Kursbildung am Wörthersee

10. Mai 2010, 17:44
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Der AvW-Gutachter sieht Hinweise darauf, dass die Kurse der Genussscheine bis 2000 von Wolfgang Auer Welsbach selbst gebildet wurden

Der AvW-Gutachter sieht Hinweise darauf, dass die Kurse der Genussscheine bis 2000 von Wolfgang Auer Welsbach selbst gebildet wurden. Und er relativiert die Rolle jenes Managers, der Ende 2008 von AvW angezeigt wurde.

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Wien - Wolfgang Auer Welsbach bleibt in Untersuchungshaft. Laut Gericht bestehen die Haftgründe (Verdunkelungs-, Flucht-, Begehungsgefahr) weiterhin; am 10. Juni findet die nächste Haftprüfung statt. Ob der Kärntner Rechtsmittel erhebt, will sein Anwalt am Dienstag entscheiden.

Beim Zusammenbruch der AvW im Oktober 2008 (seither werden keine Genussscheine mehr zurückgekauft) hat sich der AvW-Chef auf die Rolle seines Prokuristen Harald K. berufen. Er habe entgegen dem Vieraugenprinzip "unautorisiert" Deals etwa mit RHI-Aktien getätigt. AvW zeigte den Mann damals an; er ist einer der Beschuldigten in der Causa. Gerichtsgutachter Fritz Kleiner sieht die Rolle des Mannes, der für Wertpapier- und Derivathandel bei AvW zuständig war, anders. Der Prokurist "konnte völlig frei mit allen Beteiligungen (Aktien) und Derivaten handeln" ; nur in bestimmten Fällen sei die Zustimmung des Chefs nötig gewesen.

Die Rolle des Prokuristen

Die Bedeutung des von der AvW angezeigten, geplatzten Verkaufs von 700.000 RHI-Aktien am 10. Oktober 2008 (war der Anfang vom AvW-Ende) relativiert das Gutachten ebenso, auch ohne die Deals des Prokuristen wäre ein hoher Verlust eingetreten: "Hätte man das RHI-Portfolio von 1. Jänner bis 10. Oktober 2008 überhaupt nicht bewirtschaftet, hätte sich durch den Kursverfall ein Verlust von 22,2 Mio. Euro ergeben. Der aktive Handel von K. ... hat die Situation nur um 3,3 Mio. Euro verschlechtert."

Schlecht weg kommt der Ex-AvW-Chef (für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung) auch bei der Frage, wie denn eigentlich die (für den Rückkauf relevanten) Kurse des Genussscheins gebildet wurden. Wie berichtet, hat das schon die Bundeswertpapieraufsicht 2000 nicht durchschaut; dieser Erkenntnis folgten freilich keine Taten. Laut Gutachten lassen sich die von der AvW Invest AG veröffentlichten "monatlichen Wertzuwächse ... rechnerisch nicht nachvollziehen" . Ein Zeuge habe ausgesagt, "dass der Wert der Genussscheine so zustande kam, dass Auer Welsbach ... die Berechnung einmal monatlich vornahm" - was Auer Welsbach bestreitet.

Der Gutachter fand "Bemerkenswertes": Die Berechnungsblätter hätten von jeher und ohne Ausnahme einen "stetigen Aufwärtstrend" des Kurses ausgewiesen - "auch in einer Zeit, als die IT-Blase platzte" und die Börsen strauchelten.

Während "die österreichischen Aktien unter heftigen Schwankungen nie über 450 Prozent ihres Anfangswertes erreichten und ab Mitte 2007 stark verfielen" , habe AvW veröffentlicht, dass ihr Kurs 1998 bis 2008 um 650 Prozent gestiegen sei. Kleiner dazu: "Der Kurs des AvW-Index steigt und steigt aber auch 2007 und 2008 unbeirrbar an - bis zum ... Zusammenbruch im Oktober 2008".

Sein Schluss: Er sehe "Hinweise darauf, dass der Kurs bis 2000 von Auer Welsbach über die Berechnungsblätter, die sich jedem logischen Denkvorgang entziehen, gebildet wurde" . Zwar hätten Zeugen ausgesagt, ab Börseneinführung 2001 habe sich der Kurs "über die Frankfurter Börse gebildet" - aber: "Auch das ist durch die mir vorliegenden Daten der Umsätze und des geringen Anteils der Umsätze an der Börse sachlich nicht nachvollziehbar." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Bild aus viel besseren Zeiten in Krumpendorf: Am Montag wurde die Untersuchungshaft über den Ex-Chef der mittlerweile insolventen AvW, Wolfgang Auer Welsbach, verlängert.

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