Silikon hilft gegen Narben

12. Mai 2010, 10:56
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Narben stellen für Betroffene oft eine große emotionale Belastung dar - Prophylaxe nach Verletzungen und Operationen

Wien - Mehr als ein kosmetisches Problem: Narben sind häufig für Betroffene sehr belastend und auch medizinisch nicht unproblematisch. Narbenbildung nach Operationen, Verletzungen oder Verbrennungen sollte daher frühzeitig vorgebeugt werden, rieten Experten bei einer Pressekonferenz in Wien. Pflaster mit Silikonauflage und Silikongels hätten sich bewährt.

Robert Müllegger, Leiter der Abteilung für Dermatologie am Landesklinikum Wiener Neustadt: "Narben, wie sie nach Verletzungen, Verbrennungen, Operationen oder entzündlichen Erkrankungen der Haut zurückbleiben können, stellen für Betroffene oft eine große emotionale Belastung dar. Verunstaltende Narben bedeuten vielfach einen Einbruch des Selbstwertgefühls und damit einen wesentlichen Verlust an Lebensqualität, soziale Isolation und sogar verringerte Berufschancen. Das ist ernst zu nehmen und mehr als ein kosmetisches Problem."

Wenig belastbare Narben

Narben bestehen aus minderwertigem, faserreichem Ersatzgewebe, das weniger belastbar ist als gesunde Haut und bei hoher Beanspruchung sogar reißen kann. Aber auch ohne diesen Extremfall haben Narben unangenehme Folgen. Der Experte: "Sie können jucken, zu Spannungsgefühlen führen, die Bewegungsfreiheit einschränken und sind auch für Folgeverletzungen besonders anfällig."

Ganz verhindern lässt sich die Bildung einer Narbe nicht: Sie entsteht, wenn nicht nur die oberste Hautschicht, sondern auch die darunterliegende Lederhaut verletzt wird. Besonders hoch ist das Risiko zur Bildung überschießender oder auffällig gefärbter Narben an spannungsbelastenden Arealen wie Schultern und Dekollete. "Es ist wichtig, von Beginn an alles zu tun, um einer Narbenbildung so weit wie möglich vorzubeugen", so Müllegger.

Narbenbildung vorbeugen

In vielen Fällen lässt sich die Narbenbildung wirksam verhindern. "Silikon ist heute der Gold-Standard in der Narbenbehandlung, also die beste verfügbare Therapieoption, die auch als erste versucht werden sollte", betonte Gerald Zöch, Leiter der Plastischen und Chirurgischen Ambulanz am Wiener Donauspital.

Zahlreiche Studien haben den Nutzen von Silikon eindeutig belegt, so Zöch: "So zeigte sich zum Beispiel, dass sechs Monate nach einer Operation 60 Prozent der Narben ohne Silikon-Behandlung in auffälliger Weise dicker und höher geworden waren als ihre Umgebung, während dies nur bei 25 Prozent der Narben mit Silikonbehandlung der Fall war."

Wer vom Nutzen der hilfreichen Substanz profitieren will, muss Geduld aufbringen: "Um seine optimale Wirkung zu entfalten, muss Silikon etwa drei Monate lang ununterbrochen angewendet werden, und zwar möglichst sobald die Operations- oder Unfallwunde durch Bildung der obersten Hautschicht verschlossen ist", erklärte der Experte. Silikon steht in verschiedenen Applikationsformen zur Verfügung und ist in Apotheken erhältlich. (APA/red)

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    Narben bestehen aus minderwertigem, faserreichem Ersatzgewebe, das weniger belastbar ist als gesunde Haut.

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