zu tun hat: "Wir sind gut aufgestellt und liegen bei der Forschungsquote im EU-Ranking schon auf dem dritten Platz." 2009 lagen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei 2,56 Prozent.

Die FFG-Geschäftsführer Henrietta Egerth und Klaus Pseiner stellen den Zusammenhang zur Förderung her: "Die neun Landessieger demonstrieren eindrucksvoll, welche Hebelwirkung die direkte Forschungsförderung auf Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung der Unternehmen hat."

AK-Präsident Herbert Tumpel sieht die Bedeutung einer Auszeichnung solcher Unternehmen im Umstand, dass Arbeitsplätze mit Perspektiven und guten Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer ohnehin immer die krisenresistenteren sind. Wie das die drei Bundessieger gemacht haben, die unter neun Landessiegern ermittelt wurden, oder noch wichtiger: was sie eigentlich machen, ist dabei freilich am interessantesten.

Das erstplatzierte Linzer Unternehmen Sprecher Automation automatisiert so ziemlich alles, was heute denkbar und notwendig erscheint: Energieanlagen, komplexe Prozesse in der Stahl- oder in der Holzindustrie und Verkehrsleitsysteme. Die Lösungen, die für die Steuerung einer Umspannstation gefunden werden müssen, sind dabei völlig andere wie für ein Messsystem zur Konturenerkennung von Rundholz. Zwanzig neue Vollzeitstellen in drei Jahren sind in diesem Unternehmen also naturgemäß Arbeitsplätze für hochqualifizierte Menschen.

Unternehmenskulturbonus

Eine simple Addition der meisten Neueinstellungen bildet der Wettbewerb "Arbeitsplätze durch Innovation" aber nicht ab - andere Unternehmen haben im gleichen Zeitraum sogar noch mehr Stellen geschaffen. In die Bewertung fließen vor allem auch Kriterien der Unternehmenskultur ein. Sprecher Automation zeigt sich engagiert in der Lehrlingsausbildung, will interkulturelle Kompetenz beweisen und verfügt sogar über eine eigene Frauenquote. Letzteres ist im Hinblick auf die jüngste FFG-Studie über die Wirkung von Basisprogrammen zur Förderung von KMUs bemerkenswert: Die Studie hält nämlich fest, dass der Anteil weiblicher Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiterinnen an geförderten Projekten abermals sank: von 15 Prozent im Jahr 2008 auf nur mehr neun Prozent im Jahr 2009.

Über eine gezielte Firmenpolitik zur Ausbildung von Frauen in einer Männerdomäne verfügt das zweitplatzierte Kärntner Unternehmen Wild. Dort werden komplexe Optiken etwa für die Medizin hergestellt - besonders erfolgreich war das Unternehmen mit einem Diagnosegerät für den Grünen Star. Und wenn man schon in diesem Segment Fuß fasst, dachte sich Wild, soll es auch Maßnahmen für die Gesundheitsvorsorge der eigenen Mitarbeiter geben.

Das drittplatzierte Vorarlberger Unternehmen Bachmann Elektronik ist ebenfalls ein Spezialist für Automatisierung - mit den wichtigsten Partnern aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Bei Bachmann kann schließlich ein weiterer Grundsatz der politischen Ökonomie zur Überprüfung angemeldet werden: Maschinen sind Profitmaximierer für die Unternehmer, hieß es mal. Hier erhalten alle 370 Mitarbeiter jährliche Gewinnausschüttungen. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 12.05.2010)

  • Das Förderband als Symbol der Automatisierung (hier in der Goldmann-Druckerei Tulln): kein Widerspruch zur Arbeitsplatzbeschaffung.
    foto: standard/cremer

    Das Förderband als Symbol der Automatisierung (hier in der Goldmann-Druckerei Tulln): kein Widerspruch zur Arbeitsplatzbeschaffung.

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