Neuer Protest

Studierende verlassen Audimax

10. Mai 2010, 20:51
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/pumberger

    Audimax, 10.5.2010, 18.00 Uhr - Die Belegung hält nur kurz - man zieht weiter.

Räumungsandrohung durch Polizei - Davor wurde Rektorat "besetzt"

Am Nachmittag schwirrten die ersten Nachrichten durchs Netz: "Das Rektorat der Uni Wien ist besetzt", hieß es. Während ein Sprecher der AG Presse gegenüber derStandard.at von einer Besetzung durch rund 50 Personen sprach, bezeichnete die Pressesprecherin der Uni Wien Cornelia Blum in einer ersten Reaktion die Aktion als "Behinderung". Nicht die Büroräumlichkeiten an sich seien betroffen - so Blum -, lediglich den Gang davor belagerten die Studierenden. Dennoch: "Das Büro ist nicht voll nutzbar, das kann kein Dauerzustand sein", so Blum am Nachmittag gegenüber derStandard.at. Die Uni-Leitung versuchte die Studierenden dazu zu bewegen, die Räumlichkeiten zu verlassen. Man sei gerne zu einem Gespräch bereit, wenn auch an einem anderen Ort - so Blum am Nachmittag und stellte eine polizeiliche Räumung in den Raum.

Räumung der Campus-Aula grund für Proteste

Um dieser Räumung zuvor zu kommen, zogen die Studierenden - die Polizei hatte sich schon rund um sie aufgebaut - schließlich ab, und durch die Uni, um im Audimax ihr kurzfristiges Ziel zu finden. Die Studierenden, das ist jene Gruppe von Protestierenden, die sich im Herbst zur Unseruni/Unibrennt-Bewegung sammelte. Schon letzte Woche haben sich einige wenige versammelt um gegen die Zugangsbeschränkungen und die Studieneingangsphase Neu zu protestieren. Grund für die heutige erneute studentische Erregung war jedoch die Räumung des letzten Rückzugsort der Audimax-Besetzung des Wintersemesters, der Aula am Uni-Campus.

Am Wochende hatte die Uni Wien die Aula räumen lassen und die Schlösser ausgewechselt. Die Studierenden fühlen sich durch die Räumung vor vollendete Tatsachen gestellt. Primär sei die Aktion ein Zeichen gegen diese Räumung, so der Sprecher der AG Presse. Die Räumlichkeiten wurden sehrwohl von den Studierenden genutzt. Für Blum stellt sich die Lage anders dar. "Im Campus waren keine Leute mehr und es hat sich niemand verantwortlich gefühlt. Wir hatten keine andere Wahl."

So gegen 18.00 Uhr trafen die Studierenden schließlich im Audimax ein, verweilten jedoch nur kurz um während einer Publizistik-Vorlesung eine Verlautbarung zu verkünden. Die Senatsvorsitzende der Akademie der Bildenden Künste, Martina Pfingstl, rief dazu auf, das Audimax zu verlassen und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl direkt zu konfrontieren. Ein Teil der Studierenden machte sich daraufhin Richtung dritten Bezirk auf, wo die Wissenschaftsministerin im Zigarrenklub zum Thema Bachelor eine Rede hielt. Um einer polizeilichen Räumung vorweg zu kommen, wurde der Hörsaal für den Vorlesungsbetrieb frei gegeben, um danach erneut in den Hörsaal einzudringen. 

"Das Feuer ist wieder da"

Um ca. 19.30 Uhr wurde ein kurzes Plenum abgehalten, die Polizei drohte jedoch erneut mit der Räumung, die Studierenden berieten kurz ihre Vorgangsweise und zogen dann - begleitet von den Exekutivkräften - aus dem größten Hörsaal der Uni Wien. Laut AG Presse waren zu dem Zeitpunkt 250 Personen im Audimax. Ein Eingreifen der Polizei war schließlich nicht mehr notwendig, wie auch Cornelia Blum von der Uni Wien gegenüber derStandard.at bestätigte.

