Kölly: Der alte Hase als junger Spund

11. Mai 2010, 17:41
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Manfred Kölly, Ex-Klubobmann der FPÖ, Bürgermeister von Deutschkreutz, will wieder in den Landtag

Deutschkreutz - Einmal noch will es Manfred Kölly wissen. Und klarerweise schätzt er jetzt, in der Intensivphase des burgenländischen Landtagswahlkampfes, seine Chancen, wieder in den Landtag einziehen zu können, für sehr realistisch ein. "7500 bis 8000 Stimmen müssten für zwei Mandate reichen. Und das wird doch drinnen sein."

Kölly ist Spitzenkandidat der Liste Burgenland - Kurzbezeichnung LBL -, und weil er auch oder vor allem Bürgermeister von Deutschkreutz ist, muss er diesbezüglich den Bezirk Oberpullendorf bearbeiten und rechnet hier "mit 1500 bis 2000 Stimmen".

Manfred Kölly ist, wenn man so will, ein FPÖ-Urgestein, das aber, darauf legt er Wert, "nie radikal war, nie etwas gegen Ausländer gesagt" hat. Diesbezüglich etwas prononcierter war Haider-Wegbegleiter Wolfgang Rauter, den Kölly 2000 als Klubchef beerbt hat. Rauter ist der Mastermind hinter der Bürgerliste, die sich zuletzt bei der Nationalratswahl 2008 mit der Liste von Fritz Dinkhauser zusammengetan hat.

Die FPÖ-Vergangenheit der beiden Aushängeschilder ist, meint Kölly, ein gewisser einengender Nachteil. Freilich glaubt er auch, dass man so der FPÖ, der "Strache-Tschürtz-FPÖ", ein bis zwei Prozent abjagen könne.

Insgesamt sei die LBL ja in solcher Breite aufgestellt, dass das Ideologische überhaupt keine Rolle spiele. "Wir setzen auf Sachpolitik, die Ideologien haben sich überlebt." Der Listenzweite Gerhard Hutter, Bürgermeister von Bad Sauerbrunn, "kommt von der SPÖ", hat aber einen eher grünen Ruf. Die Drittgereihte, Liliane Tegelhofer, kommt von der Frauenkirchner Namensliste Erich Stekovics, "und der ist ja eher ein Schwarzer".

Das definitive Signal für eine entideologisierte Politik wäre der Bürgermeister von Parndorf, Wolfgang Kovacs, gewesen, ein Ex-Kommunist, aber der fehlt, "obwohl er uns seine Sympathie bekundet hat".

Interessant auch die Wahlkampffinanzierung. Spenden verzinsen sich mit der Zahl der Mandate. 20 Prozent Dividende gibts bei zwei, 50 bei vier Mandaten. Dass dies insgesamt ein Hochrisikoinvestment sei, ist Kölly - und wohl auch den Investoren - klar.

2006 wurde Kölly aus der FPÖ ausgeschlossen. Er hatte eine Abmachung mit der SPÖ unterschrieben, die freilich "nicht ich ausgehandelt habe, sondern der jetzige Nationalrat Norbert Hofer". Diese Geschichte, meint er, "wird nun wieder durch die Medien gehen". Im Standard steht sie schon. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2010)

  • Manfred Kölly glaubt an zwei, hofft auf vier Mandate.
    quelle: plakat

    Manfred Kölly glaubt an zwei, hofft auf vier Mandate.

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