Leopoldstadt: Zwischen Mazzesinsel und Stadtaufwertung

12. Mai 2010, 09:46
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    Die Leopoldstadt, hier die Prater Hauptallee, ist unter den inneren Bezirken der mit der weitaus größten Grünfläche.

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    Ergebnis Leopoldstadt Gemeinderatswahl 2005. Quelle: wien.gv.at

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    Ergebnis Leopoldstadt Bezirksratswahl 2005. Quelle: wien.gv.at

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    Maria Vassilakou und Robert Schindel präsentieren im März ein Foto der gewaltsamen Räumung am Augartenspitz.

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    Stararchitekten wie Zaha Hadid sind am Bau des neuen WU-Campus beteiligt, der den Stadtteil aufwerten soll.

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    Auch der Wiener Wurstelprater befindet sich im zweiten Bezirk.

Im zweiten Bezirk hat traditionell die SPÖ die Macht - dahinter folgen Grüne und ÖVP

Kerzen spenden Licht in dem großen Bundesheerzelt, das die Besetzer hier am Augartenspitz aufgestellt haben und in dem an diesem Abend zwei Handvoll Menschen sitzen, Bier trinken und diskutieren. Dazwischen trägt einer seinen nassen Schlafsack aus einem der umstehenden kleineren Zelte herein. Es hat geregnet. Auch wenn der Augarten-Streit vor zwei Monaten offiziell endete, als das Areal für den Bau eines Konzertsaals der Wiener Sängerknaben von privaten Sicherheitsfirmen und der Polizei geräumt wurde - sie sind immer noch hier.

Bezirk in SPÖ-Hand

Kaum ein Wiener Bezirk ist durch eine Bürgerinitiative in den letzten Jahren so hervorgestochen wie die Leopoldstadt. "Die politischen Zustände in Wien sind hier im Kleinen komprimiert", sagt Ronald, einer der Aktivisten. Die Leopoldstadt ist in politischer Hinsicht nicht untypisch für einen inneren Wiener Bezirk: mit Gerhard Kubik ein Bezirksvorsteher von der SPÖ, die diesen Posten schon seit 1945 innehat und bis in die 1990er Jahre bei Wahlen die absolute Mehrheit erreichte. Bei der letzten Wahl 2005 holten die Grünen in der Leopoldstadt erstmals den zweiten Platz und stellen seither mit Adi Hasch einen Bezirksvorsteher-Stellvertreter. Den dritten Platz hält die ÖVP, knapp dahinter die FPÖ. Das einzig Außergewöhnliche: Die KPÖ hält hier ein Mandat. Das ist sonst nur im dritten Bezirk Landstraße so.

Wurstelprater und Mazzesinsel

Die Leopoldstadt hat unter den Wiener Gemeindebezirken mit 96.000 die viertmeisten Einwohner. Bei Wienern bekannt ist sie für ihre Grünflächen, neben dem Augarten mit seiner historischen Gartenanlage sind der Wurstelprater und der grüne Prater, der den größten Teil des Bezirks einnimmt, ein beliebtes Ausflugsziel. Auch die jüdische Geschichte ist präsent: Im Jahr 1624 vertrieb Kaiser Ferdinand II. die Juden aus der (inneren) Stadt und wies ihnen den Unteren Werd, das heutige Karmeliterviertel als Wohngebiet zu. Später verwies man sie auch von hier. Heute leben circa 40 Prozent aller knapp 7000 Wiener Juden im Bezirk, es gibt mehr als zehn Synagogen und etliche jüdische Geschäfte - ein Grund, warum man die Leopoldstadt auch "Mazzesinsel" nennt. Zuzug hatte der Bezirk in den letzten Jahren aber auch verstärkt durch junge Menschen rund um Donaukanal, Augarten und Karmelitermarkt.

Aufwertung und Bauboom

Bekannt ist der zweite Bezirk aber auch für "Problemviertel" mit schlecht gehenden kleinen Geschäften, mangelnder Infrastruktur und mit 27,7 Prozent eher hohem Ausländeranteil (Wien: 20,1 Prozent). Im Stuwerviertel oder beim Messegelände im Prater versucht die Bezirksverwaltung die Straßenprostitution zu bekämpfen. Wienweit ist die Leopoldstadt der Bezirk mit der fünfthöchsten Kriminalitätsrate. Mit der Verlängerung der U2 über Taborstraße, Prater und Messegelände quer durch den zweiten Bezirk hat die Stadt einen Schritt in Richtung einer Aufwertung des Viertels getan. Zwischen Messegelände und Prater wird bis 2012 ein neuer Campus der Wirtschaftsuniversität gebaut. So soll eine Gegend, die bisher als Straßenstrich bekannt war, zu einem "urbanem Stadtteilzentrum mit multifunktionalem Nutzungskonzept" werden. Das, was in der Leopoldstadt passiert, wird von Experten auch "Gentrification" genannt.

