Wer den Wal hat, hat die Qual

11. Mai 2010, 16:04
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    Wie wildes Wild mit Tran - Carpaccio vom Wal.

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    Wo der Lebertran herkommt - jedenfalls behauptet das Herr Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer nach seinem Lofoten-Besuch.

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    Trockenfisch in Aktion, schreibt Kollege Taschwer - wir fragen uns ja ein bisschen, wo da die Aktion ist.

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    Ragout vom Wal. Taschwer tat es nicht ganz freiwillig.

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    Torrfisk im Nord- äh - Blitzlicht.

Nicht Fisch, nicht Fleisch, wie wildes Wild: Klaus Taschwer aß auf den Lofoten in Nordnorwegen Wal und Tørrfisk galore - arktische Küche eben

"Auf den Lofoten ist nichts verboten." Das waren die letzten Worte, mit denen mich Schmeck's-Chefkoch und Kalauerkönig Harald Fidler auf eine Reise nach Nordnorwegen verabschiedete. Die Lofoten, eine Inselgruppe nördlich des Polarkreises, sind kulinarisch insofern von Weltgeltung, weil sie übrige Welt unter anderem mit Abertonnen von Stockfisch, Skaj (also den frischen Winterkabeljau) und Zuchtlachs versorgen. Essen kann man auf den Lofoten auch nicht schlecht.

Zum Beispiel im edel-rustikalen Restaurant Børsen Spiseri in Svolvær, dem Hauptort der malerischen Inselgruppe. Als man in der urig-gediegenen Gaststätte, die im 19. Jahrhundert eine Art Fischhalle war, die Vorspeisen serviert, muss ich dann wieder an Fidlers Worte denken. Die hauchdünnen dunkelroten Scheiben Fleisch, die mit zahlreichen feinen Fettäderchen durchzogen sind, stellen sich nämlich alsbald als kräftiges Carpaccio vom, ähm, Mink- bzw. Zwergwal heraus.

Wer den Wal hat, hat die Qual

„Wie politisch unkorrekt ist das denn?!", schreit das mitteleuropäische Über-Ich empört, das außerdem ein paar Stunden zuvor von einer deutschen Walforscherin aufmunitioniert wurde. „Auf den Lofoten ist nichts verboten", sagen das neugierige Es und der ziemlich leere Magen einstimmig. Und: „Iss!" Die Mehrheit der Norweger wiederum sagt, dass es erstens ohnehin mehr als genug Zwergwale gibt und dass es die Tiere zweitens eh ein Leben lang schön in freier Wildbahn hatten - besser als so manches andere Tier auf der Speisekarte.

Eine Volksabstimmung über den Walfang würde in Norwegen jedenfalls ähnlich ausgehen wie ein Plebiszit über die Todesstrafe in den USA oder über das Verbot von Minaretten in der Schweiz. Heuer soll deshalb auch die 2009 nicht ausgeschöpfte Walfangquote von 885 auf 1286 Zwergwale erhöht werden.

Rein geschmacklich, um wieder zum Wal-Carpaccio in der auf arktische Küche Børsen Spiseri zurückzukehren, erinnert der rohe Zwergwal an sehr wildes Wild mit einer leicht tranigen Note. Nicht Fisch, nicht Fleisch - irgendwie beides davon. Nicht schlecht zwar, aber auch nicht so außergewöhnlich, dass man deshalb zum Gegner der Walfanggegner werden würde - oder um sich im nächsten norwegischen Supermarkt mit ein paar Kilo gefrorenen Walfleisches einzudecken. Und als letzte Ausrede bleibt mir nur mehr, das viergängige Menu um knapp 400 norwegische Kronen (also rund 50 Euro) nicht selbst vorbestellt zu haben.

Gedörrter Fisch, gewassert

Als leichte Entspannung auch für das ökologische Gewissen folgt als Hauptgang Stockfisch oder originaler: Tørrfisk. Der prägt auf den Lofoten sogar die Landschaft: Überall stehen riesige Holzgestelle herum, auf denen der frische Dorsch von Jänner bis Mai zwecks Entwässerung abhängt. Und mitunter ziert er auch die rot-weiß uniformierten Häuser der Inselgruppe quasi als essbare Dekoration.

