OECD-Studie

Steuerlast stieg trotz Reformen

11. Mai 2010, 14:49

Gegen den internationalen Trend sind Steuern und Sozialabgaben hierzulande gestiegen. Ausnahme: Gut verdienende Alleinstehende

Wien - Die Steuer- und Abgabenlast für österreichische Arbeitnehmer ist im Vorjahr erstmals seit Jahren wieder gesunken - ein Effekt der Steuerreform 2009. Allerdings zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auch, dass Österreich bei der Besteuerung der Arbeitseinkommen weiterhin im internationalen Spitzenfeld liegt. Während die meisten anderen EU- und OECD-Staaten ihre Arbeitnehmer seit 2000 teils stark entlastet haben, sind die Steuern und Sozialabgaben in Österreich sogar noch leicht gestiegen.

Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener (39.856 Euro brutto) hat im Vorjahr 47,9 Prozent seines Einkommens an Steuern und Sozialbeiträgen bezahlt. Das waren zwar weniger als 2008 (48,8 Prozent), aber immer noch um 0,6 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000 - und das trotz zweier Steuerreformen (2004/2005 und 2009). De facto bedeutet das, dass die Steuersenkungen der vergangenen Regierungen - Finanzminister Karl-Heinz Grasser sprach 2004 sogar von der "größten Steuerreform aller Zeiten" - gerade einmal den inflationsbedingen Anstieg der Steuern ("kalte Progression") bremsen konnten, aber keine Entlastung brachten.

Österreich steht einsam da

Im internationalen Vergleich steht Österreich mit diesen Zahlen recht einsam da, denn die meisten anderen OECD-Staaten haben ihre Lohnsteuern und Sozialabgaben seit 2000 gesenkt (von 37,8 auf 36,4 Prozent). Noch deutlicher fällt die Senkung in den 15 "alten" EU-Staaten aus (von 43,6 auf 41,6 Prozent). Gestiegen ist die Steuerlast für durchschnittliche alleinstehende Arbeitnehmer seit 2000 neben Österreich nur in einem einzigen erfassten EU-Staat, nämlich in Griechenland (und zwar deutlich stärker von 37,9 auf 41,5 Prozent).

Bestätigt wird dieser Trend auch von den anderen von der OECD berechneten Fallbeispielen: Während die Steuerlast seit 2000 im internationalen Durchschnitt gesunken ist, ist sie in Österreich leicht gestiegen oder stagniert.

Einige Beispiele: Eine unterdurchschnittlich verdienende Alleinerzieherin mit 26.703 Euro Jahresbrutto und zwei Kindern hat 2000 25,1 Prozent ihres Einkommens für Steuern und Abgaben abgeliefert, 2009 waren es 26,4 Prozent. Für ein berufstätiges Ehepaar mit zwei Kindern und 53.000 Euro Familieneinkommen lag die Steuerlast 2000 bei 36,3 Prozent, 2009 bei 36,8 Prozent. Leicht gesunken ist die Steuerlast demnach nur bei relativ gut verdienenden Alleinstehenden bzw. Paaren ohne Kinder.

Sinkende Grenzsteuerbelastung

Außerdem weist die OECD-Studie auf eine weitere österreichische Besonderheit hin: Weil die Sozialbeiträge nach oben hin gedeckelt sind (für Einkommensteile ab der "Höchstbeitragsgrundlage" von 4.110 Euro monatlich wird keine Sozialversicherung mehr fällig) sinkt auch die Grenzsteuerbelastung der Spitzenverdiener. Sie müssen im Fall einer Gehaltserhöhung deutlich weniger Geld an den Fiskus abliefern als Niedrigverdiener, weil die von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu leistenden Sozialbeiträge wegfallen.

Im Klartext bedeutet das: Wenn ein Arbeitgeber einem Angestellten bei rund 40.000 Euro Jahresbrutto 100 Euro mehr Gehalt gibt, fließen 65 Euro an den Fiskus. Bei einem Arbeitnehmer mit 80.000 Euro Jahresgehalt sind es dagegen nur 44 Euro. Eine ähnliche "Sägezahnstruktur" bei der Besteuerung hoher Einkommen gibt es nach Angaben der OECD außer Österreich nur noch in Luxemburg.

