Rechnungshof kritisiert teure Fehlplanungen bei Hauptbahnhof Wien

11. Mai 2010, 19:40
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    foto: apa/warmuth

    Eine Seilbahn sollte das Hauptbahnhofgelände erschließen, nun will der Planungsstadtrat davon nichts mehr wissen.

Die Kostenschätzung sei unrealistisch, die Verkehrsanbindung unzureichend, die geplante Standseilbahn viel zu teuer

Wien - Ohne übergeordneten Plan gezielt am neuen Bahnhof vorbei: Der Rechnungshof übt im aktuellen Bericht zum Großprojekt Hauptbahnhof heftige Kritik an der Wiener U-Bahn-Planung. "Die Anbindung des Hauptbahnhofes an das U-Bahn-Netz wurde von der Stadt Wien nicht als vorrangiges Ziel verfolgt; vielmehr stand für die Linienführung der U2-Süd die Erschließung dreier Stadtentwicklungsgebiete im Vordergrund" , schreiben die Prüfer.

Gleichzeitig fehle nach 40 Jahren U-Bahn-Planung "noch immer eine systematische Zusammenstellung von Planungsgrundsätzen" . Der Rechnungshof empfiehlt deshalb, "klare Kosten- und Wirksamkeitskriterien zu definieren und den kommenden Ausbauvorhaben zugrunde zu legen" .

Mehr auf die Kosten zu schauen wäre auch bei der Errichtung der technischen und sozialen Infrastruktur für das Gebiet um den neuen Bahnhof am Wiedner Gürtel angebracht. Die Stadt veranschlagte dafür ursprünglich 174 Millionen Euro, in den letzten zwei Jahren erhöhte sich die Summe mit 310 Millionen auf mehr als das Doppelte. Man müsse künftig auf vollständige und realistische Kostenschätzungen achten, sagt der Rechnungshof.

Im Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) kann man sich die Zahl nicht erklären, "da fehlen uns die Quellenangaben" . Allerdings nimmt der Projektkoordinator der Stadt im Bericht ausführlich Stellung zu den Mehrkosten im technischen Bereich: Preissteigerungen imStraßenbau und die Erweiterung der Straßenausbauflächen seien dafür verantwortlich.

Für den neuen Bahnhof samt dazugehörigem Stadtviertel waren ursprünglich 1,072 Milliarden veranschlagt, inzwischen werden die Kosten auf 1,199 Milliarden geschätzt. Viel teurer als erwartet wird auch der sogenannte Automated People Mover, eine Standseilbahn, die den Bahnhof mit den Wohn- und Bürohäusern dahinter verbinden soll. DerRechnungshof geht in seinem Bericht noch von 25 Millionen für das neue öffentliche Verkehrsmittel aus und bewertet es im Vergleich zu Bim und Bus als zu kostenintensiv.

50 statt 25 Millionen

Ein Anbieter für so eine Bahn stehe außerdem in gesellschaftsrechtlichen Beziehungen zu einer Gesellschaft, die bereits einen Kaufvertrag über den Erwerb eines Baufelds auf dem Hauptbahnhofgelände abgeschlossen hat.

Inzwischen ist klar, dass der Automated People Mover nicht die vomRechnungshof bereits als zu teuer eingestuften 25 Millionen Euro, sondern 50 Millionen kosten wird. Laut Planungsstadtrat Schicker habe man den Automated People Mover für den Hauptbahnhof aber ohnehin "nie gebraucht" - der Ball liege diesbezüglich bei ÖBBund Immorent.

Dabei hat Bürgermeister Michael Häupl (SP) bei einer Pressekonferenz vor etwa einem Jahr versichert, die Standseilbahn werde kommen - und die Stadt werde dafür auf jeden Fall Geld locker machen. Die Opposition fühlt sich in ihrer Kritik am Projekt Hauptbahnhof jedenfalls bestätigt. Die VP will einen runden Tisch, um die Direktanbindung der U2 an den Hauptbahnhof neu zu diskutieren, die Grünen fordern Infrastrukturministerin Doris Bures (SP) auf, beim Automated People Mover "die Reißleine zu ziehen". (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2010)

Kommentar posten
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o glorioso pé de friedenreich
00
16.5.2010, 11:01
die u2 bringt gar nix

die u2 fährt die gleiche strecke wie die u1, nur in schlangenlinien, dh man ist langsamer am ziel.
was etwas brächte, wäre die u1 station südtiroler platz ein stück nach süden zu verlegen und den bahnsteig zu verbreitern, damit die wege sich verkürzen.
außerdem einen ast der u6 zum bahnhof zu führen (zwar wird die u6 in meidling angebunden, aber man fragt sich schon warum man einen zentralen bahnhof baut, wenn man dann erst an einem anderen noch stehen bleiben muss für die ubahn)

meineMeinung1969
01
14.5.2010, 21:23
Das sind ...

