Dirigentisches Debüt mit Feuer und Zartheit

11. Mai 2010, 17:40
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Viel Zeit hatte Leo Hussain nicht, um sein Debüt im Wiener Konzerthaus vorzubereiten

Wien - Erst letzte Woche erfuhr der 32-jährige Brite Leo Hussain, derzeit Musikdirektor am Salzburger Landestheater, von seinem Glück, für Yakov Kreizberg einzuspringen - und das mit einem nicht unheiklen Programm.

Beim ersten Termin im Rahmen des Frühlingsfestivals am Montag war freilich wenig von Zeitknappheit zu merken. Sinnig ließ Hussain die Wiener Symphoniker in Beethovens Violinkonzert phrasieren und die Orchestertutti mit dem nötigen, klar abgestuften Gewicht ausstatten. Währenddessen pflegte Solistin Lisa Batiashvili, mit ihren 31 Jahren dem Wunderkinddasein entwachsen und mit imposantem Selbstbewusstsein gesegnet, den großen romantischen Bogenstrich und verfolgte spontane Gestaltungsideen, die sie ihrem Gegenüber nicht immer ganz vermitteln konnte.

Konzentrierte Entfesselung

Mit ihrem luxuriösen Ton steht die Georgierin für eine Solistengeneration, die die Hörer zu packen versteht, ohne auf grobe Effekte angewiesen zu sein. Allerdings:Dass allein der Soloflötist bei Debussys Prélude à l'après-midi d'un faune mehr klangliche Differenzierung aufbot, zeigte, über welche Kräfte das Orchester verfügt-

Überhaupt präsentierte es sich in guter Spiellaune, die der Dirigent mit Feuer und Feingefühl kanalisierte, wenn es bei Strawinskis Feuervogel-Suite von 1919 vielleicht auch einen Schwerpunkt auf ersterem gab: Hier überwog Entfesselung konzentrierter Kraft, während etwa der Prinzessinnen-Reigen vielleicht etwas mehr atmende Flexibilität vertragen hätte. Aber wie dem auch sei:Leo Hussain hat hier eine Visitenkarte abgegeben, auf der das Wort "Talent" in güld'nen Lettern schimmert. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe, 12.05.2010

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