Nachfolger verzweifelt gesucht!

Martin Putschögl, 11. Mai 2010, 16:51

Vom Über- zum Unternehmer: Nachfolgebörsen bietet nicht nur die WKÖ, es gibt auch eine Hand­voll Betriebsmakler in Österreich

Bei den österreichischen KMU (Klein- und Mittelunternehmen) stehen in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen an.

Laut jüngsten Zahlen der Uni Linz plant jedes siebte KMU in den nächsten beiden Jahren einen Wechsel bei Eigentümern oder Geschäftsführung. Und einer Untersuchung der KMU Forschung Austria zufolge finden in Österreich jedes Jahr schon fast 6000 Betriebsnachfolgen statt, in den nächsten zehn Jahren könnte jedes fünfte heimische KMU an einen Nachfolger übergeben werden. Könnte, denn bei vielen scheitert es an Grundlegendem: Die Substanz ist oft so schlecht, dass an eine geordnete Übergabe nicht mehr zu denken ist. Bei einem Zehntel ist dies einer neuen Untersuchung zufolge der Fall. Andere wiederum lassen aus Gründen der mangelnden Standortqualität bzw. Wettbewerbstauglichkeit oder veränderter Nachfragestrukturen keinen positiven Ausblick zu, auch diese Unternehmen finden selten Nachfolger.

Boxenstopp an der Nachfolgebörse

Die Wirtschaftskammer nimmt das Thema sehr ernst. Schon vor geraumer Zeit hat sie eine Nachfolgebörse ins Leben gerufen, die übergabewillige Unternehmer mit potenziellen Übernehmern zusammenbringen soll. Im Rahmen der Aktion "Boxenstopp Übergabe" nehmen sich außerdem nun Experten der WKÖ der Sache an, erstellen auf Wunsch eine Stärken-Schwächen-Analyse und erörtern etwaige Optimierungsmöglichkeiten.

Wer als übergabe- bzw. verkaufswilliger Unternehmer die Dienste der WKÖ nicht in Anspruch nehmen will oder zusätzlich professionelle Unternehmensmakler beauftragen will, dem stehen in Österreich zudem eine Handvoll Adressen zur Auswahl.

Verschiedenste Motive

Der Wiener Unternehmer Robert Czako, seit 1975 im Geschäft und österreichischer Branchen-"Pionier", führt jährlich etwa 35 Betriebsverkäufe durch. Den oben zitierten aktuellen Zahlen schenkt er nur bedingt Glauben. "Jeder hat seine eigenen Zahlen." Er selbst geht davon aus, dass pro Jahr in Österreich rund 4000 Betriebe auf den Markt kommen, 50 bis 60 Prozent davon finden auch tatsächlich einen neuen Besitzer. "Der Rest ist insolvent, wird liquidiert oder aufgeteilt."

Hauptsächlich handelt es sich um Pensionierungen der Inhaber, und die Kinder - sofern es überhaupt welche gibt - haben kein Interesse an der Firma. An zweiter Stelle kommen jene, die krankheitsbedingt verkaufen (müssen). "Und dann gibt's auch Firmeninhaber, die mehrere Betriebe haben und einen davon verkaufen wollen. Oder welche, die Schwierigkeiten haben, schlecht finanziert sind, Verluste machen - die müssen auch eine Lösung finden. Manche wollen auch nur verpachten oder einen Partner hereinnehmen. Aber das Kerngeschäft ist die Betriebsnachfolge in Folge von Pensionierung."

In seiner Liste aktueller Angebote sind momentan besonders viele Hotelleriebetriebe angeführt, hauptsächlich habe er es aber mit Gewerbe- oder Handelsbetrieben zu tun, erklärt Czako. In Deutschland funktioniert das Geschäft übrigens etwas anders: "Dort gibt es einen Kollegen, der sich auf Haustechnik-Installationsbetriebe spezialisiert hat. In Deutschland gibt's davon so viele, dass der davon leben kann, nur Haustechnik-Installationsbetriebe zu vermitteln." Der österreichische Markt sei aber zu klein, um sich auf eine Branche zu spezialisieren.

