Das dänische Wunder

12. Mai 2010, 00:55
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Umjubeltes Sensations-Team fordert nach Siegen über Finnland und die USA Gastgeber Deutschland - Tschechische Blamage gegen Norwegen

Köln - "Wir wollen noch mehr Punkte - und die holen wir uns schon im nächsten Spiel gegen Deutschland." Per Bäckman, der Coach des dänischen Eishockey-Teams, ist auf den Geschmack gekommen. Nach den Sensationssiegen gegen Finnland (4:1) und den Olympia-Zweiten USA (2:1 in der Overtime) steht Dänemark vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch  in Köln (16.15, Sport 1) gegen Gastgeber Deutschland schon in der WM-Zwischenrunde. Dennoch baut Bäckman auf seine stärksten Spieler. "Wenn wir gewinnen, sind das Punkte fürs Viertelfinale" , denkt auch Kapitän Jesper Damgaard schon weiter.

Die Erfolge und die Stimmung im Team vergleichen dänische Medien bereits mit dem EM-Erfolg der Fußballer 1992, als das "Danish Dynamite" sensationell das Finale erreichte und Weltmeister Deutschland 2:0 besiegte. Für die Tageszeitung Politikken sind die Eishockey-Cracks jetzt schon "Eishelden".

"Die Deutschen haben meiner Meinung nach ohnehin nicht das Niveau von Finnland oder den USA", beliebte Bäckman ein bisschen zu sticheln. Und diese beiden Teams hatten ja bereits da Nachsehen. Spätestens als Stefan Lassen nach 2:04 Minuten der Overtime einen Rebound ins Tor der US-Boys befördert und so den vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde besiegelt hatte, schwappte die Stimmung auch in der Heimat über. Jyllandsposten schrieb vom "Eismirakel", und Berlinske Tidene meinte: "Das ist fast schon eine surreale Situation."

Bei einem Sieg gegen Deutschland würde Dänemark fünf oder sechs Punkte in die Zwischenrunde mitnehmen und den Grundstein für den Einzug ins Viertelfinale legen - und damit für den größten Erfolg n der Verbandsgeschichte. Als solcher galt bisher das 5:2 gegen die USA vor sieben Jahren.  "Wir haben zwei Spiele auf unglaublich hohem Niveau gespielt, das haben wir nie zuvor getan. Das ist total wild", sagte Flügelstürmer Morten Green, der schon damals dabei war.

"Puckfresser"

Und NHL-Profi Peter Regin von den Ottawa Senators meinte sogar: "Das ist das beste dänische Team, das jemals zusammengespielt hat." Gegen die Deutschen werde es aber "richtig schwer, weil ihre Fans die besten der Welt sind."

Doch wie einst die Kicker-Kollegen leben die Dänen von der unvergleichbaren Stimmung im Team. "Wir haben eine sehr junge Mannschaft, alle haben Riesenspaß", sagte Mads Christensen, der für die Iserlohn Roosters in der DEL spielt. Mads Bodker ergänzte: "Wir kämpfen in jeder Lage, wir fressen den Puck."

Während die Deutschen nach dem Rausch des 2:1-Erfolges im Eröffnungsspiel gegen die USA mit dem 0:1 gegen Finnland einen Dämpfer hinnehmen musste, werden die Dänen von einer Welle der Euphorie getragen. Und sie können sich auch auf eine erfolgreiche Vergangenheit stützen. Drei Spiele bei Weltmeisterschaften gab es gegen Deutschland - und alle drei gewann der Außenseiter.

Bei der B-WM 1999 in Dänemark gewannen die Gastgeber 6:1, bei der A-WM 2005 in Innsbruck 3:2, die Deutschen mussten absteigen. Im vergangenen Jahr in Bern gab es ein 3:1 für die Dänen. Deutschland blieb der Abstieg nur wegen seiner heurigen Gastgeber-Rolle erspart. Nun muss ein Sieg her. Außer man will sich auf die Finnen verlassen, die am Mittwoch (20.15) die USA in die Abstiegsrunde schicken können. "Wir sind nicht blauäugig" , sagt Deutschlands Coach Uwe Krupp. "Wir kämpfen ums nackte Überleben."

Enge Kisten für die Großen

Einen Tag nach dem dänischen 2:1-Coup gegen die USA sorgte mit Norwegen der nächste skandinavische Underdog für eine Überraschung. Die Norweger beseigten in der Gruppe C den elffachen Weltmeister Tschechien mit 3:2. Da Schweden 3:2 gegen Frankreich siegte, ist Tschechien trotz der Blamage ebenso wie die Tre Kronor für die Zwischenrunde qualifiziert.

Dem Weltranglisten-11. Norwegen genügt im letzten Vorrundenspiel am Donnerstag gegen Frankreich ein Punkt, um die Zwischenrunde zu erreichen. Auch Russland qualifizierte sich vorzeitig durch den zweiten Sieg im zweiten Spiel. In Köln fertigte der Rekordweltmeister Kasachstan mühelos 4:1 ab. Am Abend drehte die Slowakei ein 0:2 gegen Weißrussland noch in ein wichtiges 4:2 um. Der Weltmeister von 2002 kann nun am Donnerstag gegen Kasachstan in die Zwischenrunde einziehen. (sid/red)

ERGEBNISSE vom Dienstag:

Gruppe A in Köln:
Russland - Kasachstan 4:1 (1:0,2:0,1:1) Tore: Owetschkin (11.), Kowaltschuk (21.), Sjomin (38.), Grebeschkow (44.) bzw. Dudarew (58.)

Weißrussland - Slowakei 2:4 (2:0,0:2,0:2) Tore: Demagin (5.), Kaljuschny (10.) bzw. Ciernik (23.), Bartovic (31.,60.), Zagrapan (45.)

Gruppe C in Mannheim:
Tschechien - Norwegen 2:3 (0:1,1:1,1:1) Tore: Jagr (28.,54.) bzw. Zuccarello-Aasen (13.), Fredriksen (31.), Bastiansen (45.)

Schweden - Frankreich 3:2 (1:0,2:0,0:2) Tore: Gunnarsson (18.), Andersson (23.), Harju (28.) bzw. Treille (45.), Tardif (55.)

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    Auf Höhenflug: Dänen-Cracks Frans Nielsen (re) und  Morten Madsen

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