Promotion - entgeltliche Einschaltung

Sitzen auf Moospölstern

11. Mai 2010, 13:57
posten

Thomas Rottenberg über essenzielle Erfahrungen

Es war auf einer dieser Pressereisen: Der finnische Tourismusverband hatte ein Schüppel österreichischer Journalisten eingeladen, die Schönheiten der Seenplatte zu erleben. Man wollte uns zeigen, worauf Finnland besonders stolz ist - und schickte uns in den tiefsten Wald. Irgendwo, gefühlte achttausend Kilometer von Helsinki entfernt, gibt es nämlich ein Waldmuseum. Dort lief eine Sonderschau: Der Wald als Nahrungsquelle. Für Menschen. Und neben dem üblichen (Beeren, Pilze
etc.) zeigte man uns, wie Finnen in extremen Zeiten - etwa während des Zweiten Weltkrieges - aus den Bäumen Nahrung gewannen. Etwa indem sie Mehl aus Baumrinde herstellten: Baumrindenmehlbrot ist nicht unbedingt eine Delikatesse - aber darum ging es ja auch nicht (und die stolz gereichten Kaugummis auf Holzbasis waren gar nicht schlecht).

Dennoch begeisterten die Finnen just mit den gastronomischen Assets des Waldes - und schafften, was Touristikern weltweit immer schwererfällt: bei einer Truppe verwöhnter, verweichlichter und übersättigter Luxus-, Gastro- und Reisejournalisten der Kategorie "wir haben eh schon alles gesehen" Euphorie und - viel wichtiger - nachhaltiges Erinnern auszulösen. Man ließ uns durch einen Waldsee zu einer Insel paddeln. Dort saßen wir auf Moospölsternam Boden und bekamen auf Rindenschalenstatt Tellern ein vor unseren Augen über dem Lagerfeuer ausfrisch gebrockten Beeren und Kräutern, heimischem Gemüse und Rentierfleisch zubereitetes Eintopfgericht. Schlicht - aber umwerfend.

Der Wald, seine Gerüche, seine Geräusche und seine Stimmungen waren mehr als perfekte Dekoration. Mehr als Würze. Mehr als ein Gag: Sie waren die Essenz. Das, was dieses Mahl dort ankommen ließ, wo die Gastgeber hin wollten: in unsere Herzen. Obwohl es doch "nur" ein Essen im Wald war. Und ringsum doch "nur" ein paar Bäume standen. Und wir nicht einmal Sessel hatten. Freilich: in der Gruppe war eine Dame, die das schrecklich fand. Sie verweigerte den Platz im Moos - und zickte, bis sie einen Campingtisch samt Plastikgeschirr bekam. Weit entfernt vom Lagerfeuer nahm sie alleine Platz. Dennoch war sie bis zum Ende der Reise sauer. Der Rest der Gruppe hingegenwar glücklich: Wir wollten dieses Erlebnis nie wieder vergessen.

Share if you care.