Augartenspitz als Politikum

Dass das Thema Augartenspitz für die Wahlen im Herbst in der Leopoldstadt von Bedeutung ist, wird klar, wenn man sich die Parteireaktionen auf die Bürgerinitiative ansieht. Während die Grünen sich auf die Seite der Augartenspitz-Besetzer schlugen, stand die SPÖ zu ihrer Entscheidung, die Grünfläche für den Bebau des Sängerknaben-Konzertsaals freizugeben. Norbert Walter, geschäftsführender Bezirksparteiobmann der ÖVP Leopoldstadt richtete einen "Appell zur Deeskalation" an die Besetzer. Dennoch begrüßten sowohl ÖVP und FPÖ im März die Räumung als "Durchsetzung des Rechtsstaates und Beendigung des Chaos". Der Leopoldstädter FPÖ-Obmann Wolfgang Seidl mokierte sich zudem darüber, dass das grüne Engagement nur "ein fixes Bezirksratsmandat" garantieren solle. Sollte die Strategie tatsächlich aufgehen, könnten die Grünen der SPÖ bei den Ergebnissen der Wienwahlen Stimmen streitig machen. Immerhin kamen die Grünen bei der Europawahl vergangenes Jahr mit 22,5 Prozent der Stimmen der SPÖ (29,4 Prozent) bereits näher. (ask, derStandard.at, 4.5.2010)

Infos zum Bezirk:

Wahlberechtigte: 58.886 (Stand 2008)

Bezirksvorsteher: Gerhard Kubik (SPÖ)

Bezirksvertretung (in Mandaten): SPÖ 30, FPÖ 8, ÖVP 9, Grüne 12, KPÖ 1

Teil 1 der Wiener Bezirksporträts: Favoriten

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Domenico Blaschek
01
Was wurde nun eigentlich aus der Aufklärung der Macheloikes

rund um den Grete-Laska-Platz?

mali jan
05
15.6.2010, 01:30
Tolle Darstellung der Geschichte der Juden im 2. Bezirk

1624 von Kaiser Ferdinand II. aus der Stadt vertrieben und im heutigen Karmeliterviertel angesiedelt, später von dort wieder verwiesen (soll das eine schönfärberische Umschreibung von Deportation und Vernichtung zur Zeit des Nationalsozialismus sein ?) und heute gibt es mehr als zehn Synagogen und etliche jüdische Geschäfte, warum man die Leopoldstadt auch Mazzesinsel nennt.

Das liest sich alles wie eine Dissertation der österreichischen Geschichtsverleugnungswissenschaften, mit Auszeichnung bestanden.

blickwinkel101
 
00
30.5.2010, 20:54
Fotos der Leopoldstadt

..von verschiedenen Perspektiven:
http://www.wohneninwien.at/fotos/ind... .php?cat=2

Opus 25
03
18.5.2010, 06:41
Ja, es ist sehr schön hier!

Aber nicht wegen, sondern trotz der SPÖ-Bezirksführung und ich werde den Eindruck nicht los, dass die politische Führung diese Stadt im allgemeinen und den 2ten im speziellen als ihr Eigentum betrachtet.

- Die Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen wird schlicht unterbunden
- die Verkehrspolitik ist nicht vorhanden und stellt sich als verzweifelte und planlose Aneinanderreihung von mehr oder weniger sinnlosen Einzelmaßnahmen zusammen
- der Versuch, die Straßenprostitution in den Griff zu bekommen bleibt seit 30 Jahren ein vergeblicher solcher.

Dennoch, es ist sehr schön hier!

Fwd Pol
 
11
17.5.2010, 18:57
der 2te mit seinen vielen gesichtern

eineseits prächtig mit dem riesen Park, dann wieder total städtisch und dann gibts eben den PRater
und um den Prater gibts da auhc das Stuwerviertel!
Das ja sehr bekannt ist.
dann gibts auch noch die engerthstraße, die auch bekannt ist und sich da schon so manches grüppchen von jugendlichen gebildet hat, die für "schutz" sorgen.
achja und nicht zu vergessen, ich habe bei meinen streifzügen durch wien im 2ten tolle erlebnisse gehabt. erniedrigende Polizeikontrolle in bekannten teilen des bezirks. wundert mich auch nciht, wenn ich auf der ampel oder nach dem einparken gefragt werde ob ich nicht lust habe, käufliche liebe zu erwerben zu einem besonders günstigen preis.
wo ein lichtlein hinscheint, fällt auch ein kleiner schatten!

standardabweichung
00
17.5.2010, 16:33

kuhl auch wenn wer mit der kettensäge am praterstern auf a reisfleisch zammghaut wird

alessandro di aqua
00
27.5.2010, 16:55
cool kommt aus dem Englischen und schreibt sich so: cool

Hannes Serafin
211
13.5.2010, 19:49
Für wen sind diese "Bezirksporträts" geschrieben?


Für Leute, die die letzten 5 Jahre eingefroren waren?

Ich dachte, ich erfahre hier – in einer Wiener Zeitung – irgendetwas Neues, Interessantes, Widersprüchliches, Oarges, .... über meine Stadt und die Wiener Bezirke.

Stattdessen: Ein völlig unkritisches Sammelsurium irgendeines Halbwissens, vielleicht kurz nachgecheckt auf wikipedia, und gespickt mit fehlerhaften "Analysen".

