Neulich im Internet

10. Mai 2010, 16:26
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Die Blumen des Bösen - Von Karl Fluch

Dass Wien zumindest bezüglich Niedertracht, Mieselsucht und Missgunst eine Stadt von Welt ist, bestätigte sich rund um das viertägige Popfest, das am Wochenende am Karlsplatz ausgetragen wurde.

An den zeitgenössischen Klagemauern, den Internet-Foren (auch des Standard), ließ sich das Ausmaß des Kleingeistigen in rarer Konzentration ablesen. Versteckt hinter Pseudonymen wurde fröhlich Sippenhaftung, Denunziation und Rufmord betrieben.

Einst als Indiz einer "Demokratisierung der Medien" schöngesprochen, sind Online-Foren zu den Stamm- und Tagebüchern pathologischer Raunzer und Nörgler verkommen. Das nimmt der gelernte Österreicher bei politischen Themen längst resigniert zur Kenntnis. Aber dass bei einem profanen Popfest, das nicht mehr will, als kurzfristig mit heimischem Pop für Unterhaltung zu sorgen, die Blumen des Bösen derart erblühen, verwunderte doch. Einerseits.

Andererseits war die Anonymität immer schon der bevorzugte Nährboden der Bösartigkeit. Das Odeur der dort treibenden Gewächse äußert sich heute eben auch medial. Die Tatsache, dass gut 40.000 Stadtbenutzer über das Popfest froh waren, soll aber nicht von jenen paar Dutzend Baumpinklern eingetrübt werden, die auch noch glauben, ihre Lackerln wären ernstzunehmende Kritik. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 11.05.2010)

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    foto: robert newald
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