Ist er trocken, braucht es dann wieder einige Tage im stinkenden Wasserbad, ehe er wieder verarbeitbar ist - und so schmeckt, wie Tørrfisk eben schmeckt: Eh recht ähnlich wie ganz normaler Fisch, nur etwas milder und zarter. Dazu werden Petersilkartoffeln, Spargelspitzen mit Ei und - schließlich sind wir in Norwegen - eine kross gebratene Speckscheibe vom Ren gereicht.

Als Nachspeise sieht die arktische Küche Beeren vor. Die besten und teuersten sind die gelb-orangen Moltebeere, von denen es entsprechend am wenigsten gibt - ein eher säuerliches, aber gewiss gesundes Vergnügen. Und wenn sie dann auch noch auf Panna cotta serviert werden, schmeckt das Ganze auch noch nach richtigem Dessert und wird entsprechend kalorienbombig.

Arktisches Menü, das zweite

Temperaturmäßig ist es auf den Lofoten dank des Golfstroms viel wärmer als überall sonst auf diesem Planeten in ähnlicher nördlicher Breite. Doch auch im Hochsommer heizt sich das Meer auf maximal 15 Grad Celsius auf - was für den ziemlich einzigartigen Fisch- und Meeresfrüchtereichtum sorgt, den man auch im Restaurant des Ramberg Gjestegård auf das Köstlichste zu verarbeiten versteht.

Die einfache Gaststätte nächst der Copa Ca-Ramberg, die dank der Kaltwasserkorallen tatsächlich so türkis leuchtet wie ein brasilianischer Strand, ist ebenfalls Mitglied der Restaurantkette „Arktisches Menü" und erwartet die Gäste mit einem ziemlich eindrucksvollen Meeresbuffet, das in üppigem Kontrast zum schlichten Interieur steht: Muscheln, Garnelen, Fisch aller Art. Nichts aus dem Meer, das es nicht gäbe.

Irgendwie aber gelüstet es mich dann doch nach dem deftig duftenden Ragout. Vom Ren, nehme ich an?", sage ich zur Köchin halb fragend und kippe mir den Inhalt des Schöpfer bereits auf meinen Teller. „Nein, Wal", ist die Antwort. Also esse ich innerhalb von zwei Tagen das zweite und wahrscheinlich letzte Mal in meinem Leben vom Minkwal. Weil gegessen wird, was auf den Teller kommt. Und weil auf den Lofoten nichts verboten ist. (Wal-Ragout schmeckt übrigens ein bisschen nach Leber oder Niere. Nicht unintensiv, aber gewiss nicht so köstlich, dass man die Meeressäuger deshalb umbringen müsste.)

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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1 2
Entropix
00
15.5.2010, 14:27
und wer

kan Wal hat, ißt die Qualle ;-)

Andersen
63
15.5.2010, 05:25

Wie hier manche ihre moralinsaure Sülze reinpressen ist schon lustig....und vielleicht gleichzeitig ihr Extrawurstsemmerl vom Billa verputzen.

Spirogyra
01
15.5.2010, 00:03
normal...

...liest man sowas auf Facebook.

Zoologe
22
14.5.2010, 19:33
einfach - geschmacklos!

pacatianus
 
00
14.5.2010, 16:56

Die Norweger haben dazu als Seefahrer und Küstennation (80% der Bewohner leben an oder nahe der 57000 km langen Küstenlinie) wohl einen anderen Bezug. In Bergen auf dem Fischmarkt gehört Walfleisch zum Standard. Andererseits - sie sind nicht zuletzt durch die Ölvorkommen die ihnen ebenfalls das Meer schenkt - eine sehr reiche Nation und es ist nicht die Not, die sie zwingt Wal zu essen. Der simple Norweger ist genau so simpel wie der simple Österreicher und wird wohl keinen Gedanken daran verschwenden. Auch in Österreich gibt es Schützenswertes das vernichtet wird. Stichwort Westumfahrung Linz

groover
04
14.5.2010, 15:35
daumen nach unten...

fuerTiere
07
12.5.2010, 18:59
gegen den Walfang !!!