Wo man dann so Dinge erfährt wie z.b. dass der 2. "Problemviertel" hat, aber dass eh schon die "von Experten" so genannt Gentrification unterwegs ist, um das zu beheben. Problemviertel, Kriminalitätstrate und Ausländeranteil wird natürlich in einem Absatz abgehandelt, gehört ja bekanntlich (Qualitätszeitung Standard!) alles zusammen.

hijodelaluna
00
14.5.2010, 13:38
Gemeindebau

Ich würde die SPÖ wählen, wenn sie einen Gemeindebau auf den Augartensitz bauen würde, nur das wird leider nicht passieren...

heinz aus vindobona
00
13.5.2010, 15:43
kino wie noch nie

weiß jemand ob es das "kino wie noch nie" heuer trotzdem noch gibt, oder ob das nun aufgrund der augartenspitz-baustelle gestorben ist?

wäre wirklich schade drum!!!

wien wird härter, brutaler und rechter.
13
13.5.2010, 20:08
Yeah!

Und: Widerstand Wie Noch Nie!

:-)

Flowchi
01
13.5.2010, 12:45
also nochmal mit meinem statemente...

...Kann es sein daß bestimmte Seiten aus strangen Gründen im Moment etwas mehr Geld haben und deswegen mal im Standard vorpropagiert wird?

Es gibt Bezirke die weitausmehr Aufmerksamkeit benötigen würden
.
Hier versucht man zu erziehen wie kriminalitätsbelastet der 2`te nicht ist und man auch oder unter Anderem deswegen etwas unternehmen muß...totaler Schwachsinn...seid Ihr schon mal da durch gegangen oder gefahren? Ich schätze mal daß der 2`te der wohl ruhigste Bezirk überhaupt ist, dort geschieht nix, hin und wieder wandert ein junkie vom FLEX zu den toiletten zu den öffentlichen aber das wars auch schon, selbst das machen die nur vereinzelt und dann mitten in der Nacht ganz still und leise...

liebe Grüße! ! !

super cat
00
24.6.2010, 18:14

Das Flex ist nicht im 2ten sondern im ersten (anderes Donaukanalufer)!

hijodelaluna
00
14.5.2010, 02:12

naja, vielleicht ists ruhig wennst in der nähe vom donaukanal herumspazierst, aber ansonsten...

heinz aus vindobona
12
13.5.2010, 15:39
"...dort geschieht nix..."

abgesehen von ein paar schießereien und messerstechereien am helllichten tag am Tabor.

Sushi-Fraß Fresser
00
17.5.2010, 14:33

Naja, das ist doch was. Andere gehen dafür ins Kino. Hier hat man's live und gratis.

Flowchi
74
13.5.2010, 12:37
...lächerlich...

Was soll dieser Artikel? Wer baut was oder hat es vor? Bauen private etwas oder die Gemeinde? Warum wertet die U-Bahn ein Viertel auf?...weil die Verbrecher insofern vorhanden dann auch mit der U-Bahn schneller da und wieder weg sind? Unterliegen immer noch so viele Menschen dem Irrglauben, daß ein Glaspalast die Grundstückswerte raufschraubt?

Abgesehen von "all dem" stellt sich für mich die Frage warum man nicht schon früher gemerkt hat, daß Leopoldstadt unbedingt aufgebessert werden muß? Plötzlich wo das .....Kapital auf bestimmten Seíten mehr zu werden scheint, werden die "richtigen" Projekte angegangen...sorry für diese Annahme...aber Ihr legt es einem ja schon fast ins Hirn! ! !

liebe Grüße

Timagoras
 
13
13.5.2010, 23:30
"Warum wertet die U-Bahn ein Viertel auf?..."


schon mal öffentliche verkehrsmittel (insbesondere u-bahn) benützt?



a grünes stricherl
 
23
13.5.2010, 13:52
was hat man in ihr hirn gelegt?

Flowchi
00
14.5.2010, 11:48
zwischen den Zeilen hängt die Antwort?

lG Flo

systemfehler1
610
13.5.2010, 06:55
Wien ist eine schöne, sichere Stadt.

Wem´s hier nicht gefällt, dem fehlt eindeutig der Vergleich.
Der Tellerrand ist´s, den die Raunzer und Basher überwinden müssen.

dieDritteGeneration
00
17.5.2010, 13:42

Kommt drauf an mit was mans vergleicht...
In Österreich ist Wien die mit Abstand kriminellste Stadt. Freilich bietet Wien dafür aber auch am meisten berufliche/kulturelle Möglichkeiten.

gastrosoph
30
17.5.2010, 14:36
Vergleich

Worauf berechnet? Auf die Gesamtmenge oder im relativen Verhältnis zur Einwohnerzahl? Nicht vergessen: in Wien lebt fast jeder zweite Österreicher - incl. Migrant und Zuagraste.

epep
00
17.5.2010, 15:58
wien hat 1,69 millionen einwohnerInnen.

österreich 8,37 millionen einwohnerInnen.

wenn jeder zweite einwohner in wien leben würde, dann müsste wien ca. 4 millionen einwohner haben, nach ihrer behauptung.

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