Alte AKWs viel störanfälliger

10. Mai 2010, 19:47
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ARD-Magazin: Meiste sicherheitsrelevante Defekte in Krümmel

Mainz - Ältere Atomkraftwerke in Deutschland melden laut einem Vorabbericht des ARD-Magazins Report Mainz überdurchschnittlich viele sicherheitsrelevante Defekte. Dies zeige eine neue Statistik des deutschen Bundesumweltministeriums für die Jahre 1993 bis 2008. Die Zahl der "meldepflichtigen Komponenten- und Bauteildefekte" nehme seit 1994 deutlich zu.

Den stärksten Anstieg technischer Defekte weise die Statistik für den Druckwasserreaktor Philippsburg II aus, der 1977 in Betrieb ging. Insgesamt habe es 30 Defekte gegeben, neun davon 2008. Von den noch laufenden 17 deutschen Atomkraftwerken gab es laut dem Bericht die meisten sicherheitsrelevanten Defekte im Siedewasserreaktor Krümmel, nämlich 82. Brunsbüttel (ebenfalls ein Siedewasserreaktor) kam auf 80 Defekte, die beiden Druckwasserreaktoren Biblis B und A auf 78 beziehungsweise 66. Die vier Reaktoren nahmen zwischen 1975 und 1984 den Betrieb auf.

Die jüngeren Atomkraftwerke Neckarwestheim II sowie Isar II hätten dagegen im gleichen Zeitraum lediglich 20 Defekte gemeldet. Eine Stellungnahme des Bundesumweltministeriums hatte die ARD zunächst nicht erhalten.

Die Statistik hatte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne) erstellen lassen. "Es kann nicht sein, dass nach einem solchen Wissen, wie wir es jetzt haben, über diese Anfälligkeit alter Reaktoren, die ja noch von Jahr zu Jahr zunehmen wird, tatsächlich ernsthaft erwogen wird, die Laufzeiten gerade dieser alten Reaktoren zu verlängern. Das ist unverantwortlich", sagte die atompolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion.

Lars Olov Höglund, schwedischer Reaktor-Konstrukteur, kritisierte: "Je mehr Störfälle es gebe, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, "dass sich ein Störfall in einen Unfall oder in einen Super-GAU entwickelt." (dpa/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2010)

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