Sexorgien mit minderjährigen Zöglingen

11. Mai 2010, 19:01

Zöglinge des August-Aichhorn-Heimes in Wien sollen vergewaltigt worden sein - Die Stadt plant eine Missbrauchskommission

Wien - Sie sollen bei Sexorgien vergewaltigt worden sein, trotzdem seien die Täter ungestraft geblieben: Das behaupten zwei ehemalige Zöglinge des Kinderheimes August Aichhorn in Wien-Hietzing, damals elf und 14 Jahre alt. Die Polizei ermittelt nun gegen sechs Verdächtige: den Chef einer Hietzinger Reinigungsfirma und engen Freund des Heimleiters, gegen zwei Mitarbeiter des Heims und drei unbekannte Personen.

Das August-Aichhorn-Heim betreut schwererziehbare Kinder und Jugendliche. Auch die Stadt Wien brachte und bringt dort Kinder unter. In den späten Neunzigerjahren soll der Chef der Reinigungsfirma Zöglingen angeboten haben, für Geld für ihn zu putzen. Wer annahm, soll abgeholt und zu Sexpartys gebracht worden sein. Dort sollen die Burschen vergewaltigt und gezwungen worden sein, benutztes Sexspielzeug zu putzen. Im Keller der Wohnung soll sich eine "Folterkammer" befunden haben, in der Kinderpornos gedreht wurden. Auch Kinder aus anderen Heimen sollen zu den Orgien gebracht worden sein.

Bereits 2001 stand der Chef der Reinigungsfirma wegen der Vorwürfe vor Gericht. Er wurde damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen - "Obwohl wir überzeugt sind, dass es sexuelle Kontakte zwischen dem Angeklagten und den Jugendlichen gegeben hat", wie der Richter anmerkte. Die Jugendlichen hatten sich in ihren Aussagen in Widersprüche verwickelt.

Am 19. März 2010 wandten sich die beiden Opfer an die Stadt Wien, diese erstattete erneut Anzeige. Die Wiener Zeitung berichtete groß über den Fall. Die Polizei ermittelt nun wegen der gleichen Taten, allerdings wurden neue Zeugen vernommen, sagt Polizeisprecher Roman Hahslinger. Neue Opfer gebe es nicht.

Die beiden Zöglinge erheben auch Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft: Fotos der Orgien, die einer der beiden der Polizei übergeben haben will, sollen verschwunden sein, das Gericht soll relevante Zeugen 2001 nicht einvernommen haben. "Wir müssen die Akten von damals erst lesen, bevor wir dazu etwas sagen können", sagt Paul Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. Der Anwalt des Reinigungsunternehmers weist alle Vorwürfe zurück, die Heimleitung war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

"Die Stadt Wien bringt nur mehr bei speziellem Betreuungsbedarf Kinder in dem Heim unter", sagt Herta Staffa, Sprecherin des Jugendamts. Derzeit seien es "eine Handvoll". Das Amt habe das Heim 2001 wegen der Vorwürfe 14-mal unangemeldet kontrolliert, Hinweise auf Missbrauch wurden nicht gefunden.

Kommission für Wien

Die Stadt Wien will nun eine Kommission einrichten, wie sie die Kirche in Österreich für Missbrauchsvorwürfe eingesetzt hat: "Es gibt erste Überlegungen, eine Historikerkommission einzurichten, die sich mit städtischen Heimen beschäftigt und die pädagogischen Konzepte aufarbeitet", sagt Monika Sperber, Sprecherin des zuständigen Bildungsstadtrats Christian Oxonitsch (SP).

Seit Ende März gibt es eine Hotline der Stadt Wien (70 77 000) für Missbrauchsopfer. 17 Menschen riefen bisher an, 11 gaben an, in städtischen Heimen missbraucht worden zu sein, fünf in kirchlichen, einer in der Familie. Die meisten Fälle liegen mindestens 30 Jahre zurück. (Tobias Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13. Mai 2010)

Kommentar posten
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Brigitte Kashofer1
 
01
15.5.2010, 01:26
Geheimsache "Kindergulag"

Nachdem im März bereits der Artikel in der Wiener Zeitung erschienen ist und ich andere Zeitungen darauf aufmerksam gemacht habe, scheint der Stein endlich ins Rollen zu kommen. Es passt nur den Chefredakteuren so gar nicht in den Kram, da diesmal nicht die kathol. Kirche, sondern die SPÖ involviert ist. Also wird es sicher kein Skandal, sondern bleibt ein bedauerlicher Einzelfall.

Mike 23
05
15.5.2010, 00:07
Der Bericht ist gut versteckt

zwischen den Artikeln über die röm-kath Kirche.

