Mit dem Glanz der verstorbenen Eltern

    11. Mai 2010, 20:07
    posten

    Benigno Aquino wird neuer philippinischer Präsident

    Ich lebe ein zweites Leben. Das ist die Rolle, die ich spielen muss" , sagt Benigno Aquino gern unter Verweis auf das Attentat, das 1987 auf den Sohn der damaligen Präsidentin Corazon Aquino verübt wurde. Ein Splitter einer Kugel, die abtrünnige Soldaten damals auf ihn schossen, steckt noch in seinem Nacken.

    Noynoy Aquino, wie der 50-Jährige, der selbst ein begeisterter Schütze ist, genannt wird, hatte vor allem die Rolle eines Menschen mit einem berühmten Nachnamen inne. Sein Vater Benigno Aquino wurde - als Noynoy 23 Jahre alt war - in Manila von Schergen des damaligen Präsidenten Ferdinand Marcos erschossen. Die zurückgebliebene Witwe Corazon Aquino wurde schlagartig zur Ikone der People's-Power-Bewegung, die sich erfolgreich gegen die Marcos-Diktatur auflehnte. Drei Jahre später war sie Präsidentin.

    Sohn Noynoy studierte Wirtschaft. Eine seiner Professorinnen auf der Eliteuniversität Ateneo de Manila wurde auch Präsidentin: Gloria Arroyo. Arroyo, die durch Korruptionsskandale ihre Beliebtheit einbüßte, gab nun im Wahlkampf für Aquino ein gutes Feindbild ab. Als seine Mutter vergangenen August an Krebs starb, erbte der scheue Billardspieler ihre Popularität und entschloss sich, bei den Präsidentschaftswahlen als Saubermann zu kandidieren. Der unauffällige Senator wurde plötzlich zum Liebling der Massen - und stellte sogar den Schauspieler und Frauenliebling Joseph Estrada in den Schatten.

    Unterstützung bekam er nicht nur von seiner Schwester, der Schauspielerin Kris Aquino. Bei einer Wahlveranstaltung ließ er auch eine Frau im Engelskostüm auftreten, die meinte, Corazon selbst habe sie aus dem Himmel geschickt. Dabei repräsentiert Noynoy, der sich lässig kleidet, ganz profan die Oligarchie auf den Philippinen. Seine Mutter setzte sich zwar für eine Landreform ein, doch diese blieb auf halbem Weg stecken. Die Aquinos selbst besitzen eine Zuckerrohrplantage mit 6500 Hektar, auf der 10.000 Menschen arbeiten, die kein Land besitzen.

    Die neue Popularität mag Aquino III. nicht. Jüngst beschwerte er sich darüber, dass er mit seiner 30-jährigen Freundin Shalani Soledad nicht mehr in Ruhe essen gehen könne. "Unser Leben ist eine Telenovela geworden." Im Fall eines Wahlsieges wolle er die Steuern nicht erhöhen und mit dem Rauchen aufhören, versprach der Kettenraucher, bevor er am Montag die Wahlen gewann. Mit letzterem Vorhaben könnte er zumindest "sein zweites Leben" verlängern. (DER STANDARD Printausgabe, 12.5.2010)

    • Bild nicht mehr verfügbar
    Share if you care.