Tonaufnahmen von Spanair-Absturz 2008

10. Mai 2010, 19:49
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Unbekannter kritisierte den Techniker des Fliegers

Madrid - Gut 20 Monate nach dem Absturz einer Spanair-Maschine in Madrid haben Medien nun die letzten Worte der Cockpitbesatzung veröffentlicht. Bei dem Unglück am 20. August 2008 waren 154 Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine war unmittelbar nach dem Start abgestürzt und in Flammen aufgegangen.

Die Tonaufnahmen machen die Ohnmacht der Crew in den Augenblicken kurz vor dem Absturz deutlich: "Triebwerksschaden?", fragt der Co-Pilot. Ein Alarmsignal ertönt viermal. Der Pilot: "Wie kann man dieses verdammte Ding abstellen?" Kurz später schreit er: "Heb ab!" und man hört, wie das Flugzeug ein erstes Mal auf die Erde prallt. Der Pilot ruft erneut: "Los, heb ab! Verdammte Scheiße. Heb ab!" Ein zweiter Aufprall ist zu hören, der Pilot flucht noch einmal, der Co-Pilot schreit auf. Dann bricht die Aufzeichnung ab.

Der Radiosender Cadena SER berichtete am Montag zudem, aus den Tonbandaufzeichnungen des Flugschreibers gehe hervor, dass neben dem Piloten und dem Co-Piloten ein drittes Besatzungsmitglied im Cockpit des Unglücksjet gewesen sei.

Dieser "dritte Mann", dessen Identität nicht bekannt sei, habe starke Zweifel an der Arbeit der Techniker geäußert, die vor dem verunglückten Start der Maschine vom Typ MD-82 einen überhitzten Sensor mit Eis gekühlt hatten. "Das ist Flickschusterei!", empörte sich demnach der Unbekannte. Kurz später rollte die Maschine in Richtung Startbahn.

Ermittlungen im Gange

Gegen zwei Techniker, die vor dem Start die Sicherung für einen defekten Außentemperaturfühler entfernt und das Gerät damit außer Betrieb gesetzt hatten, sind nach wie vor Ermittlungen der Justiz im Gange.

Wie die Aufzeichnungen zeigen, glaubte die Cockpit-Besatzung lange, alles unter Kontrolle zu haben. Der Co-Pilot sagte kurz vor dem Absturz noch: "Alles bestens." (dpa, spri/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2010)

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