Finanzministerium sieht verzerrte Daten

Das Finanzministerium verweist darauf, dass die Studie nur einen Teil der österreichischen Familienleistungen berücksichtigt. Entsprechend der OECD-Systematik werde das Kindergeld nicht berücksichtigt, heißt es. Dieses mache mit über einer Milliarde Euro jährlich allerdings fünf Prozent des Aufkommens an Lohn- und Einkommensteuer aus. Auch ein Teil der Familienbeihilfe (berücksichtigt werden nur die Transferzahlung für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren) und der im Vorjahr geschaffene Steuerabzugsposten für die Kinderbetreuung werde von der OECD ausgeklammert. Würden diese Sozialleistungen bei der Lohnsteuerbelastung gegengerechnet, so würde sich für Österreich eine entsprechend niedrigere Abgabenquote ergeben.

Das Finanzministerium will auch berücksichtigt wissen, dass ein großer Teil der Abgaben auf Arbeitseinkommen auf die Sozialversicherung entfällt. Zudem gehe die OECD bei ihrer Studie vom Durchschnittseinkommen eines Industriearbeiters aus, das mit 39.000 Euro Jahresbrutto deutlich über dem Durchschnittseinkommen der gesamten Arbeitnehmerschaft liege. Auch hierdurch entstehe eine gewisse Verzerrung, heißt es im Finanzministerium. (APA)

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Arbeiterführer Kuhaltinger
 
23
12.5.2010, 12:31
Was haben Schratzenthaller und ATTAC

nicht in den letzten 3 Jahren genervt: höhere Steuern, höhere Steuern, höhere Steuern so haben sie geschwafelt (und die angebliche Steuerentlastung wäre sowieso eine Augenauswischerei geworden).

12
16.5.2010, 14:51
bitte genauer informieren

Attac hat in den letzten Jahren immer kritisiert, dass die ArbeitnehmrInnen in Österreich den Hauptteil der Steuerlast tragen, und zwar deshalb weil die Kapitaleinkommen und Vermögen immer weniger zur Gemeinwesensfinanzierung beitragen.

Charly Blecher
10
12.5.2010, 11:42
Was uns die Tabelle verrät:

Zum Weltmeistertitel bei den Schröpfungen fehlt uns nur ein kleiner Sprung, der sollte nach den Landtagswahlen locker gelingen.

Freundschaft und Gute Nacht, Öster"reich"!

merlot46
00
12.5.2010, 09:11
Das Duett Molterer - Pröll

Während Molterer sprudelnde Steuereinnahmen wie Donald Duck hortete und sich gegen jede Steuerreform zur Wehr setzte, gibt Josef Pröll mit beiden Händen aus. Aber nicht die Bürger sind die Begünstigten, sondern die internationalen Banken und Konzerne.

Wenn man an die Millardenzusagen denkt und weiß, dass Otto Normalsteuerzahler diese Summen aufbringen muss, kann man nur noch "Gute Nacht Österreich" sagen und das nächste Sparpaket fürchten. Denn jene, die tatsächlich real etwas beitragen könnten, werden sicher wieder geschont. Und in diesem Punkt sind Molterer und Pröll ident, geprägt von einer gemeinsamen Ideologie, die da ÖVP-Parteiprogramm und ganz speziell Bauernbund-Doktrin heißt.

Knochenmann
00
12.5.2010, 09:04
Die Steuerlast stieg TROTZ Reformen?

Jezt hab ich das Brett schon dreimal abgeschnitten und es ist immer noch zu kurz.

Peter aus Wien
14
12.5.2010, 08:24
Danke Wolfgang, Danke Karl-Heinz!

Kulkulcán
17
12.5.2010, 08:04
Ja und?

