Armutszeugnis für Behörde

11. Mai 2010, 19:31
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Hoffentlich bleiben die vielen Ankündigungen, wie man künftig die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen verhindern wolle, nicht nur leere Worte

Hoffentlich bleiben die vielen Ankündigungen, wie man künftig die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen verhindern wolle, nicht nur leere Worte. Denn immer wieder zeigt sich, dass es gerade in pädagogischen Bereichen enorme strukturelle Schwachstellen gibt - sei es in der Kirche, in Schulen oder, so lautet zumindest der aktuellste Vorwurf, in Heimen.

Was das private Wiener Heim für verhaltensauffällige Jugendliche betrifft, sind die Vorwürfe erneut massiv. Ob sie stimmen, müssen freilich Sicherheitsbehörden und Justiz erst klären. In der Causa gab es schon einmal einen Prozess, der mit einem Freispruch im Zweifel geendet hat. Der Richter sagte damals: "Wir sind überzeugt, dass es sexuelle Kontakte zwischen dem Angeklagten und den Jugendlichen gegeben hat." Doch zahlreiche Widersprüche der mutmaßlichen Opfer - Burschen zwischen 14 und 16 - hätten es unmöglich gemacht, die "genaue Begehungsweise" festzustellen. Der Angeklagte von damals war übrigens kein direkter Heimmitarbeiter, hatte aber Zugang.

Juristisch gibt es an einem Freispruch im Zweifel nichts zu rütteln. Doch dass das Jugendamt das strukturelle Problem nicht erkannt hat, ist ein Armutszeugnis für die Behörde. Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, müssen über jeden Zweifel erhaben sein. Das zu überprüfen ist eine Aufgabe, die nur eine ständig arbeitende Kommission erfüllen kann. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13. Mai 2010)

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