Dafür hat Czako eigenen Angaben zufolge österreichweit die größte Datenbank von Firmen und Personen, die Kaufobjekte suchen - "in jahrelanger Arbeit mühsam aufgebaut". Bekommt er den Auftrag zum Verkauf einer Firma, kann er sie in Österreich und dank eines großen Partner-Netzwerks in allen Nachbarländern anbieten. Hauptsächlich stecke da sehr viel Kommunikationsarbeit dahinter: "Wenn wir 200 Leuten eine Firma anbieten, melden vielleicht 30 Interesse an. Mit all diesen muss man dann viel reden, um die drei oder vier herauszufiltern, die tatsächlich in Frage kommen."

Viel Vorarbeit

Schon bevor es zu einem Verkaufsauftrag kommt, sei aber einiges zu erledigen. "Wenn ein Firmeninhaber, der verkaufen will, zu uns kommt, holen wir zunächst einmal Hintergrund-Informationen über die Firma ein. Dann fahren wir hin, sprechen mit den Inhabern, schauen uns den Betrieb und die Zahlen an, machen eine Erstbewertung und entscheiden: Ist der Betrieb überhaupt zu verkaufen?" Da stelle sich dann - siehe oben - relativ häufig heraus, "dass wir den Auftrag nicht übernehmen können, weil der Betrieb nicht an den Mann zu bringen ist".

Verläuft die Erstprüfung hingegen positiv, wird eine Bewertung vorgenommen sowie eine erste Schätzung, wie lange die Käufersuche dauern könnte. "Dann fahren wir nochmal hin und machen ein Offert. Und wenn wir den Auftrag bekommen, dann beginnt erst die eigentliche Arbeit." Man müsse die Firmendaten nämlich in eine solche Form bringen, dass die potenziellen Käufer etwas damit anfangen können, gleichzeitig aber auch so, dass diese nicht herausfinden können, um welchen Betrieb es sich handelt. Diskretion ist nämlich oberstes Gebot. Eine Handvoll ernsthaft Interessierter wird schließlich an den Auftraggeber weitergereicht. Czako ist bei deren Verhandlungen dabei und hilft auch bei der Erstellung von Businessplänen.

"Steuerberater bewerten meistens zu hoch"

Ein kleines Problem hat Robert Czako dabei stets mit Steuerberatern, ganz generell: "Die sind nämlich berühmt dafür, dass ihre Unternehmensbewertungen oft zu hoch oder teils völlig unrealistisch sind." Man könne den Wert von ein und derselben Firma nämlich durchaus bei 100.000 oder bei 1,5 Millionen Euro ansetzen - "das kommt darauf an, welche Laufzeit ich annehme, welchen Zinssatz, welchen Risikoaufschlag - also je nachdem, wie man die Formeln gestaltet. Das ist aber ein sinnloser Ansatz. Der richtige ist, sich zu überlegen: Wer kommt für diesen Betrieb als Käufer in Frage, und wie rechnet der?" Denn der Käufer muss schätzen, wie das Geschäft in den nächsten Jahren weiterlaufen wird, und wann er die Investition wieder hereinbekommt, erklärt der Unternehmensvermittler.

Er selbst schätzt, dass sich der durchschnittliche Kaufpreis der von ihm abgewickelten Transaktionen bei rund 450.000 Euro bewegt.

Den Begriff "Investor" hört er in Zusammenhang mit Firmenkäufern übrigens nicht gern. "Ein Investor ist jemand, der sein Geld hergibt und dann schaut, was herauskommt. Der investiert, und die Firma läuft meist unverändert weiter. Bei uns geht's aber um eine Änderung des Inhabers oder eine Beteiligung. Das ist ein Unterschied."

-> Weiter zu Teil 2: Rudolf Fantl und seine "Betriebsbörse"

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Links

www.czakorobert.at (Robert Czako)

www.betriebsboerse.at (Rudolf Fantl)

www.nachfolgeboerse.at - WKÖ-Nachfolgebörse

"Boxenstopp Übergabe"

www.initiativenachfolge.net - Netzwerk in Salzburg und Bayern

Kommentar posten
18 Postings
Those who believe in telekinetics, raise my hand
00
12.5.2010, 15:25
Das Problem ist der subjektive Wert...

...des Unternehmens. Der Übergeber will astronomische Summen, weil das Geschäft eh gut geht. Museale Technik, alternde Kundenbasis, keine Innovation, kein Plan, nicht gut.

kalinka karechta
00
12.5.2010, 14:45
Ich habe mir die Übernahmebörse einmal angeschaut.

