Französischer General räumt Fehler während Völkermord ein

10. Mai 2010, 16:45
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"Wir konnten nicht schneller handeln, wir hätten den Tod französischer Soldaten riskiert"

Paris - Zu langsam, zu vorsichtig: Die französische Armee hat Fehler bei ihrem Einsatz während des Völkermords in Ruanda 1994 eingeräumt. "Wir konnten nicht schneller handeln, wir hätten den Tod französischer Soldaten riskiert", sagte der damalige Befehlshaber, General Jean-Claude Lafourcade, der Nachrichtenwebsite leparisien.fr am Montag.

Er wies jedoch Vorwürfe zurück, die französischen Soldaten hätten in der Region von Bisesero bewusst ein Massaker von Hunderten von Tutsis zugelassen ohne einzugreifen. "Wir wussten nicht genau, wer gegen wen vorgeht. Die Analyse brauchte Zeit. Währenddessen sind leider eine Reihe von Menschen getötet worden", sagte der General, der in diesen Tagen ein Buch mit seinen Erinnerungen veröffentlicht.

Lafourcade schließt nicht aus, dass trotz des UN-Embargos Waffen nach Ruanda geliefert worden seien. Das französische Militär sei aber nicht daran beteiligt gewesen. "Unsere ehemaligen Kameraden erwarteten, dass wir ihnen helfen, aber sie haben keinen Schuss Munition von uns bekommen", sagt Lafourcade über die ruandische Armee, die für das Massenmorden mitverantwortlich war. Damals waren innerhalb von drei Monaten 800.000 Menschen getötet wurden, die meisten von ihnen gehörten der Volksgruppe der Tutsi an. Ein Teil der ruandischen Offiziere war Anfang der 90er Jahre von den Franzosen ausgebildet worden. "Damals waren es aber noch keine Völkermörder", betont Lafourcade.

Die französische Justiz befasst sich seit fünf Jahren mit Vorwürfen von ruandischen Völkermord-Überlebenden gegen die französische Armee. "Bisher ist dabei nichts rausgekommen, und ich hoffe, der Prozess endet bald. Wir haben nichts zu befürchten", sagt Lafourcade. (APA/dpa)

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