... keine Fehlplanungen. Das ist alles wohl kalkuliert ...

mM

Cherobin
01
14.5.2010, 17:27
Ich finde mit der Erfahrung der Wr. Magistrate ist es unmöglich an Zusatzkosten vorbeizukommen.

Ein eingespieltes, filzeiches Team am Abkassieren hindern zu wollen braucht man gar nicht erst versuchen.

Häupl lässt sich seine teuren Mitarbeiter und Parteiförderer nicht killen.

Die Wiener lieben ihn zu sehr dafür.

schlitzohr2
00
Dagegen möchte ich mich (als Sozialdemokrat) aufs Schärfste verwahren: Dafür lieben wir den Häupl mit Sicherheit nicht!!!!! Auch ist unser Bürgermeister, gesamtösterreichisch gesehen, gerade nicht der beliebteste-sonst wäre er ja längst Bundeskanzler

Er hat vielleicht eine widerstandsfähige Bauernschläue, ist aber bei vielen fiskalischen Ungereimtheiten, ich spreche jetzt ausschließlich für Wien, "federführend". Wir haben ihm viele seiner finanziellen Stolperer augenzwinkernd verziehen, wir bilden uns halt ein, nichts war beabsichtigt. Doch auch wir Stimmzetteltreuen SPÖler wissen, unser Michi ist allein schon altersbedingt, ein Auslaufmodell. Nur, es waren die Sozialdemokraten die für Wien viel Gutes (ich denke dabei nur an die Donauinsel) verwirklicht haben. Es waren nicht die Schwarzen, es waren nicht die Blauen u. es waren nicht die Grünen. Und nur deshalb lieben wir Häupl u. unsere rote Rathausmannschaft. Und nur aus diesem Grunde wähl ich sie wieder.

black jack
00
17.6.2010, 12:52
Die Hochquellwasserleitung und die Stadtbahn haben uns aber kein Sozialdemokrat beschert.

Ist aber auch egal.

Die SPÖ hat leider viel an Glaubwürdigkeit verloren durch teilweises unmögliches und offensichtlich dummes Machtgehabe und "ein-Handerl-wäscht-das-andere" Politik. Anders als der Pate Onkel Pröll in NiederVPkistan hat unser Wiener Pate sehr starken blauen Gegenwind.

In der Sache sähe ich es lieber wenn die U2 in angemessener Nähe zum neuen Hauptbahnhof an diesem vorbeigeführt würde. In anderen Großstädten (Paris) werden zum Teil beträchtliche Entfernungen zwischen Metrostationen auch mit Laufbändern bewältigt. Auch überzeugt mich die sonstige Strecke der U2 noch immer nicht - irgendwann einmal sollte sie bei der Uni in eine Strecke der U5 und eine der U2 aufgeteilt werden ...

me phisto
03
14.5.2010, 10:16
schicker und seine "glorreichen" wiener planungsmagistrate ...

... mit "echten" experten mit ausbildung bei den kinderfreunden, roten falken, junge spö, arbeiterkammer, etc ... am werk.

was soll da schon intelligentes herauskommen?

meine überraschung über den RH bericht hält sich in engen grenzen. ich denke, der ist sogar noch geschönt und verhöflicht, um die wiener (wieder)wahlparty nur ja nicht zu gefährden.

Marty McCloud
 
00
14.5.2010, 10:01

Der (ganz) alte Südbahnhof muss wieder her. Da war ja noch die versiffte Schuhschachtel aus den 50ern? schöner, als dieses seelenlose Glasungetüm

ExBeamter
02
12.5.2010, 12:55
für was in gottes Name ein Standseilbahn die kein Beförderungsvolumen hat.