Das einzig interessante Angebot, war eine Eiswürfelfabrik in Südamerika. Also das hätte mich schon gereizt :-)

Psycho87
00
12.5.2010, 16:08

bin dabei lol

Rotzbub
01
12.5.2010, 13:31
Das Problem:

...gut gehende Unternehmen mit nachhaltigem Potential brauchen wohl keine Börsen und Berater. Ein guter Unternehmer wird auch den Verkauf gut vorbereiten und einen realsitischen Preis erwarten und erzielen.

...viele "selfmade-Unternehmer" der 60er/70er-Jahre haben ganz gut von ihren Unternehmen leben können, oft auch weil nicht ausreichend investiert wurde. Nebenbei habe sie auch zu wenig in die eigene Vorsorge investiert. Und jetzt soll ein Nachfolger den Lebensabend finanzieren. Der muß aber ja auch selber vom Unternehmen leben können...

Das kann sich nicht ausgehen...mit oder ohne Berater.

Rudolf Fantl
 
02
12.5.2010, 10:01
Nachfolgebörse

Die Nachfolgebörse der WKO ist für kleine problemlose Nachfolgen sehr wohl ein geeignetes Medium. Man kann aber von der Wirtschaftskammer als Körperschaft öffentlichen Rechts nicht erwarten, dass von ihr privatwirtschaftliche Dienstleistungen erbracht werden. Als Businessbroker braucht man große betriebswirtschaftlich, handelsrechtliche und steuerrechtliche Kenntnisse und viel Erfahrung in diesem speziellen Procedere, um eine Nachfolge erfolgreich zu begleiten. Man muss sich seinen Mandanten voll widmen, rund um die Uhr verfügbar sein, zu den Unternehmen reisen und die Datenbank persönlich warten. Immerhin zertifiziert die Kammer Berater als Experten für Unternehmensnachfolge. http://www.initiativenachfolge.net/index.php?id=231,

Ingrid Goeschl1
01
12.5.2010, 09:00
Vorsicht bei Betriebsübernahmen, ohne gute Beratung können Unerfahrene leicht sehr viel Geld verlieren!

Auch ich beobachte, dass Leute, die nach dem Krieg (als dies sehr viel leichter war als heute) Unternehmen gegründet haben, völlig unrealistische Vorstellungen über den Wert ihres "Lebenswerkes" haben. Manches, was da über die Nachfolgebörse als "Betrieb" angeboten wird, sollte besser einfach besenrein ausgemistet den Vermietern zurückgegeben werden.

Johann A Höfler
 
02
12.5.2010, 07:51
Eine Katastrophe für sich 3

Bezirk anfangen? Was wollen Sie mit einem Gerätehersteller im 12. Bezirk, der schon seit drei Jahren in Pension ist und der eigentlich nur Interesse hat seine Museums-Maschinen zu verkaufen und der ernsthaft glaubt mir seine Kunden übergeben zu können, indem er mit mir seine letzten Kunden besuchen wird. Die sollen dann - mittlerweile anderswo bestens bedient - mir, den sie nicht kennen, vertrauen? Das ist ja auch eine Abzocke.

Das Problem der Betriebsübergaben ist virulent, aber die WK hat dieses Thema nicht im Griff. Ich bin davon überzeugt, dass Fantl und Czako das beste Geschäft mit den Übernahmen machen und der unvermittelbare Rest verbleibt der Nachfolgebörse. Das ist leider meine Erfahrung. Die Zeitungen der WK bejubeln sich nur!

Audimax
00
12.5.2010, 14:50
Kaufvertrag

Deswegen nimmt an in den Kaufvertrag eine Anspassungsklausel rein, die genau diese Kundenabgänge einfängt. (Umsatzgarantie mit nachträglicher Kaufpreisanpassung)

Johann A Höfler
 
01
12.5.2010, 07:47
Eine Katastrophe für sich 2

geschafft, dass die Übergabewilligen in etwa 10 Jahre vor der eigentlichen Übergabe begleitet werden. Hand aufs Herz, das ist genau die Zeit, in welcher die zukünftigen Übergabewilligen aufhören zu investieren (weil wozu?), die Kunden abbauen (weil weniger um sie gekümmert wird), die Mitarbeiterstruktur "nicht mehr verjüngt" wird, Führungsideale der 60er Jahre nachhängend,... Es ist dann für einen Übernahmswilligen sehr schwer dann völlig überzogene Firmenwerte (die es nicht gibt!!!) hinzulegen, um dann Chef zu werden. Die WK führt eine umfassende Datei - 90% der Betriebe davon haben keine Chance zu überlegen (was wollen Sie mit einer Eisenwarenhandlung mit einem Lagerbestand von 50.000 EURO und einem Jahresumsatz von 40.000 EURO im 10.

