James Cook: Der Entferner der weißen Flecken

11. Mai 2010, 21:40
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Das Völkerkundemuseum zeigt eine große Ausstellung über James Cook (1728-1779)

Der britische Seefahrer entdeckte nicht nur zahllose Inseln, sondern trug auch zur Erfindung der Ethnografie bei.

Niemand habe die Grenzen unseres Wissens in so kurzer Zeit und in einem solchen Maß erweitert wie James Cook. Das sagte einer, der es wissen musste: Georg Forster war nicht nur einer der wichtigsten Naturforscher des 18. Jahrhunderts, sondern hatte den britischen Entdecker auch bei der zweiten seiner drei Weltreisen begleitet.

Diese Expeditionen in unbekannte Regionen des Globus sollten nicht nur unser Bild von der Welt verändern, sondern "auch unser abendländisches Denken", sagte Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien kurz vor Eröffnung der großen Cook-Ausstellung im Völkerkundemuseum. Tatsächlich tilgte Cook mehr weiße Flecken von der Landkarte als jeder andere Zeitgenosse. Er war es auch, der 1770 die bis dahin eher nur vermutete "Terra Australis incognita" in ihren wahren Dimensionen entdeckte.

Wie fleißig Cook beim Entfernen der weißen Flecken war, wird mit zwei Globen am Beginn und am Ende der Großausstellung veranschaulicht: Ein Tischglobus aus dem Jahr 1764 zeigt beim Eingang die Welt "vor Cook". Am Ausgang wartet ein Globus, den die Abonnenten des Geographical Magazine 1783 erhielten. Cook hat entscheidenden Anteil daran, dass sich auf dem zweiten nun etliche südpazifische Inseln befanden.

Ersteigerte Cook-Objekte

Warum nun ausgerechnet auf der entgegengesetzten Seite des Globus die bisher größte Cook-Schau zu sehen ist, hat einen ganz einfachen Grund, wie Christian Feest, Direktor des Völkerkundemuseums, erklärt: Die hauseigene Cook-Sammlung ist "nicht nur die zweitgrößte der Welt, sondern auch die Gründungssammlung des Völkerkundemuseums".

Zu verdanken ist das den Habsburgern oder besser Baron Leopold Fichtel, der 1806 nach London geschickt wurde, um bei der Versteigerung der Sammlung Cooks Objekte für das k. u. k. Hof-Naturalienkabinett anzuschaffen. Fichtel zeigte aber nicht nur bei den "Naturobjekten" auf, sondern kehrte auch mit reicher ethnografischer Beute nach Wien zurück.

Apropos Ethnografie: Dieser Begriff wurde 1771 in Göttingen erfunden, wie der Völkerkundler Feest erklärt. Und in Göttingen gibt es auch den größten Bestand an Objekten der Reisen Cooks. 1771 wiederum war jenes Jahr, an dem der britische Entdecker seine erste Weltreise beendete, die ihn unter anderem nach Tahiti, Neuseeland und Australien führte. Auch bei seinen beiden anderen Reisen ging es vor allem in den Südpazifik. Von der dritten kehrte er dann nicht mehr zurück: 1779 wurde er unter nicht restlos geklärten Umständen auf Hawaii getötet.

Auf den drei Reisen wurde nicht nur eine Unmenge neuer Erkenntnisse zusammengetragen, sondern auch zahlreiche "Kuriositäten", die nach zwei Jahrhunderten in der bisher größten Cook-Schau zusammenfanden, die zuerst in Bonn lief und jetzt in Wien zu sehen ist.

Eine neunschwänzige Katze

Die drei Reisen sind auch das Gliederungsprinzip der Großausstellung: Vor den etwas aufdringlichen Hintergrundfarben Petrol, Blaulila und Dunkelorange werden auf 1400 Quadratmetern rund 500 vor allem ethnografische Artefakte, aber auch zeitgenössische Gemälde, wissenschaftliche Instrumente und Schiffsinventar (inklusive neunschwänziger Katze) gezeigt und kurz kommentiert.

Ein wenig unterbelichtet erscheinen die gewonnenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse – und das, obwohl die Reisen das erste europäische und interdisziplinäre Forschungsprojekt waren, bei dem auch Linnés universelles Klassifikationssystem der Natur im großen Stil angewandt wurde, wie Feest erläutert.

Umso mehr dürfen dafür die Ethnografica für sich sprechen – vom weltweiten Unikat einer Federkrone aus Tonga bis zum ersten in Europa gelandeten Bumerang. Und allein diese erstaunlichen, teils bizarren Objekte machen den Gang durch die Cook-Ausstellung zu einer wundersamen Entdeckungreise. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.05.2010)

  • Mit dem Finger auf der Landkarte: James Cook veränderte durch seine Reisen das Bild der Welt.
    foto: national maritime museum, greenwich

    Mit dem Finger auf der Landkarte: James Cook veränderte durch seine Reisen das Bild der Welt.

  • Auf diesem Globus von 1764 wurde die "Terra Australia incognita" nur vermutet.
    foto: national maritime museum, greenwich

    Auf diesem Globus von 1764 wurde die "Terra Australia incognita" nur vermutet.

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