Genetische Grundlagen der Augenfarbe weiter eingekreist

10. Mai 2010, 14:55
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Niederländische Forscher untersuchten DNA-Daten von 6.000 Menschen - insgesamt bereits zehn Gen-Regionen identifiziert

Rotterdam - Die Bestimmung der Augenfarbe aus DNA-Material ist um einen Schritt weiter gekommen: Das berichten Genetiker der Erasmus Universität Rotterdam in den Niederlanden in der Fachzeitschrift "PLoS Genetics". "Wir konnten drei neue Regionen im Genom ermitteln, die für die Ausbildung der Augenfarbe zuständig sind", berichtet Studienleiter Manfred Kayser.

"Gemäß der heutigen Hypothese waren wir früher alle Afrikaner mit dunkler Augenfarbe. Durch genetische Veränderung haben sich diese zufällig aufgehellt, wahrscheinlich allein in Europa, und eine positive Auswahl bei der Partnerwahl bewirkte eine größere Häufigkeit von Menschen mit nicht-braunen Augenfarben allein in Europa und benachbarten Regionen, wie man heute beobachten kann. Vorteile für das Überleben in der Umwelt durch Augenfarbenvariabilität kennt man bisher nicht", erklärt Kayser. In der aktuellen Studie suchte man, welche Gene für die Augenfarbe den Ausschlag geben.

Die Untersuchung

Kayser und sein Team nutzten dazu hochauflösende digitale Augenphotos und genom-weite DNA-Daten von 6.000 Menschen in den Niederlanden. "Im Unterschied zu früheren Studien kategorisierten wir die Augenfarben nicht, sondern untersuchten das gesamte Augenfarbenspektrum vom hellsten Grau bis zum dunkelsten Braun. Dabei zeigten sich neben den sieben schon bekannten Genen drei weitere genomische Regionen, die bisher in Bezug auf Augenfarbe unbekannt waren."

Die nunmehr zehn bekannten Gen-Regionen können laut Kayser über 50 Prozent der Augenfarb-Variation erklären, der höchste Wert bei genetisch komplexer Merkmalen bisher. Die noch unbekannten Gene hätten weitere, jedoch erwartungsgemäß geringere Effekte. "Die Farberfassung war vielleicht noch immer nicht ausführlich genug. Zudem haben wir außer Acht gelassen, dass manche Erwachsene als Babys ihre Augenfarbe gewechselt haben. Jedoch können wir bereits heute schon einige Augenfarben mit über 90-prozentiger Sicherheit durch DNA-Analyse vorhersagen", so der Forscher.

Die kriminalistische Seite

Zählen die Ergebnisse auch zur Grundlagenforschung, liegen bestimmte Anwendungsgebiete nahe. "Von Bedeutung ist es überall, wo man mittels DNA-Analyse Vorhersagen zum Aussehen eines Menschen treffen möchte, wie etwa bei der Suche nach unbekannten Personen in der Forensik", so Kayser. Die genetische Bestimmung der Augenfarbe sei ein erster Annäherungspunkt, um das Aussehen eines Menschen genetisch vorherzusagen, und sei bereits verlässlicher als Augenzeugenberichte.

Bisher erlauben DNA-Spuren nur gruppenspezifische Auskünfte über einen Unbekannten. "Zu den bisher gut mittels DNA-Analyse bestimmbaren äußerlich-sichtbaren Merkmalen gehören das Geschlecht sowie die Farbe der Augen, vielleicht bald auch die der Haare und der Haut. Denkt man weiter, ist es theoretisch möglich, dass eines Tages gar das vollständige Gesicht mittels DNA-Information etwa aus einem Haar rekonstruiert werden kann", spekuliert der Genetiker.  (pte/red)

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    Relativ selten gibt es Menschen mit Iris-Heterochromie, also unterschiedlichen Augenfarben. Im Falle David Bowies handelt es sich einer weit verbreiteten Meinung zum Trotz hingegen um eine Anisokorie, eine unfallbedingte unterschiedlich große Pupillenweite.

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