ORF in schwarzen Zahlen

11. Mai 2010, 18:59
24 Postings

Konzern: Unter dem neuen Finanzdirektor Grasl im ersten Quartal gleich ein positives Ergebnis - Neues ORF-Gesetz: Vorerst negativ

Wien - ORF-Finanzdirektor Richard Grasl hat gute Nachrichten für seine 35 Stiftungsräte: Kommende Woche kann er dem obersten ORF-Organ nach ersten Informationen des STANDARD erfreuliche Einnahmen - und schwarze Zahlen präsentieren.

Grasl berichtet über die Entwicklung des ORF im ersten Quartal 2010. Leicht über Plan liegen die Gebühreneinnahmen (heuer sollen es laut Plan rund 530 Millionen Euro werden). Mehr als fünf Prozent über dem Finanzplan entwickelten sich die Werbeeinnahmen des ORF (geplant: 208 Millionen, Werbechef Franz Prenner nahm sich 230 vor).

Knapp positiv

Unter dem Strich schafft der ORF unter dem neuen Finanzdirektor im ersten Quartal gleich ein positives Ergebnis - knapp und im Konzern mit den Töchtern, nicht als Einzelunternehmen ORF.

2008 schrieb der ORF-Konzern noch knapp 80 Millionen Verlust. 2009 waren es nach ersten Bilanzdaten 44,5 Millionen Verlust. Die geprüfte Bilanz 2009 legen Grasl und ORF-General Alexander Wrabetz den Stiftungsräten ebenfalls kommende Woche vor. Auch dieses Ergebnis soll sich gegenüber den ersten Daten noch etwas verbessert haben, sagen ORF-Insider dem STANDARD.

Der Stiftungsrat verlangt 2010 ein ausgeglichenes Ergebnis - ohne die ersten 50 Millionen extra aus dem Bundesbudget. 160 dieser Millionen über vier Jahre verspricht das ORF-Gesetz für Filmproduktion, Orchester, Restrukturierung des ORF. Das Gesetz hängt noch im Nationalrat.

Drei Stunden verhandelten die fünf Parteien Dienstag über die Novelle. Die Regierung braucht Oppositionsstimmen, um die Medienbehörde wie geplant weisungsfrei zu stellen.

Von der FPÖ - Heinz-Christian Strache fehlte diesmal, Peter Fichtenbauer kam später und ging früher - lägen bisher keine konkreten Forderungen vor, hieß es nach der Sitzung. Die Grünen fordern etwa eine Art Ombudsmann und Verhaltenskodex für ORF-Mitarbeiter, Schranken für Produktionskostenzuschüsse (insbesondere im ORF-Sport) sowie einen konkreten Stufenplan für mehr barrierefreie ORF-Angebote im Gesetz.

Bei diesen Barrieren gab es laut Dieter Brosz (Grüne) Fortschritte, aber weiter "Dissens" in bekannten Hauptstreitpunkten: Onlinewerbegrenzen und Behördenkontrolle des ORF. Am 19. verhandeln die Parteien weiter darüber. Mitte Juni könnte der Nationalrat das Gesetz beschließen. (red/DER STANDARD; Printausgabe, 11./12.5.2010)

  • ORF-Finanzdirektor Richard Grasl hat gute Nachrichten.
    foto: standard/fischer

    ORF-Finanzdirektor Richard Grasl hat gute Nachrichten.

Share if you care.