Forscher warnen vor neuen Schadstoff-Hot-Spots

11. Mai 2010, 17:09
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Besonders nahe vielbefahrener Straßen kann sich ultrafeiner Staub ansammeln, der bei Messungen gar nicht erhoben wird

Wien - Auch wenn Anzeigetafeln für die Luftqualität die überwiegende Zeit des Jahres "ausgezeichnet" bzw. "grün" anzeigen - Experten warnen dennoch vor nach wie vor bestehenden und teilweise auch neuen Gefahren aus der Luft für die Gesundheit. Vor allem in unmittelbarer Umgebung von Straßen finden sich Hot Spots, an denen die Luftqualität alles andere als gesundheitsfördernd ist, erklärten Wissenschafter bei einem von der Kommission für Reinhaltung der Luft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) organisierten Pressekonferenz in Wien.

An solchen Hot Spots können sich vom Straßenverkehr produzierte Schadstoffe ansammeln, dabei auch solche, die von den Messstellen turnusmäßig gar nicht erhoben werden. Ein solches Beispiel ist ultrafeiner Staub mit einer Partikelgröße von unter 0,1 Mikrometer (ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter, Anm.). Erfasst werden lediglich Stäube mit Partikeln von unter 10 Mikrometern (PM10) bzw. unter 2,5 Mikrometern (PM2,5).

Ultrafeiner Staub ist in diesen Messungen zwar theoretisch erfasst, wirkt sich durch die geringe Masse aber auf die Angaben kaum aus, sagte Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut Basel. Künzli verwies auf Studien, wonach der Feinstaubanteil in der unmittelbaren Umgebung von stark befahrenen Straßen oder Autobahnen bis zu siebenfach höher sein kann und nimmt dann erst nach 100 bis 300 Metern kontinuierlich ab.

Gesundheitsgefahr des ultrafeinen Staubes

Der extrem feine Staub gilt als besonders gefährlich, da er tief in Lunge und Körper vordringt. Hohe Konzentrationen werden etwa mit Asthma-Erkrankungen von Kindern assoziiert, stehen laut dem Wissenschafter auch im Verdacht, Herz- und Lungenkrankheiten zu fördern und letztendlich die Lebenserwartungen zu senken. In Tierversuchen konnten diese Stäube in hohen Konzentrationen Arteriosklerose hervorrufen.

Die Forscher raten dazu, die Situation durch einen Mix von Maßnahmen zu verbessern. Keinesfalls dürfe es so sein, dass Klimaschutzmaßnahmen zulasten der Luftqualität gehen. Vorsicht sei etwa bei der Verfeuerung von Biomasse in technisch veralteten Anlagen geboten, so Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt (UBA). Moderne Öfen würden solche Probleme allerdings vermeiden. (red/APA)


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Umweltbundesamt: Feinstaub (PM10)

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    Besonders an vielbefahrenen Straßen können sich Hot Spots von besonders schlechter Luftqualität bilden.

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