Was ist da so überraschend?
Wir haben eben geringe bis gar keine Steuern auf Kapitaleinkommen, Vermögenszuwachs oder Grundsteuer bzw. haben großartige Abschreibungsmöglichkeiten für Kapitalgesellschaften oder leisten uns großzügige Subventionen in bestimmten Bereichen.
Und als Ausgleich dafür haben wir eine höhere Belastung auf Arbeitseinkommen.
Das war die Einkomenssteuer-Politik der letzten 20 Jahre.
Stichwort "Wirtschaftsstandort sichern" oder "gehts der Wirtschaft gut gehts uns allen gut".
Außerdem wurde ein nicht unerheblicher Teil des öst. Wirtschaftswachstums durch Senkung der Lohnstückkosten (= Produktivitätssteigerung, =Reallohnverlust) erreicht.
mfg

Michail Bakunin
03
12.5.2010, 09:18

Man lese dazu die diversen Studien, z.B. von der ÖGPP / politikberatung.or.at.

"...nur in Österreich und Deutschland ist in den letzten 20 Jahren ein Rückgang der Vermögensbesteuerung festzustellen, in allen anderen Ländern wächst dagegen deren Bedeutung und Ertrag parallel zum starken Wachstum der Vermögen und Vermögenseinkommen. Österreich weist mittlerweile die geringste Vermögensbesteuerung aller OECD-Staaten auf."

Der Unterschied zu allen anderen EU-Ländern (Durchschnitt) macht inzwischen ein paar Prozent am Gesamtsteueraufkommen aus.

Was zur Hölle macht die SPÖ eigentlich in der Regierung, außer ÖVP-light zu spielen? Wer das kommende Sparpaket zahlen wird, ist ja eh klar...

Ich bin der Meinung...
01
12.5.2010, 08:04
Welch passendes Foto

vom Standard, dass uns Mittelständler als Esel darstellt.

Denn das sind wir auch, sonst hätten wir uns schon lange gegen diese erdrückende Steuerlast gewehrt.

silent_trust
 
03
12.5.2010, 07:49
Auch wenn es langsam fad wird:

Wir leisten uns für 8,5 Millionen Einwohner die fast dreifache Anzahl an Verwaltungsbeamten, wie Bayern für seine 12,5 Millionen.

Warum ?
1 Bundesrat
1 Nationalrat
9 landeskammern
9 landesrechnungshöfe
99 Bezirke
2359 Gemeinden

9 Landeskrankenkassen
17 "Kleine" Krankenkassen plus
1 GKK Dachverbande und
eine Spitalsverwaltungs- / finazierungsstruktur, durch die kaum noch jemand durchblickt.

hier liegen je nach Rechnungsweise zwischen 1,5 und 6,5 Milliarden Einsparungspotential PRO JAHR !!!!

wenn man nur 2-3 Milliarden lukriert, kann man anfangen die Schulden abzubauen und gleichzeitig die Steuern in gleichem Ausmaß senken, wie die Schulden gegen Null gehen.

Aber da geht man ja nicht ran !

4321
00
12.5.2010, 09:05

die regierung müsste endlich mit gutem beispiel voran gehen, oder sich zum teufel scheren. parteienfinanzierung senken + transparenz zulassen. erwerbsloses vermögen gemäss eu standard besteuern. und wenigstens 2,3 jener reformen umsetzen, die seit 30 jahren stillstehen. auch dem vp-finanzminister müsste langsam klar sein, dass man arbeit nicht noch höher besteuern kann. europas wirt. zukunft läge im alternativ energie bereich, aber exakt hier blocken die konservativen lobbys aus angst vor geld/machtverlust seit jahren. jobs schaffen ist auch viel zu mühsam wenn der finanzmarkt höhere gewinne verspricht. bildung, forschung und investitionen in real wirt. verpflichtend einführen.

zimbo
 
00
12.5.2010, 08:08
So richtig teuer ist erst Brüssel.

Knochenmann
01
12.5.2010, 09:06
Ja genau.

Weil die meisten gesetzte aus Brüssel kommen, und allein schon diese Tatsache 90% des verwaltungsapperats überflüssig machen.

Mixarium
01
12.5.2010, 07:45
Die Grokonellen haben uns nur von Steuerentlastung vorgeschwärmt!

Das war also gelogen. Jetzt kommen die Steuererhöhungen. Das ist nicht gelogen.

Trotzdem werden ungeheure neue Schulden gemacht. Eigentlich können wir uns selber gar nicht erhalten.

Die Politiker sind im Parteiwahn befangen für pfiffige Lösungen nicht befähigt, weil der Hofstaat ständig ins Ohr flüstert: "Wenn unsereiner nicht will, steht der Staat still"!

