"Fall Julia K.": Zwei Männer und eine Frau verhaftet

10. Mai 2010, 18:22
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Am Montagmorgen verhaftete die Sondereinheit Cobra drei Verdächtige - Wo die Verschwundene ist, bleibt aber unklar

Pulkau - "Natürlich war sie in den vier Jahren immer in den Köpfen. Als ich zum Beispiel bei der Jungbürgerfeier war, habe ich daran gedacht, dass die Julia normalerweise auch dabei wäre." Manfred Marihart, der Bürgermeister der 1500-Einwohner-Gemeinde Pulkau in Niederösterreich an der Grenze zwischen Wein- und Waldviertel, macht klar, dass das Schicksal von Julia K. seit ihrem Verschwinden präsent ist. Und nun, nach der Verhaftung von drei jungen Erwachsenen am Montagmorgen umso mehr.

Zwei Männer und eine Frau wurden unter anderem in Gars am Kamp und Horn von Beamten der Sondereinheit Cobra verhaftet. In einem Fall fielen dabei Schüsse, ein aggressiver Hund musste getötet werden, sagt Alexander Marakovits, Sprecher des Bundeskriminalamtes. Der Grund der richterlichen Anordnung:Verdacht der Freiheitsentziehung.

"Ich kann nur hoffen, dass es nun eine heiße Spur gibt" , meint der Bürgermeister. Er steht vor dem Gemeindeamt aus dem 18. Jahrhundert. An dessen Wand: ein grünes Schild mit der Aufschrift "Originaldrehort Julia" . Ein makaberer Zufall, es handelt sich um die Fernsehserie Julia mit Christiane Hörbiger. Auf dem Gehsteig davor ist es dagegen der aktuelle "Fall Julia" , der präsent ist. Auf einem Plakatständer prangt "Finden wir gemeinsam Julia. Beteiligen Sie sich an der Suche."

Seit die damals 16-Jährige am 27. Juni 2006 auf dem Weg von der Bushaltestelle im Zentrum zum vielleicht 200 Meter entfernten Elternhaus verschwunden ist, kochen viele Theorien durch die Gerüchteküche. Sicher scheint, dass der Teenager am Hauptplatz mit Insassen eines Autos gesprochen hat, danach verliert sich die Spur.

"Die Verhafteten gehören zum Bekanntenkreis des Mädchens" , sagt Staatsanwalt Friedrich Köhl von der Anklagebehörde in Korneuburg. "Sie sind alle um die 20, in etwa derselben Altersklasse wie die Verschwundene." Mittwochfrüh muss entschieden werden, ob die Untersuchungshaft über die drei verhängt wird, bis dahin verhört sie die Polizei.

In den Fokus der Fahnder sind sie geraten, da sie offenbar bei den seit März intensivierten Ermittlungen der "Cold Case-Abteilung" des Bundeskriminalamtes Informationen verschwiegen haben. Ob das Trio mit illegalen Substanzen gehandelt hat und Julia mit Haschisch versorgt hat, wie das Nachrichtenmagazin News unter Berufung auf die Kriminalpolizei berichtet, will niemand bestätigen. Auch nicht, ob es konkrete Indizien gibt oder Hinweise, was mit dem Mädchen passiert ist.

Hatte Pubertätsprobleme

Festlegen will sich auch Rainer König-Höllerweger nicht. Er ist Sozialforscher und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Fall und unterstützt die Polizei. "Ich glaube zu mehr als 50 Prozent, dass sie lebt" , sagt er im Gespräch mit dem Standard. Worauf er seinen Glauben stützt?"Ich habe unter anderem ihr Tagebuch gelesen. Sie hat recht klar beschrieben, welche Pubertätsprobleme sie hatte" , sagt König-Höllerweger.

Es gebe in der Gemeinde im Prinzip nur zwei Gruppen für Jugendliche. Die Pfarrjugend und die davon unabhängigen, zu der Julia gehörte. Die drei Verdächtigen gehörten aber nicht zu ihrem engsten Freundeskreis, stellt er klar. Was ihnen genau vorgeworfen wird, weiß er jedoch nicht.

Ganz ausschließen will er aber nicht, dass sie nicht freiwillig abgetaucht ist, sondern es zu einem tödlichen Unfall oder einem plötzlichen Tod des Mädchens gekommen ist. "In einer Panikreaktion ist es natürlich möglich, dass die Leiche versteckt worden ist." Selbst in diesem tragischen Fall sei es aber wichtig, die Wahrheit zu kennen. "Besonders für die Eltern."

Die in der Gemeinde jeder kennt, sagt Bürgermeister Marihart. "Sie sind ja Lehrer, und jedes Mal wenn man sie gesehen hat, ist man natürlich daran erinnert worden." Aus den Medien sei das Thema dagegen bis vor kurzem praktisch verschwunden gewesen, erst seitdem die Sonderermittler tätig sind interessiere man sich wieder dafür. Durch die vom Bundeskriminalamt organisierten Jugendversammlungen habe sich aber das Gesprächsklima und das Vertrauen der jungen Erwachsenen zur Polizei aber deutlich verbessert. Was mehr bringen soll als die beiden Artikel in der Gemeindezeitung. "In denen habe ich immer geschrieben ,Bei uns fehlt jemand." (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 11.5.2010)

  • "Bei uns fehlt jemand", hat Bürgermeister Manfred Marihart schon zweimal in der Gemeindezeitung geschrieben. Nun könnten die Ermittler im "Fall Julia" auf eine Spur gestoßen sein.
    foto: christian fischer

    "Bei uns fehlt jemand", hat Bürgermeister Manfred Marihart schon zweimal in der Gemeindezeitung geschrieben. Nun könnten die Ermittler im "Fall Julia" auf eine Spur gestoßen sein.

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