Immer noch tausende von Vermissten nach Erdbeben in Sichuan

11. Mai 2010, 11:18
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Die Behörden geben die Zahl der Todesopfer bisher mit 68.712 an - Zum Jahrestag am Mittwoch wird eine neue Bilanz erwartet

 Zwei Jahre nach dem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan werden dort immer noch 17.921 Menschen vermisst. Der zweite Jahrestag der Naturkatastrophe am (morgigen) Mittwoch reißt bei Überlebenden und Hinterbliebenen tiefe Wunden auf.

Nach chinesischem Recht können die Angehörigen der als vermisst gemeldeten Personen ihre Verwandten nach zwei Jahren für tot erklären lassen. Damit haben sie Anspruch auf eine Entschädigung von 5.000 Yuan (563 Euro). Dennoch scheuen viele vor diesem Schritt zurück.

"Sie haben immer noch das Gefühl, dass ihre Lieben wiederkommen könnten", sagt die Rot-Kreuz-Krisenexpertin Hai Lan. Ihr Team ist das einzige, das sich bis heute um die Betroffenen kümmert. Für die Angehörigen der Vermissten sei die Lage emotional sehr viel schwieriger, sagt Hai. "Für die Leute, die schon Sicherheit haben, ist es sehr viel einfacher."

Die Behörden geben die Zahl der Todesopfer bisher mit 68.712 an. Zum Jahrestag am Mittwoch wird eine neue Bilanz erwartet.

Der Schriftsteller Liao Yiwu vermutet, dass die Zahl der Vermissten tatsächlich noch weitaus höher ist. Er ist überall in Sichuan unterwegs gewesen und hat Überlebende befragt. Viele Wanderarbeiter, deren Familien in anderen Regionen lebten, hätten ihre Angehörigen nach dem Erdbeben nicht bei den Behörden gemeldet, sagt Liao. (APA)

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