Applaus, Applaus.
02
13.5.2010, 12:39
Der Lehrer des Sozialpädagogischen Zentrums, der das aufgedeckt hat, wurde gefeuert.


*das* ist der Skandal.

Johannes St.
 
00
12.5.2010, 21:26
man braucht anscheinend nur einen guten Anwalt, der die ohnehin schon geschädigten Opfer verwirrt

und fertig ist der Freispruch.

Da hat sich unsere Justiz wieder einmal hervorgetan...

Saskijan
00
13.5.2010, 17:26
und es kommt darauf an...

@Johannes St.
wer gedeckt werden muss von den Mittätern die bei solchen Kinderschänder Ringen beteiligt sind wie Manager. Feuerwehrleute und Ehepaare die sich mit den Kindern im illegalen Bordel und Sado Maso Studio- (Keller) vergnügt haben!

Damit kann der Hauptinitiator die Justiz wie man sieht erpressen, wer weiß, wer sich noch in Wien beliefern ließ...
Information & Aufklärung
www.gegensexuellegewalt.at

benno sorgenvoll
11
13.5.2010, 06:33

Da brauchte es gar keinen guten Anwalt, da genügt ein Lehrer, der aus persönlichen Gründen, die Einrichtung unbedingt anpatzen und auf der Anklagebank sehen wollte und schlechte Prozessbegleitung.
Der Richter hat (in dem Fall leider) so entscheiden müssen, wie es unseren rechtlichen Grundsätzen entspricht. Verurteilung nur bei völlig klarer Beweislage. In dem Fall kein Justizskandal.

goiserer97
00
13.5.2010, 12:06
Traummännlein!

In Österreich bestimmt der Richter (freie Beweiswürdigung) welche Aussagen wahr sind oder welche nicht. Beim Goiserer Kinderpornoskandal 1997 hat es nicht einen einzigen Sachbeweis gegeben und es wurde nur auf Grund von Lügen und Verleumdungen ge- und verurteilt

benno sorgenvoll
00
13.5.2010, 16:24

Hab den ganzen Prozess damals im Gerichtsaal verfolgt. Die Aussagen passten einfach nicht zusammen und waren teilweise nachweislich falsch. Zum Vorposter: Die Jugendlichen wurden nach meiner Erinnerung mehrheitlich kontadiktorisch einvernommen, die Möglichkeiten des Anwalts, die Zeugen zu verwirren, waren also begrenzt. Auch wenn es mir in dem Fall nicht passt, war die Urteilsbegründung schlüssig und der Richter hat das Urteil selbst bedauert. Die Einrichtung war nie angeklagt und die Rolle des Lehrers mehr als fragwürdig.

... zoroaster
03
13.5.2010, 17:08
SEHR INTERESSANT!!!

Dass die Herren:

"benno sorgenvoll" + "Darquewillow Elventhing"

bei dem Prozess "beruflich" dabei waren; und die Sache kleinreden und abwiegeln wollen. Ich war auch dabei, und zwar als Angehöriger eines der Betroffenen, und bei der "Urteilsverkündung" waren vielleicht max. 20 Leute im Saal. Eigenartiger Zufall, nicht???!!! JEDEM im Saal war klar, was bei der Sache abging, denken sie nur an die bewiesenen Saunaclub- und Gaybar-Besuche (zur "Abschreckung") mit den Minderjährigen!!!
Lieber Standard, bitte die IPs dieser Herren zu archivieren, für den "Fall der Fälle"!!!

mit besten Grüßen,
-zoroaster-

benno sorgenvoll
00
13.5.2010, 19:44

Will die Sache in keiner Weise klein reden, ganz im Gegenteil! Bin nach wie vor überzeugt, dass an den Mißbräuchen etwas dran war und war über das Urteil schockiert und verstehe ihre Reaktion als Angehöriger. Bin aber auch überzeugt, dass die Rolle des Einrichtung falsch dargestellt wird und wurde und sich die Poster darauf stürzen. Leider standen die Jugendlichen damals unter großem Druck von vielen Seiten, was der Sache und der Verurteilung des Täters letztendlich nicht dienlich war. Schade, dass das ein öffentliches Forum ist, sonst könnten wir sicher einige Dinge aufklären.

benno sorgenvoll
00
14.5.2010, 07:20

PS: Dass sich neben Dutzenden anderen auch zwei, die beruflich mit der grauslichen Sache zu tun hatten, melden bzw. dazu Stellung beziehen, finde ich jetzt weder besonders interessant noch auffällig, eher, dass es "nur" zwei sind. Ausserdem bin ich beim Standard mit meinem richtigen Daten angemeldet. Ich pflege auch "anonym" nur zu schreiben, was ich auch vertreten kann.