Das ist zwar nicht wahr, weil die Bevölkerung kann sich recht gut selber helfen, aber die Bonzerl nicht.

Ist wie mit allen Ideologen - können außer Parteischmus verbreiten nichts.

Dafür kriegen sie Orden die sie nicht einmal immer tragen müssen.

Irrer Wahnsinn
11
12.5.2010, 07:44
Tja,

Grassers Ideologiefeldzug zeigt halt Wirkung. Willkommen im totalen Kapitalimus.

amber103
10
12.5.2010, 08:09
Dank einer neuen rosa Brille erkenne ich den Politikern die Guten und in den Spekulanten die Bösen!

Willkommen im totalen Etatesimus. Wo entdecken Sie bei einem direkten Staatsanteil der Wirtschaft von 50% und eine beachtlichen indirekten Staatsanteil (politisch abhängige Privatunternehmen wie Stromversorger, Wohnbaugesellschaften,...) noch freie Marktwirtschaft?

Nun breiten die Etateisten ihre Macht auch im Kapitalmarkt noch weiter aus, korrumpieren gleich die Währungen, beschließen politische Preise für Risikogeschäfte (Was wenn der Markt das Risiko richtig einschätzt, aber die Politiker falsch liegen?)

Vom neuen Etateismus profitieren neben den auf Machterhalt hoffenden Politiker eine handvoll Personen und Organisationen, die besonders nahe der Geldschöpfung agieren.

nouriel roubini
01
12.5.2010, 05:56


na klar, merkt man ja am goderl des möchtegern finanzministers

Curd Hombre
04
12.5.2010, 07:03
...ich sehe keinen Finanzminister hier in Österreich....

....nur einen bankenhörigen ÖVP Angestellten der für uns wahnsinnig viel Schuilden macht und uns immer verkauft, was für ein gutes geschäft das sei!

kernel_panic
00
12.5.2010, 00:55
Knappe 40k Durchschnittseinkommen kann ich mir irgendwie nicht ganz vorstellen...

Laut http://www.statistik.at/web_de/st... index.html liegt das Durchschnittseinkommen (arith. Mittel) bei ca. 28k und das eigentlich aussagekräftigere Medianeinkommen bei 24k. Sind aber 2008-er Zahlen, dürften sich bis heut um ca. 2k erhöht haben...

der tortenfreak
00
17.5.2010, 13:34
das Land der kleinen Angestellten

der kleinen Leute.

Das ist Österreich - ab 61.000€ Brutto gilt man als reich und wird noch weiter zur Kasse gebeten.
Wirklich traurig ist jedoch die Perspektivlosigkeit in Österreich. Es geht nichts mehr weiter, aus, vorbei, mehr dürfen wir auch die nächsten Jahrzehnte nicht erwarten.

Auf das Jahr 2020 kann man sich jetzt schon ausrechnen was geschehen wird:

Steuerlast 60%+
Arbeitslosigkeit jenseits der 15%
Einheitspension von 700€
Sozialmärkte wohin das Auge reicht
Kriminalität

kein Geld und keine Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder ...

Ich mag mich natürlich auch irren (hoffentlich)

globetrottel
01
12.5.2010, 07:37

Bitte der schönen Kunst des Lesens frönen !

"..Durchschnittseinkommen eines Industriearbeiters aus, das mit 39.000 Euro Jahresbrutto deutlich über dem Durchschnittseinkommen der gesamten Arbeitnehmerschaft liege".

Regis 1
00
12.5.2010, 06:53
Knappe 40k Durchschnittseinkommen

brutto?
netto?
28 k : brutto?
netto?

Michail Bakunin
00
12.5.2010, 09:10

jeweils brutto. Wäre schön, wenn wir das alle netto hätten ;-).

joev8
00
12.5.2010, 00:45
warum?

wenn wunderts, dass immer weniger euros im büttel bleiben? wenn die multis über eine prima infrastruktur verfügen können, sich aber um ihren anteil (~den man steuern nennt) ganz legal drücken können?
es lebe die scheuklappe...

There is no such thing as society
116
11.5.2010, 23:27
Ich wähle beim nächsten mal KPÖ.

Einfach so.

Weils eh wurscht ist...

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