777 Personen sind abgängig

10. Mai 2010, 19:26
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Cold-Case-Fahnder suchen auch via Facebook

Wien - Laut Innenministerium sind österreichweit 777 Personen im Elektronischen Kriminalpolizeilichen Informationssystem (EKIS) als abgängig ausgeschrieben, 240 davon sind Kinder und Jugendliche. In den meisten Fällen handelt es sich erfahrungsgemäß um Ausreißer, die nach ein paar Tagen oder Wochen freiwillig wieder zurückkehren. Doch 33 Personen gelten seit mehr als zehn Jahren als vermisst, von 34 Personen gab es das letzte Lebenszeichen vor fünf Jahren. Langzeitabgängige werden auch im Schengener Informationssystem (SIS) und via Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Seit neuestem benützt das Cold-Case-Team des Bundeskriminalamtes (BK) außerdem Facebook, um nach möglichen Hinweisen zu suchen.

Auf den BK-Fahndungsseiten stehen neben Julia K. (siehe "Fall Julia K.": Zwei Männer und eine Frau verhaftet) auch die Geschwisterpaare Fatma (6) und Walid (5) Ali aus Somalia (zuletzt in Linz zu Hause) sowie Phillipp (10) und Ingrid (13) Ehmann aus Stein am Anger. In beiden Fällen handelt es sich um mutmaßliche Fälle von Kindesentziehung durch die Väter. Auch die fünfjährige Nicole Fuchs aus St. Johann in Tirol wurde laut Bundeskriminalamt von ihrem Vater mitgenommen, obwohl ihm das Sorgerecht entzogen wurde. Wolfgang Leo Fuchs wird außerdem wegen des Verdachts der Veruntreuung, Unterschlagung, Betrugs und Untreue gesucht. Die 16-jährige Wienerin Nicole Hochwallner wird seit vergangenem Juli auf der BK-Vermisstenseite geführt.

Die Vorgangsweise der Cold Case-Ermittler beschreibt BK-Chef Franz Lang als konzentrische Kreise. Die Beamten nehmen sich den Ermittlungsakt vor. Danach kommt das Umfeld des Opfers sowie sichtbare Motive. Das betrifft Familie, Beziehungen, Freunde. Der nächste Schritt betrifft mögliche versteckte Motive, wie zum Beispiel heimliche Liebschaften. Danach werden Hypothesen aufgestellt und gecheckt. (simo/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2010)

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