Johann A Höfler
 
01
12.5.2010, 07:41
Eine Katastrophe für sich 1

Suche seit 2008 einen Betrieb. Robert Czak: Völlig überzogene Bewertungen un unfreundliche Behandlung. Die Nachfolgebörse der WK ein Jammer! Die Nachkriegsgeneration geht in Pension, weil die werten Töchter und Söhne nicht mehr arbeiten wollen. Die alten wollen Blut und Schweiss für nicht konsumierte Urlaube höchst abgegolten bekommen, um es den werten Töchtern und Söhnen in den Hintern zu stecken. Wenn ein 69-jähriger glaubt für seinen Fuhrpark mit schwarzen Nummertafeln (!!!!) und für Maschinen letztmalig vor 1985 investiert noch kräftig abzusahnen und keine Kundenkartei zu haben (weil Familienbetrieb und alles im Kopf ist), dann kann man nur Reissauf nehmen. Die Initiative der WK ist an und für sich schon gut, aber sie hat es nicht

Katukickek von Chupacabra
12
11.5.2010, 23:15

Meiner Meinung nach ist von den hier präsentierten Nachfolgebörsen die Betriebsbörse von Fantl die mit Abstand seriöseste. Fantl ist wohl der besser ausgebildete und kompetentere. Habe gerade seine Ansätze zur Unternehmensbewertung gefunden, die ich recht plausibel finde:
http://www.betriebsboerse.at/Unternehm... .16.0.html

RS69
 
00
12.5.2010, 15:57

... und wenn SIe die einzelnen Angebote lesen, dürften da auch Schwer Vermittelbare dabei sein.

RS69
 
00
12.5.2010, 15:47

Soll heissen: Sie hatten bisher gar keine Ahnung, und denken aufgrund der allgemeinen HP-Beschreibungen - die SIe unter Wikipedia oder in Fachbüchern auch nachlesen hätten können - beurteilen zu können, ob er das gut macht?

Die Schwierigkeit an Bewertungen ist die Prognose zukünftiger Erträge. Die Prognose des Verkäufers ist üblicherweise optimistischer als die des Käufers.

ravenna
02
12.5.2010, 08:29
Grandios

Sie schauen sich mal ein paar Homepages an und glauben dann groß hier verkünden zu müssen, wer nach Ihrer Trivial-Recherche jetzt "der Seriöste" ist. DAS ist ein gutes Beispiel für unseriös.

Lea Mayer
00
robert czako

robert czako ist gerade dabei seine eigene tochter in den privatkonkurs zu schicken und die gläubiger bekommen 10 % von ihm. so viel zu seiner seriösität

Katukickek von Chupacabra
00
12.5.2010, 17:40
Stimmt nicht ganz.

Ich hab von Freunden, die mit dem Gedanken spielen ihre Firma zu verkaufen, schon ein bisschen was über diese beiden Vermittler gehört.

Wahrscheinlich aber nicht genug um wirklich ein "seriöses" Urteil zu fällen, da haben sie vielleicht Recht.

Michael B
02
11.5.2010, 19:11
"Unternehmen" oder "Betrieb" ist kein Wert an sich.

Auch wenn dort "Arbeitsplätze" vorhanden sind.
Wenn der Betrieb selber unrentabel ist, und aufgegeben wird, wird jemand anderer den Umsatz erhalten, und dann werden mittelfristig dort die Arbeitsplätze landen.
Es gibt auch in der Generation der älteren "Kleinbetriebler" viele, die ihr Leben kang kaum in die Pensionsversicherung eingezahlt haben, und den Betrieb selbst als Altersvorsorge angesehen haben. Für die ist es natürlich besonders bitter, wenn der jetzt nichts mehr wert ist.

asozialist.blogspot.com
04
11.5.2010, 18:38
das problem sind doch

die völlig überzogenen vorstellungen der verkäufer. mir ist schon klar, dass man sein lebenswerk nicht unterbewertet sehen will, aber das ist eben subjektiv; einfach nur umsatz/gewinn der vergangenheit fortschreiben und daraus einen unternehmenswert ermitteln spielt sich halt nicht (mehr).

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