Fremdkörper

Wenn Tupfer und Bauchtuch im Körper bleiben

11. Mai 2010, 10:50
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    foto: reuters/luke macgregor

    In Deutschland kämpft eine Arbeitsgruppe gegen vergessene Tupfer

Deutsche Handlungsempfehlung zur Vermeidung unbeabsichtigt belassener Fremdkörper im OP-Gebiet

Berlin - Bei einer Operation wird ein Bauchtuch oder ein Tupfer übersehen, die Röntgenaufnahme eines menschlichen Brustkorbes zeigt eine vergessene OP-Klemme - für jeden Patienten, jeden Arzt und jede Pflegekraft im OP-Dienst ist der vergessene Fremdkörper ein katastrophales Ereignis, von dem er oder sie hofft, es niemals zu erleben. Doch obwohl alle Materialien, die bei einer Operation zum Einsatz kommen, gezählt werden, passieren solche unerwünschten Ereignisse, geschätzt bis zu 2000 Mal in Deutschland pro Jahr.

In einer interdisziplinären und multifunktionellen Arbeitsgruppe, bestehend aus OP-Pflegekräften, Qualitätsmanagern, Patientenvertretern, Juristen und Chirurgen sind nun in Deutschland Empfehlungen für die Durchführung von Zählkontrollen erarbeitet worden. Initiiert wurde die Arbeitsgruppe vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), der Arbeitsgruppe Unbeabsichtigt belassene Fremdkörper im OP-Gebiet sowie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie.

Jeder Tupfer zählt

In der Handlungsempfehlung "Jeder Tupfer zählt!" beschreibt die interdisziplinäre und berufsgruppenübergreifende Expertengruppe, wie Zählkontrollen im OP idealerweise organisiert und durchgeführt werden sollten. Entscheidend dabei ist, eine reibungslose Kommunikation im OP-Team lückenlos zu gewährleisten. Dazu bedarf es klarer Verabredungen und standardisierter Abläufe. Jedes Krankenhaus sollte deshalb nach Auffassung der Expertengruppe schriftlich festlegen, wie Zählkontrollen prä-, intra- und postoperativ mit verbindlich verteilten Rollen erfolgen, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung. So trage jede Person im OP eine Mitverantwortung für das korrekte Ergebnis von Zählkontrollen. Mit diesen Empfehlungen soll erreicht werden, dass klare Verantwortlichkeiten und Vorgehen festgelegt werden, auch dann, wenn ein Schadensfall vermutet oder eingetreten ist.

Mit der Empfehlung stellt das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. allen Krankenhäusern und chirurgischen Praxen kostenlose Vorlagen zur Verfügung, die sie für eigene Ausarbeitungen, Aktionen und Schulungen nutzen können. Ein Flyer stellt beispielhaft dar, wie die Kommunikation bei Zählkontrollen insbesondere zwischen Operateur, Instrumentier- und Springerdienst organisiert sein sollte. Ein OP-Plakat fasst Kernbotschaften zusammen, die im Bewusstsein jedes Mitarbeiters verankert sein sollten. Und ein Glossar liefert weitergehende Hintergrundinformationen, beschreibt mit besonderem Risiko behafteten Situationen, enthält Antworten auf häufig gestellte Fragen und zeigt, wie bei einem vermuteten oder tatsächlichen Schadensfall vorzugehen ist. (red)

some guy
00
14.5.2010, 21:53

hm - deshalb wird für gewöhnlich penibel mitgezählt ;)

Leitner & Reichl
00
Medizinisches Personal ist nicht unfehlbar

Wobei die Betonung dummerweise wohl auf "für gewöhnlich" liegen müssen wird .
Bei allem Verständnis für den enormen Zeit- und Leistungsdruck, welchem das medizinische Personal in heimischen Spitälern zumeist ausgesetzt ist, ist es für den betroffenen Patienten und dessen Angehörige eben nur ein schwacher Trost, dass für gewöhnlich penibel nachgezählt wird, das behandelte Familienmitglied allerdings das Zeitliche segnet, weil im konkreten Fall leider Gottes ausnahmsweise nicht ganz so penibel gezählt wurde.
Wo gehobelt wird, fallen nun mal Späne, wie überall, wo Menschen arbeiten. Fehler von medizinischem Personal haben aber nun mal eine andere Tragweite als in den meisten anderen Berufen.

Schurke!
02
11.5.2010, 19:46
wär doch mal ein sinnvolles einsatzgebiet

von RFIDs: jeder tupfer etc wird getagt und nach der OP der patient gescannt

Dante Alighieri
00
13.5.2010, 04:03

Vermutlich etwas teurer als simple Checklisten ;-)

Stefan Gabardi
00
24.6.2011, 21:34

noch, aber die FDA arbeitet grad an einem Projekt, in dem die Instrumente von "Geburt" bis zum "Tod" mittels eines RFID Chips einen "Reisepass" bekommt.
Dann sind auch automatisierte "Checklisten" am Instrumentiertisch kein Problem.

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