Die Feldherren und wie sie wirken

11. Mai 2010, 17:43
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Huub Stevens, Karl Daxbacher und Peter Pacult könnten am Donners­tag ihre Teams zum Titel coachen - oder auch nicht

  • Huub Stevens, der entweder so oder so wirkt

Wer Huub Stevens aus der Ferne sieht, im Fernseher also, der mag sich denken, dass schon größere Sympathen auf österreichischen Trainerbänken saßen. Stevens fährt Reportern drüber, greift sie an, fällt ihnen ins Wort, weicht aus, antwortet nicht. Er betrachtet sie, gibt er Fragestellern zu verstehen, als Dummköpfe und/oder Feinde. Auch so gesehen kann man auf den Donnerstag gespannt sein, an dem Salzburg bei Sturm besser gewinnen sollte, um Meister zu werden.

Wer näher und öfter mit Stevens zu tun hat, beschreibt ihn als jovial und im Umgang angenehm. Hohe soziale Kompetenz habe er, Gerechtigkeitsfanatiker sei er. Angeblich schätzt Stevens, dass er von Teamstürmer Marc Janko hinterfragt wird. Unter dem Strich hat Janko unter Stevens an Gefährlichkeit und Marktwert verloren, er hält bei 18 Toren in dieser Saison, in der vorigen traf er 39-mal.

Stevens stammt aus Sittard, aus einer Grubenarbeiterfamilie, absolvierte eine Schlosserlehre. Er kickte bei Fortuna Sittard und Eindhoven (Uefa-Cup-Sieg 1978), wurde 1993 Trainer, betreute niederländische (Roda Kerkrade, Eindhoven) und deutsche Klubs (Schalke, Hertha BSC, Köln, HSV). Er war noch nie Meister, 2001 verpasste er mit Schalke im letzten Moment den Titel. Darauf will der Mann nicht angesprochen werden, wohl auch am Donnerstag nicht, egal, wie's ausgeht. (Fritz Neumann)

  • Karl Daxbacher, der ehrlich sympathisch wirkt

In dieser Saison hatte die Austria nicht wenige Ausfälle von Schlüsselspielern zu beklagen: Tormann Szabolcs Sáfár, Mittelfeldregisseur Milenko Aèimoviè oder die Stürmer Rubin Okotie und Tomas Jun. Doch Karl Daxbacher beklagte sich nicht. Stattdessen setzte er auf den Nachwuchs, den er teilweise selbst schon als Trainer der Austria Amateure betreut hatte. Seit 2008 gestaltet er als Cheftrainer der Ersten die Post-Magna-Ära mit, steht wie kein anderer für die Philosophie der neuenAustria. Ihm gelang es, eine Mannschaft zu formen, die mit Teamspirit für Aufsehen sorgt - und mit einem Sieg gegen Ried und Unterstützung von Sturm sogar Meister werden könnte.

Selbst in diesem Fall ist die Gefahr vernachlässigbar, dass Daxbacher abheben könnte. Seine Bodenständigkeit, seine umgängliche Art und die Bereitschaft zu ehrlichen Antworten ("Natürlich ist es Glück, wenn man zwölfmal 1:0 gewinnt" ) machen den Familienvater (vier Töchter) und Großvater nicht nur innerhalb des Teams sympathisch. Auch wenn der sechsfache Nationalteamspieler, der vierzehn Jahre lang (1971 bis 1985) als Aktiver selbst das violette Leiberl trug, Undiszipliniertheiten mit gebotener Strenge entgegensteuert.

Matthias Hattenberger, der Kritik öffentlich äußerte, kann ein Lied davon singen. Nach einer Spende für die Mannschaftskassa war aber alles wieder gut. (David Krutzler)

  • Peter Pacult, der prinzipiell recht stur wirkt

Nach Ende einer Partie huscht Peter Pacult in die Kabine, er sperrt sich kurz ein, ist unansprechbar, baut Adrenalin ab. Natürlich kommt er Minuten später wieder raus. Weil er muss. Sagt etwas. Weil er muss. Und das kann bisweilen bitter enden. Der liebe Gott hat offensichtlich vergessen, Pacult den Mechanismus "Selbstschutz" einzubauen. Das büßen wiederum andere, zum Beispiel Fernsehjournalisten, die ahnungslose Besserwisser und ausgesprochene "Vollkoffer" sind.

Pacult ist ein Gerechtigkeitsfanatiker. Wobei die Grenzen bei ihm zur Sturheit und zum Irrtum fließend sind. "Ich bin immer noch ein Häferl" , sagt er über sich selbst. Pacult mag keine Schulterklopfer, er möchte auch nicht von der Welt, Hütteldorf inklusive, geliebt werden. "Respekt ist okay." Echte Freunde - ja, Pacult soll welche haben - schätzen an ihm Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft. Den kann man in der Not anrufen, und schon steht er vor der Tür. Der selige Ernst Happel ist sein Vorbild. "Der war zwar mürrisch, aber ganz anders, als er dargestellt wurde." Vielleicht ist Pacult, das Happelchen, in Wahrheit ebenfalls ganz anders.

Er muss ein guter Trainer sein. Rapid wurde 2008 Meister, 2009 Zweiter und hat auch heuer eine passable Saison abgeliefert. Das Stadion ist voll, der offensive Stil kommt an. Und Pacult wird sich bis 2012 einsperren. Kurz. (Christian Hackl)

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    Ein Trio um den Titel: Stevens, Daxbacher, Pacult.

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