Australische TV-Sendung will Kindern Ureinwohner-Sprache beibringen

10. Mai 2010, 15:33
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Produzenten richten sich gegen Vergessen der Aborigines-Sprachen

Eine Fernsehsendung soll australischen Kindern die Sprache der Ureinwohner näher bringen. Die Sendung "Waabiny Time" richtet sich nach Angaben der Produzenten an Drei- bis Sechsjährige, die dabei einfache Wörter der Sprache des Noongar-Volkes lernen können. Produzentin Cath Trimboli sagte am Montag, sie wolle mit der Sendung gegen das Verschwinden der Ureinwohner-Sprachen ankämpfen. Die Ausstrahlung der ersten Staffel "Waabiny Time" sei so erfolgreich gewesen, dass die halbstündigen Episoden nun wiederholt würden.

Bei Dreharbeiten war Trimboli aufgefallen, dass sich Ureinwohner-Kinder mit ihren Großeltern nicht in deren Sprache unterhielten. "Die Kinder werden nicht ermutigt, diese Sprache zu sprechen", sagte sie. Die Sprachen der Aborigines würden daher verschwinden. Von den einst 13 Dialekten der Noongar, deren Stammesgebiete rund um die Stadt Perth im Westen Australiens liegen, sind nach Angaben von Experten acht bereits ausgestorben.

Rettung der Sprachenvielfalt

John Hobson von der Universität Sydney sagte, die europäischen Siedler hätten die Aborigines oft gezwungen, auf Englisch zu sprechen. Die Ureinwohner-Sprachen hätten als "Sprachen des Teufels" gegolten, sagte er. Derzeit würden noch 60 Ureinwohner-Sprachen verwendet. Bei der Ankunft weißer Siedler Ende des 18. Jahrhunderts seien es noch rund 250 Sprachen mit bis zu 750 Dialekten gewesen.

In den vergangenen Jahren hatten die Bemühungen zugenommen, die Reste der Sprachenvielfalt der Aborigines zu retten. In einigen Gebieten des Landes eröffneten Schulen, in denen Kinder zweisprachig unterrichtet werden. Eine Fernsehsendung könne die bedrohten Sprachen der Ureinwohner nicht retten, sagte Hobson. Allerdings könne das Programm Aufmerksamkeit auf sie lenken.

Die Aborigines leben seit 40.000 Jahren auf dem australischen Kontinent, heute machen sie rund zwei Prozent der 22 Millionen Bewohner Australiens aus. Sie sind die ärmste Minderheit des riesigen Landes. Im Februar 2008 hatte sich Rudd als erster Regierungschef bei den Aborigines für das Unrecht entschuldigt, das ihnen während zwei Jahrhunderten weißer Siedlerherrschaft angetan wurde, und angekündigt, ihren Lebensstandard spürbar zu verbessern. (APA)

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