Die Studierenden zogen anschließend auf dem Ring, am Parlament vorbei Richtung Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz, wo sie in einem Plenum die weitere Schritte beraten wollen. Die Studierenden hoffen in den nächsten Tagen wieder mehr Leute für ihre Anliegen gewinnen zu können: "Es sieht so aus, als ob bald eine größere Protestwelle kommen wird. Das Feuer ist wieder da", so ein Sprecher der AG Presse gegenüber derStandard.at.

(seb, derStandard.at, 10. Mai 2010)

 

Link zum Livestream

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 351
1 2 3 4 5 6 7 8
Paul Palme
03
11.5.2010, 19:34
"Das Feuer ist wieder da"

Ich wünsche euch ganz viel "Kohle"!!!




Enteignet Dichand
01
11.5.2010, 19:50

benzin wäre besser

SiSe
12
11.5.2010, 19:29
Ist der HSD für Fr. BM Karl noch relevant?

Livestream der Diskussionsveranstaltung der AG Mittwoch mit Teilnehmern des Hochschuldialoges:
http://bit.ly/9PRUHT

Simpl vom Fach
110
11.5.2010, 14:46
Ich kenne einen Akademiker,

der ist über Fünfzig und hat in seinem Leben noch nie was rechtes gearbeitet, die einzige Steuer die er zahlt ist die Mehrwertsteuer für den täglichen Doppelliter und der gesellschaftliche Mehrwert dieses Individuums ist gleich Null.

damanwho
01
14.5.2010, 14:27
wow du kennst EINEN Akademiker?

rae spiegel
 
02
11.5.2010, 21:31
noch mal zur "rechten arbeit"

regelmäßige erwerbsarbeit ist in vielen berufen heute nicht mehr standard, ich arbeite bspw. als behindertenbetreuer, diese arbeit könnte zwar regelmäßig organisiert werden, aber wird sie nicht, so dass ich unregelmäßig arbeite.

auch bin ich mir nicht sicher, ob bspw. behindertenbetreuung in ihren augen einer gesellschaft schadet, oder einen wert verschafft (von mehrwert zu sprechen wäre ein kategorienfehler). sicherlich nicht wenn wir einen monetären maßstab ansetzen würden.

baroli
04
11.5.2010, 14:49

Simpler gehts wohl nicht mehr.
Was ist für sie eine "rechte Arbeit" ?
Holz hacken, mauern, Autos reparieren ?
Was ist denn ihr gesellschaftlicher Mehrwert ?
Deppert posten ?

Simpl vom Fach
41
11.5.2010, 15:47
Sie sind mutmaßlich auch einer dieser

oberklugen akademisch verbildeten, harmlose Mitposter rüde attackierenden Zeitgenossen, wenn ich mich nicht irre? Eine rechte Arbeit ist jede, wo man regelmäßig einer Erwerbstätigkeit nachgeht, ohne dass man der Gesellschaft damit schadet bzw. ihr auf der Tasche liegt, das ist bei der in Frage stehenden Person nicht der Fall, weshlab ich ihr jederlei gesellschaftlichen Mehrwert absprechen darf.

baroli
03
11.5.2010, 16:09

Wissen sie, wie viele Leute heutzutage gern einer Erwerbstätigkeit nachgingen, wenn eine für sie vorhanden wäre ?

Wie ist man akademisch verbildet ?

Ein harmloser Mitposter sind sie mit ihren unbedarften Pauschalierungen sicher nicht.
Vielleicht fragen sie sich einmal, ob es nicht Leute gibt, die saufen, weil sie Probleme physischer oder psychischer Art haben, von denen sie keine Ahnung haben, weil sie zu einfach gestrickt sind.

Simpl vom Fach
50
11.5.2010, 17:00
Warum greifen Sie mich so unflätig an?

Ich habe Ihnen nichts getan, kenne Sie auch nicht, möchte Sie auch nicht näher kennen lernen mit diesem Benehmen, aber warum einer säuft ist hier nicht das Thema und der in Frage stehende Akademiker hat auch schon in Zeiten der Vollbeschäftigung immer einen weiten Bogen von allem gemacht, was nach Arbeit roch, da kann doch ich nichts dafür?

