Rettungs-AG für den Euro

11. Mai 2010, 18:58
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Der Euro-Rettungsschirm ist wie viele andere Finanzvehikel aus der Taufe gehoben worden. Einige Investoren treffen einander hinter verschlossenen Türen, einigen sich auf ein Investitionsziel und gründen dann mithilfe von Anwälten und Treuhändern eine Zweckgesellschaft in einer Steueroase. Einzig bei diesem Finanzgeschäft handelt es sich um den Schutzschirm für die EU. 440 Milliarden an Garantien sollen in den kommenden Monaten in einem Luxemburger "Special Purpose Vehicle" (SPV), einer Zweckgesellschaft, geparkt werden, um im Ernstfall notleidende Staaten retten zu können. Luxemburg ist die Heimat von 30.000 SPVs. Die Euro-Rettungs-AG, Euro-Rescue S. A. oder wie die Gesellschaft sonst heißen wird, ist für die Bürger Europas die wichtigste. In Luxemburg soll nur eine kleine Gruppe mit einem Treuhänder an der Spitze lokalisiert sein, die Entscheidungen treffen die Eigner, also die einzelnen Staaten. Damit konnte sich die deutsche Regierung durchsetzen, dass die wohl bedeutsamste wirtschaftspolitische Maßnahme seit Bestehen der EU nicht direkt bei der Kommission in Brüssel angesiedelt ist. Statt der Kommission wurde daher ein Vehikel gewählt, das gerade an jene komplexen Finanzkonstruktionen von Banken erinnert, die in der Krise massenweise kollabierten. (sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2010)

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