Hier will sich wieder jemand ein Denkmal setzen!

o glorioso pé de friedenreich
00
16.5.2010, 10:47

macht eh niemand, das ding schaut auf der pressekonferenz gut aus und wird dann stück für stück beerdigt.

gubo2.0
01
11.5.2010, 19:07
welch wunder.....

ich tipp auf 2mrd endsumme.

ohromat
12
11.5.2010, 18:07


Der ganze Bahnhof ist eine unnötige teure Fehlplanung. Hätte man doch den alten Südbahnhof saniert.
Ups - das hätte wohl ein paar befreundete Bauunternehmer gestört ...

Das kommt davon, wenn man Menschen nicht wegen ihrer Intelligenz oder ihrem Können zu Beamten macht, sondern nur weil sie in der selben Seilschaft sind.

ama2deus
03
12.5.2010, 20:02

man hätte den bahnhof zwar sanieren können, aber man hätte trotzdem hinter den bestehenden gebäuden neue bahnsteige errichten müssen für die durchgehenden züge.
da es aber unsinnig ist die bahnsteige derart zu verteilen, ist es durchaus logisch dass der südbf abgerissen wurde.

MA__48
01
19.5.2010, 23:27
Wichtig ist, daß die ERSTE ihr Hauptgebaüde am Gürtel bekommt

Daß die Pendler von weißgottwo weit hinten zur U-Bahn "wandern" müssen, ist dem Häupl und schicker schlicht egal

ama2deus
01
21.5.2010, 19:05

trotzdem wird der bahnhof nicht deshalb abgerissen, sondern weil man aus dem südbf. keinen durchgangsbahnhof hätte machen können ohne das arsenal abzureißen.

MA__48
01
21.5.2010, 22:38
Aber man hätte bis zur Fertigstellung den alten Bhf lassen können

Da das Areal des neuen Bahnhofs neben dem alten liegt, hätte man den alten Südbahnhof bis kurz vor Fertigstellung des neuen weiter benutzen können.
nichtbenötigte Züge könnten ja auch in Kledering zwischengeparkt werden.
Meidling zeigt, daß es auch möglich ist, den Südbahnverkehr auf zwei Bahnsteigen abzufertigen. (die anderen werden für die Schnellbahn genutzt)

aber wie gesagt, es ist anscheinend wichtiger für die Bank das Hauptgebäude rasch fertigzustellen, ein Einkaufszentrum zu errichten und die Bahnkunden täglich hunderte Meter an den Geschäften vorbeizulotsen; als für die ÖBB-Kunden kurze Umsteigewege und einen reibungslosen Betrieb zu bieten.

ama2deus
00
22.5.2010, 11:53

die abzweigung zum hbf befindet sich genau vor der alten einfahrt in den südbahnhof, spätestens bei gleisbauarbeiten in diesem bereich hätte, wie sie selbst gesagt haben, der bahnverkehr auf wenige gleise konzentriert werden müssen.

im normalverkehr wäre das auch kein problem, allerdings dürfen sich rangier- bzw. verschubfahrten nicht vergessen. mit wenigen gleisen tun sie sich da schon schwer bei einem kopfbahnhof von derartiger bedeutung, vor allem dann, wenn die neuen betriebsgebäude jenseits der großbaustelle liegen, sprich sie schaffen ein nadelöhr.
außerdem, es funktioniert ja in meidling, wie sie selber sagen, auch, also warum sollen die ÖBB noch warten wenn sie die alten flächen verwerten wollen, was erlöse einbringt?

Bodypainter
21
12.5.2010, 19:39
sie waren scheinbar noch nie beim südbahnhof und seine versifften gebäude rundherum (postzentrum, büros).

ohromat
03
16.5.2010, 02:22

wohl doch, hatte sogar die ehre noch vor dem abriss durch das leere gebäude zu spazieren.
und es hat (auch hinter den kulissen) ausgesehen wie eine bahnhof, welchen man schon seit jahrzehnten verkommen hat lassen.
mir ist dabei auch zum erste mal aufgefallen, dass die große halle ein glasdach hatte - war nur leider so verdreckt, dass kein licht mehr durchkam. muss mal ein verdammt heller (zwei seiten + dach vollverglast) schöner bahnhof gewesen sein (vor langer öbb zeit).

ama2deus
02
12.5.2010, 20:03

etwas dass versifft ist kann man sanieren. der bahnhof an sich war schön, nur haben die ÖBB ihn einfach jahrzehntelang nicht gepflegt.
eine tendenz die auch heute noch anzutreffen ist - man braucht sich nur die relativ neue station rennweg ansehen, in der schon sämtliche seitenwände total von tauben zugekotet sind.

mereandor
 
00
11.5.2010, 17:35
Volkschulrechnung ...