Pingu
04
11.5.2010, 19:12

Wissen Sie, was Vollbeschäftigung bedeutet? (Wobei ich mich auch frage, wann wir die zum letzten Mal in Österreich hatten)
Und warum jemand säuft bzw. dass jemand säuft, ist sehr wohl von Belangen, wenn man ihm vorwirft, trotz Vollbeschäftigung, arbeitslos zu sein.

baroli
03
11.5.2010, 19:12

Wodurch fühlen sie sich unflätig angegriffen ?
Sie haben mich als oberklug, akademisch verbildet und rüde attackierend bezeichnet.
Wenn sie so angerührt sind, wenn es ihre Person betrifft, dann verhalten sie sich aber auch anderen gegenüber adäquat.
Halten sie sich mit Werturteilen besser zurück.
Kein Mensch will sie kennenlernen.

Gallo Way
14
11.5.2010, 15:53
Ich kenne einen Hackler,

der ist über Fünfzig und hat in seinem Leben noch nie was rechtes gearbeitet, die einzige Steuer die er zahlt ist die Mehrwertsteuer für den täglichen Doppelliter und der gesellschaftliche Mehrwert dieses Individuums ist gleich Null.

Quim Barreiros
00
11.5.2010, 19:15

So jemanden kenn ich auch. In den 90er-Jahren wurde in seiner Wohnung ein Film gedreht, wofür er ein bisschen mehr Geld bekam. Sonst lebt der seit den 80ern nur von Sozialhilfe.

Gallo Way
01
11.5.2010, 22:59

Geht doch auch super ohne Studium. Das verbildet bei solchen Vorhaben doch nur.

per verser
72
11.5.2010, 12:29

da geht nix mehr. basisdemokratie und angst vor politischem agieren waren die entscheidenden fehler, und jetzt ist der polizeiterror organisiert, fekters politische polizei arbeitet. die nächsten relevanten uni-proteste werden blutige sein, die chancen auf friedliche prozesse haben die basisdemokratInnen leider verschissen. die spö ist auch nicht unschuldig dabei. schade und bedauerlich.

per verser
01
12.5.2010, 10:36

an die rotstrichler: ich mag das auch nicht. aber der fektersche polizeiterror und die verschlagenheit des kriechers winckler lassen nichts anderes mehr möglich erscheinen. audimax-besetzungen sind wirklungslos, weil sie sofort unter großem polizeiaufgebot beendet werden - außer, es gehen wieder wirklich viele auf die straße, die uni muß berstend voll sein mit protestierenden studentInnen, massen müssen es sein. dann würde sich zeigen, was sache ist.

ich sage ja nicht, daß studentInnen gewalttätig werden sollen, nein, nur das nicht! ich behaupte: die gwalt ginge von der polizei aus, brutal und hemmungslos, auf fektersche weisung, die es liebt und nur darauf wartet, knüppeln zu lassen, siehe wkr-ball-demo. wir haben eine nazi-innenmnisterin

76
11.5.2010, 12:27
Was ich von den Protestierern am meisten gehört habe war immer nur das Gebrüll nach fremdem (Steuerzahler-)Geld, damit alle anderen den Studenten ihr Studium vollständig bis zum letzten Euro ausfinanzieren.

Die Demonstranten die am lautesten schreien (vor allem Studenten der Geschichte, Politik, Architektur, Publizistik,..) genießen eine teure und lange Ausbildung, die sie in die Arbeitslosigkeit führt oder in Jobs für die sie die Ausbildung nicht brauchen. Dann regen sie sich auf, dass sie trotz "Mag.rer.pol." prekäre Jobs annehmen müssen. Diese Absolventen schreien ihr Leben lang nur nur nach dem Geld anderer.
Als zB Publizistikstudent würde ich mich schämen, dass ich trotz aller Warnungen damit angefangen habe, damit ich einen billigen Magister bezahlt kriege, aber ganz sicher nicht auch noch auf der Straße nach fremdem Geld brüllen.

