Das Wasser, das zum Heiraten führt

10. Mai 2010, 22:25
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Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit finanziert den Bau von neuen Wasserleitungen, die den Dorfbewohnern erstmals sauberes Trinkwasser bringen

"Pscht, machen die Leute im Saal. Maria Romanovici, die Vizebürgermeisterin von Cioresti, erhebt ihr Wort. "Der Bürgermeister befindet sich in Spanien", sagt sie, bei einem Roma-Treffen. "Der Bürgermeister glaubt aber, dass sich die Österreicher hier wohlfühlen werden, obwohl er nicht da ist", setzt Romanovici fort. Sie ist zufrieden, dass der Empfang geglückt ist, die Narzissen an alle verteilt wurden und das Brot und der Wein geschmeckt haben.

In dem Gemeinderatshaus in dem westmoldauischen Dorf Cioresti wird die Ankunft des Wassers zelebriert. Die Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA) finanzierte den Bau eines Trinkwassersystems: Quellen wurden gesucht und neue Leitungen verlegt. "Es hat gut funktioniert. Wir haben ja viele Frauen im Gemeinderat", sagt Romanovici. "Nichts gegen die Herren Gemeinderäte", nickt sie ihren Kollegen beruhigend zu. "Aber ich habe gehört, dass in Norwegen und Schweden, wo viele Frauen an der Macht sind, eben auch Ordnung herrscht."

Einer der Gemeinderäte hebt die Hand, er will auch etwas sagen. Nicht nur er sei den Österreichern dankbar, sondern sicher auch der Bürgermeister, wenn er da wäre, was er aber nicht sei, wie man bereits wisse. Und auch der Prokurator - offenbar ein Gemeindebediensteter - würde sich jetzt sicher bedanken, wenn er nicht bereits tot wäre. Der Gemeinderat erzählt, dass der Wasserverein 662 Mitglieder hat. 38 Kilometer Leitungen wurden verlegt. Auf dem Tisch steht eine Phiole mit gelber Flüssigkeit: Brunnenwasser voller Nitrate und Ammonium. Dreimal im Jahr habe man Chlor in die Brunnen schütten müssen. Damit sei nun Schluss.

Mehr Gesundheit

Die Krankenschwester in der schwarzen Lederjacke steht auf und bestätigt, dass das Wasser aus einem Brunnen neben dem Friedhof verseucht war. Sie kann sich zwar nicht wirklich an "große Krankheiten" erinnern, aber sie erhofft sich jetzt mehr Gesundheit für das Dorf. Sie hat auch einen Zweizeiler über das neue Wasser von Cioresti verfasst: "Wer das Trinkwasser von Cioresti trinkt" , dichtet sie, "der heiratet bald." Ein Raunen geht durch den Saal.

Cioresti ist ein normales moldauisches Dorf mit wunderschönen holzgeschnitzten Häusern in Himmelblau und Hellgrün. Auf den Dachfirsten, vor den Fenstern und Türen, blitzen filigrane Verzierungen aus hellem Metall. Katzen schleichen über die schwarze Erde. Zwei Buben treiben eine Kuh durch den Wald. Viele Leute sind nach Westeuropa gegangen, um Geld zu verdienen. Die Kinder wachsen bei den Großeltern und mit Fotos von Mama und Papa auf.

Näher an Europa

Der Schlosser, der bei der Verlegung der Wasserleitungen dabei war, findet, dass Europa den Ciorestiern durch das Wasserprojekt näher gekommen sei. "Und wir kamen näher an die europäische Zivilisation", sagt er. Die Lehrerin mit den zwei goldenen Zähnen bestätigt dies. Und Don Ioan stellt sich vor: "Beruf: Zurzeit arbeitslos." Ein Unternehmer meint: "Es wurde nicht nur das Trinkwasserproblem gelöst, sondern es wurden auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Und die Leute seien jetzt weniger misstrauisch als früher."

Die glücklich strahlende Vizebürgermeisterin klärt auf: "Die Leute wollten einfach nicht verstehen, weshalb die Österreicher einfach so Millionen von Euro für uns zahlen. Sie wollten eine glaubhafte Begründung. Erst als die Baumaterialien wirklich eintrafen, schwand das Misstrauen."

Die Gruppe der Dorfhonoratioren wandert zu einem Haus, um die neue Wasserleitung zu inspizieren. Dona Maria führt die Besucher in ihr Badezimmer. Sie dreht überall das Wasser auf. Auch die Klospülung lässt sie laufen. Dann gibt es Eier, Kuchen und Wein. Im Keller lagern Weinfässer, Äpfel und Gläser mit leuchtend roten Beeren und gelbem Gemüse. In klarem Wasser. "Wir werden bald einen Kanal brauchen", sagt Dona Maria und schenkt Uhudler nach. (Adelheid Wölfl aus Cioresti/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2010)

  • Brunnen in Cioresti. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit zahlt 2,7 Millionen Euro für eine neue Wasserversorgung.
    foto: standard/wölfl

    Brunnen in Cioresti. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit zahlt 2,7 Millionen Euro für eine neue Wasserversorgung.

  • Dona Maria zeigt stolz ihre eingelegten Beeren in ihrem Keller in dem 
moldauischen Dorf Cioresti.
    foto: standard/wölfl

    Dona Maria zeigt stolz ihre eingelegten Beeren in ihrem Keller in dem moldauischen Dorf Cioresti.

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