Promotion - entgeltliche Einschaltung

Mit allen Mitteln gegen die Käferinvasion

11. Mai 2010, 16:30
posten

Die klimatische Entwicklung hat im Vorjahr für den zweithöchsten Wert bei Käferholz gesorgt. Mit schneller Aufarbeitung und ausgeklügelter Methodik sagt man dem Borkenkäfer den Kampf an

Die Probleme mit dem Borkenkäfer sind seit einigen Jahren virulent. Zu verdanken sind sie unter anderem "Uschi". Die Hinterlassenschaft des Föhnsturms 2002:
Großflächig niedergemähte Bäume, deren rasche Bergung aus unwirtlichen und unzugänglichen Wald-Gebieten zu bewältigen war. Ein gefundenes Fressen und die idealen Brutstätten für die so genannten Scolytinae, eine Unterfamilie der Rüsselkäfer, die es in Europa auf über 150, weltweit auf 4000 Arten bringen. "Man hat damals wohl auch die Bedeutung der Waldhygiene unterschätzt", denkt Oberforstrat Wilhelm Schrempf von der Bezirksforstinspektion Stainach zurück.

Der Borkenkäfer gilt mittlerweile als der gefährlichste Forstschädling in unseren Breiten. Vor allem seine Massenausbreitung sorgt für Wirbel im Ökosystem Wald. Ein Käferpaar bringt es auf rund 30.000 Nachkommen. Schon einige Hundert der Insekten reichen aus, um eine 30 Meter hohe Fichte absterben zu lassen. Bringen einzelne Borkenkäferarten im Normalfall einzelne geschwächte Bäume zum Absterben und schaffen so Platz für "neues Leben", können sich bei klimatischen Extremen Buchdrucker und Kupfer-stecher explosionsartig vermehren. Ist dann der Populations-druck entsprechend hoch, versagen bei massiven Käfer-Angriffen auch zu--nehmend die Abwehrmechanismen der gesunden Bäume wie Verschluss der Poren und Harzausschüttung. "Vor allem ausgedehnte Fichtenreinbestände erweisen sich als optimale Borkenkäferbiotope", sagt Schrempf.

"Wir hatten im Vorjahr mit 768.530 Festmetern Käferholz den zweithöchsten Wert seit Bestehen der Bundesforste", illustriert Waldbauchef Norbert Putzgruber die Dramatik der Lage: "Nur 2005 war der Wert mit 860.000 Festmetern noch höher." Umso intensiver und ausgeklügelter wird die Borkenkäferbekämpfung. Höchste Priorität haben rasche Aufarbeitung und Abfuhr aus dem Wald. Ist dies nicht möglich, greift man zu anderen Mitteln. Die Maßnahmen reichen über die Vorlage von Fangbäumen und das Anlegen von Fangschlägen, den Einsatz von Pheromon- und Prügelfallen und die Suche nach frischem Stehendbefall bis zur Anlage von Nass-, Trocken- und Folienlagern. Der Weiterbildung und dem Erfahrungsaustausch der Mitarbeiter kommt besondere Bedeutung zu. Manch ein Bundesforste-Betrieb ist von der Plage ganz besonders hart getroffen. "Bei uns im Inneren Salzkammergut ist das Problem mit 150.000 Festmetern Käferholz intensiver geworden, als wir je erwartet hätten. Ich möchte gar nicht daran denken, wie das ohne unsere Maßnahmen verlaufen wäre", meint Betriebsleiter Kurt Wittek.

Besonders das warme Wetter hat im Vorjahr den heimischen Wäldern eine wahre Invasion und den Betrieben eine bittere Erkenntnis beschert: "Überrascht hat uns, dass uns in den hohen Lagen auf 1400 bis 1600 Meter Höhe das Käferproblem so erwischt hat", sagt Wittek. "Ab der Waldgrenze ist es eigentlich zu kühl für die Insekten. Aber mit dem Föhn im April hat sich der Käfer mit zwei Monaten Vorsprung eingenistet. Wir haben gelernt, dass es bei uns keine Höhenlagen mehr gibt, die nicht betroffen sind." Für die Zukunft deuten die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren auf eine mögliche Verschärfung der Situation hin. Sie sind vielleicht ein Vorgeschmack darauf, was auf die alpinen Schutzwälder zukommen könnte, wenn der Klimawandel generell zu höheren Temperaturen führt. "Der Borkenkäfer entwickelt sich bei Wärme schneller", beschreibt Putzgruber die Gefahr. "Er kann dann zwei oder drei Generationen entwickeln, wie das jetzt zum Teil in tiefen Lagen der Fall ist. Wenn die Szenarien stimmen, dass es um zwei bis vier Grad wärmer wird, so hat das diesbezüglich sicherlich Folgen."

  • Typische Fraßspuren des Borkenkäfers.
    foto: öbf

    Typische Fraßspuren des Borkenkäfers.

  • Waldbesucher werden über Prügelfallen informiert.
    foto: öbf

    Waldbesucher werden über Prügelfallen informiert.

Share if you care.