Durch Jahrzehnte lang andauernden Walfang wurden viele Wal- und Delfinarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Auch heute sind diese faszinierenden Meeressäuger immer noch der Bejagung und zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Meeresverschmutzung, durch Boote und Unterwasserbohrungen verursachter Lärm, Verlust ihres Lebensraumes, Beifang in Fischnetzen und die globale Erwärmung, die unsere Meere verändert, sind einige der vom Menschen verursachten Bedrohungen.

er t
510
12.5.2010, 15:52
Irgendwie erbärmlich

Eine Zeitung die stets gegen Walfang, Gänseschoppen und den ganzen restlichen Schwachsinn wettert schafft es nicht ("auf den Lofoten ist nichts verboten" - selten so gelacht) Walfleisch aus der Kneipenkritik zu verbannen. Erst das Fressen, dann die Moral oder wie? Erbärmlich. Dieses Redaktionsversagen entzieht allen künftigen Artikeln jede Glaubwürdigkeit.

TanteMitzi
00
15.5.2010, 19:23

DerStandard ist halt nicht evangelisch sondern katholisch; hoppala.

Frankensteins Fekternich
00
12.5.2010, 14:03

Für alle Liebhaber von Wal-und Delfinfleisch.
http://derstandard.at/127137628... erbelastet

Martin Purtscher
13
12.5.2010, 13:18

müßte sich jetzt nicht greenpeace an herrn taschwer anketten oder so?

Lady_Gaga
 
113
12.5.2010, 12:50
Also warum man gerade

den Wal nicht essen soll, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Frankensteins Fekternich
14
14.5.2010, 16:29

Wenn Sie gaga sind, wird ihnen sehr vieles ein Geheimnis sein und für immer bleiben.

datenPunk
00
12.5.2010, 15:52

wei menschen nur andere säugetiere essen die ned "lieb dreinschaun" oder so ... wobei kühe .... keine ahnung.

der einzige grund wahle nicht zu essen ist wohl, dass sie vom aussterben bedroht sind. ansonsten gleiches recht für alle anderen :)

datenPunk
02
12.5.2010, 15:53

hab ich jetzt echt waHl gschrieben? oO

Frankensteins Fekternich
00
12.5.2010, 14:04
Michael B
07
12.5.2010, 13:39
Aus dem selben Grund, aus dem man wohl auch auf Pandabärfilet verzichten sollte...

Ludovico Settembrini
00
16.5.2010, 08:09

pandabaeren sind die nervigsten aller zoobewohner. mit ihrem fell machen sie unheimlich viel stimmung fuer ihr gehege, aber wenn man dort ist wird die fadesse unertraeglich.

gebt mir ein pandakotelett jetzt!

Lady_Gaga
 
83
12.5.2010, 13:48

Sind die giftig ? Weil wenn nicht, wüsste ich nicht, warum man nicht auch Pandabärenfilet essen sollte.

Beliar
07
12.5.2010, 16:43

sind sie ein troll oder wirklich so unbedarft?

Para Dox
211
12.5.2010, 11:27
Ich hätte auch öftes die Gelegenheit gehabt Walfleich zu essen,

z.B. in Island aber auch in Nord-Norwegen. So kindisch bin ich allerdings nicht, dass ich das jetzt unbedingt ausprobieren müsste.

Frankensteins Fekternich
510
12.5.2010, 12:21

Sie scheinen im Gegensatz zu Herrn Taschwer ein kluger, anständiger Mensch zu sein.
Ich halte Taschwer für einen komplexbeladenen Wichtigmacher.

florus flagrantius
05
12.5.2010, 22:07
wichtigmacher

wie fidler, holzer und konsorten.

standardabweichung
44
12.5.2010, 09:00

wir warten auf geschreibsel zur propagierung der anthropophagie, wie wärs mit nägelbeissen und rammelfresen herr fidler?

Knochenmann
72
12.5.2010, 06:31

Es gibt keine schlechten Wale, wenn sie richtig zubereitet sind.

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