Pingu
00
11.5.2010, 16:52

Also meines Wissens nach existiert der Titel Mag. rer. pol. im deutschen Sprachraum gar nicht (zumindest in Österreich bin ich mir da sehr sicher).
Es gibt einen Dr. rer. pol. (offensichtlich allerdings nicht in Österreich) - Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften.

rae spiegel
 
23
11.5.2010, 14:40
nun, liebeR , studierende in ö leben und konsumieren in ö, sie zahlen daher ALLE ausnahmslos steuern.

zusätzlich: 62% aller studierenden arbeiten durchschnittlich 19,7 stunden pro woche und verdienen sich ihren lebensunterhalt damit selbst. auch hierüber zahlen studierende steuern, wie alle anderen hier lebenden, konsumierenden und arbeitenden menschen auch.

was wir verlangen, ist, dass unser aller geld nach unseren bedürfnissen eingesetzt wird. ja vielleicht sogar noch mehr. es ist ja sinnvoll für die ganze gesellschaft, wenn sich viele leute mit politik, geschichte, architektur,... beschäftigen, nicht?

stattdessen fließen wiedereinmal milliarden zur rettung der pleitegeier, die jedes jahr mit neuen krisen schockieren (..., bankenkrise, griechenland). dir ist vielleicht egal was mit (auch) deinem geld passiert, uns nicht!

Augenausstecher
 
06
11.5.2010, 13:22
den gti-rasern wird auch die straße vollständig, unentgeltlich und bis zum letzten euro ausfinanziert. was'n dat für ein argument, du?

Kantojyrsin
01
11.5.2010, 12:57

"vor allem Studenten der Geschichte, Politik, Architektur, Publizistik,.."
- Ich will Zahlen sehen. Behaupten kann jeder.

"Diese Absolventen schreien ihr Leben lang nur nur nach dem Geld anderer."
- *räusper* behaupten und so... Ich will Zahlen dazu sehen!

"billigen Magister"
- Ach, jetzt ist der Magister (sic!) wieder billig. Oder meinen Sie, in den GeWi (+ Architektur) lernt man eh nix?

120 Jahre Karl Schranz
12
11.5.2010, 14:13
"Ich will Zahlen sehen. Behaupten kann jeder."

die wirst du nicht bekommen, weil es natürlich keine erhebungen darüber gibt. aber wenn du bei den protesten anwesend warst und dir die initiatoren evtl sogar bekannt sind, wirst du einfach einsehen müssen dass dort die studien politologie, soziologie, ie, ethno etc weit überdurchschnittlich vertreten waren. das ist einfach ein faktum, und das sage ich als powi-student der durchaus gewisse sympathien mit den protesten hatte.

StandardMeinung
02
11.5.2010, 13:27

In der österreichischen Bildung(-politik) muss sich einiges ändern. Keine Frage. Aber wieso lässt sich die Bewegung immer auf diese Refinanzierungs-Diskussion ein?

Es entspricht auch meiner (subjektiven) Erfarung aus der Herbst-Besetzung, dass die (wahrscheinlichen) späteren Besser-Verdiener (Med, BWL, Technik, Naturwissenschaft) mehr als nur unterrepräsentiert waren.

Wieso behauptet man überhaupt "Akademiker würden generell die meisten Steuern zahlen" und demonstriert gleichzeitig gegen Prekarisierung? Etwas Differenzierung wär evtl. angebracht ...

Pingu
01
11.5.2010, 17:07

Also meine subjektive Erfahrung war, dass die Beteiligung von Studenten naturwissenschaftlicher Fächer sehr wohl gegeben war.
Wobei auch eine geringe Beteiligung dieser Studenten verständlich ist, wenn man bedenkt (oder zumindest denke ich das), dass Probleme am Bildungssystem dank der eher geringen Studentenzahlen dort als letztes auftreten werden.

Übrigens halte ich es für ein Gerücht, dass BWL Absolventen tolle Berufsaussichten haben (War nicht sogar vor ein paar Monaten ein Bericht im Standard, dass BWL die höchste Arbeitslosenquote der Akademiker hat + dem höchsten Zuwachs?).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 351
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.