Darquewillow Elventhing
00
14.5.2010, 08:33

ich weiß nun auch nicht, was Sie, geschätzter Zoro, so rasend interessant finden und was sie zu dem Schluss bringt , dass die Sache in den Postings von b.s. und meiner wenigkeit kleingeredet werden würde.
in meinem posting habe ich mit keiner zeile irgend etwas kleingeredet.
dem standard sind btw. meine daten sehr wohl bekannt.

Joseph Kyselak
03
12.5.2010, 17:35
Vor ungefähr 2 Monaten deutete ein Profil-Artikel an...

... wie tief es in diesem Sumpf nach unten geht.

Wenn ich mich recht entsinne, schimmerte da die Hypothese durch, dass die Opfer der kirchlichen Missbrauchsskandale eher dem Mittelstand und Kleinbürgertum ("Mein Kind soll ins Klosterinternat und was "G'scheites" lernen bzw. "Besseres" werden) entstammen, während die Opfer aus staatlichen Kinderheimen aus schwerst zerrütteten Verhältnissen kommen und bis heute nirgendwo Ansprechpartner, geschweige denn Glauben für ihre Erzählungen fanden und finden. Somit müsse man sich auf eine zweite Welle an Aufdeckungen gefasst machen, die noch viel schwerwiegender sei als die erste (nur die Kirche) betreffende Welle.

Zum Kotzen ist natürlich beides.

Kaputt Nick
 
03
12.5.2010, 14:07
"Orgien" der Organisatoren,

Und was ist mit der Pein der "Organisierten"?

Standard spricht aber nur "tätersprech"
,

Arnold Layne
00
12.5.2010, 16:42
irgendwie muss man sich am markt ja erhalten...

Kaputt Nick
 
01
12.5.2010, 14:06
"Orgien" der Organisatoren,

Und was ist mit der Pein der "Organisierten"?

Standard spricht aber nur "tätersprech"
,

Die Ente Lippens
08
12.5.2010, 11:30
Zum Kotzen das Ganze. Und grenzenlose Gleichgueltigkeit, wenn das Thema nicht gerade dankenswerterweise von den Medien praesentiert wird.

benno sorgenvoll
15
12.5.2010, 14:24

Leider berichten die Medien in diesem Fall undankenswerter Weise hauptsächliches Falsches und die Poster springen in allen Zeitungen auf. War damals mit dem Fall (leider) beruflich befaßt und zähle in dem Fall die Einrichtung und die Leitung auch zu den Opfern. Was nicht heißt, dass an den Missbrauchsvorwürfen nichts dran war, nur hatten die MitarbeiterInnen damit nichts zu tun und bedauerten den Freispruch (wegen widersprüchlichen und nachweislich falschen Aussagen der Opferzeugen) genauso. Verbockt wurde das Ganze von "Beratern/Lehrern" von ausserhalb und die Jugendlichen versuchten sich in ihren Aussagen immer noch zu übertreffen.
Ich denke gerade darüber nach, was ich alles gelesen und geglaubt habe, wo ich keinen Einblick hatte.

Darquewillow Elventhing
00
13.5.2010, 09:37

geht mir genauso. ich hatte damals auch beruflich damit zu tun und kenne die im fall involvierten sowie die dynamik rund herum.
es stimmt einem schon nachdenklich wie sehr viele poster hier , ohne jede kenntnis , ohne jeden einblick verurteilen und losschreien.

studor
00
13.5.2010, 19:45
Es wundert mich nicht, wie sehr viele poster hier , ohne jede kenntnis , ohne jeden einblick verurteilen und losschreien

Das trifft bei den meisten Artikeln zu.

aereo
012
12.5.2010, 11:03

Für mich ist das Ärgste daß die Vertuschungsgesellschaft bis in unser Jahrzehnt überall perfekt funktioniert hat. Soignierte Herren der Gesellschaft gegen wehrlose Fratzen. Hauptsache nur kein Skandal.

Hans Müller1
 
59
12.5.2010, 10:39
Na der Artikel ist aber schnell ganz nach unten gerutscht

Wenn's ein Artikel gewesen wäre der auf Basis von Gerüchten irgendwas über den Papst berichtet hätte dann wär's mindestens 2 Tage ganz oben geblieben

Irma la Douce
00
12.5.2010, 16:15
der papst ist ja auch in der reinigungsbranche tätig ....

Jake Gittes
12
12.5.2010, 10:02

Macht echt betroffen dieser Fall. Wie gewissenlos Menschen sein können.

Darquewillow Elventhing
00
13.5.2010, 09:33

nachdenklich, denn betroffen bin ich nicht, macht mich auch wie unreflektiert und kritiklos mediale berichterstattung automatisch als richtig und wahr erachtet wird.

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