„Die Stadt veranschlagte dafür ursprünglich 174 Millionen Euro, in den letzten zwei Jahren erhöhte sich die Summe mit 310 Millionen auf mehr als das Doppelte.“

Das Doppelte von 174 ist 348. Die bezeichnung „mehr als das Doppelte“ ist also gelinde gesagt nicht ganz gerechtfertigt.

ersilio
00
11.5.2010, 17:48

Schätzen wir uns glücklich, wenn sich die Summe für diesen Posten bis zu seiner Fertigstellung nur noch bis zum Doppelten erhöht ...

Volkschulrechnung hin oder her.

ad vocem
03
11.5.2010, 16:29
Selbst aus KonsumentInnensicht ...

... würde das wenig Sinn machen, weil das ja keine sich ergänzenden Verkehrsangebote sind, sondern konkurrierende.

Wozu sollte man also zum Zentralbahnhof fahren (müssen), wenn man gar nicht mit dem Zug wegfahren will?

Abgesehen davon, dass die Kosten in zentraler Lage sicher höher wären, bei schlechterer Anbindung an das Straßennetz.

Der jetzige Standort des Busterminals in Erdberg ist sicher ideal und hat auch U-Bahn Anbindung. Dass das "Terminal" dort nicht attraktiver gestaltet ist, sollte man eher den Betreibern dieser Buslinien und deren Niedrigpreispolitik vorhalten ...

sljudanka
00
11.5.2010, 19:16
Bus und Bahn sind konkurrierende Verkehrssysteme - das stimmt allgemein

aber nicht in Wien!!!

Denn: die Bahn ist in Österreich auf einige wenige Hauptstrecken konzentriert. Richtung ehem. Ostblock schauts bahnmässig SEHR düster aus. Etwa ist niemand interessiert, mit der Bahn nach Serbien oder Rumänien zu fahren.

IN Wien könnten sich Bahn und Linienbus gut ergänzen. So wäre der hauptbahnhof ein idealer Umsteigpunkt von Passagieren, die aus dem Osten kommen, um dann mit der bahn weiter in ein innerösterreichisches Ziel oder nach Westeuropa zu reisen.

Jetzt muss man in Erdberg mit der U-bahn 3 mal umsteigen, um zur Bahn zu kommen!

Wiegesagt: schauen sie sich Bratislava, Brünn, Madrid oder Praha an: dort sind RIESIGE Busterminals!

Busse sind einfach ökonomischer auf vielen Strecken!

Quim Barreiros
00
10.6.2010, 11:09

Im übrigen wäre der Hauptbahnhof kein idealer Umsteigepunkt.

Niemand fährt zuerst von Bukarest nach Wien mit dem Bus und dann von Wien nach München zum teuren Vollpreis mit dem Zug weiter, wenn er Bukarest-München mit dem Bus fahren kann oder sich bei der rumänischen Bahn ein Sonderangebot für Bukarest - München kaufen kann.

Andreeeas
01

Wissen Sie überhaupt, was sie da reden?

Zum einen bin ich schon einmal mit dem Zug nach Rumänien gefahren (Timisoara, Temesvár). Mit dem Railjet (von dem man vieles sagen kann, aber komfortabler als ein Bus ist er allemal) bis Budapest und dann weiter nach Timisoara. Pünktlich, komfortabel und günstig. Gibt auch einen Nachtzug ohne Umstieg.

Und wenn ich mir ansehe, wie ich in Österreich (mit der Bahn) reise und das mit Ungarn vergleiche, wo ich oft mit Bahn UND Bus fahren MUSS, die ÜBERHAUPT nicht aufeinander abgestimmt sind, dann weiß ich, dass die ÖBB zwar teuer ist, aber doch eine relativ hohe Qualität bietet.

Dass am Balkan der Bus bevorzugt wird, liegt am grauenvollen Zug, nicht am tollen Bus!!

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