Porno-Streit spaltet Wikipedia-Community

10. Mai 2010, 14:16
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Gründer Jimmy Wales versuchte Image-Schaden abzuwenden und geriet dabei selbst unter Beschuss

Hätte nicht ausgerechnet der US-Fernsehsender Fox die Geschichte aufgegriffen, wäre alles wohl halb so dramatisch verlaufen, berichtet heise.de.

In aller Kürze: Der bereits 2002 im Zwist aus dem Projekt ausgetretene Wikipedia-Mitbegründer Larry Sanger erklärte im April, die Wikimedia Foundation beim FBI angezeigt zu haben. Angeblich würde auf den Seiten des freien Nachschlagewerks bewusst kinderpornografische Inhalte verbreitet. Im Bewusstsein, dass sich Sanger auf historisches Material sowie Lolicon-Zeichnungen, die Kinder-Charaktere in erotischen Posen zeigen, bezieht, wähnt sich der WP-Betreiber Wikimedia in Sicherheit und erklärt, nicht gegen das Gesetz zu verstoßen und man sorge dafür, dass keine illegalen Inhalte veröffentlicht werden.

Schlammschlacht

Das FBI zeigt sich tatsächlich auch nicht interessiert am Fall, doch Fox News greift die Geschichte auf und tritt damit eine Lawine los. Um keinen Image-Schaden zu erleiden, nimmt sich Wikipedia-Gründer Jimmy Wales das Recht heraus einzugreifen und beginnt als Vorsichtsmaßnahme hunderte in Beschuss geratene Bilder zu löschen. Zwar kann er die drohende Schmutzkampagne damit noch abwenden, doch intern bringt er die Gemeinde zum Kochen. Die "zensurierten" Autoren beschweren sich über Wales rigides Vorgehen und fordern ein, dass er seine Privilegien als Gründungsmitglied zurücklegt. Eine entsprechende Petition wird von über 150 Wikipedianern unterstützt.

Am Sonntag war es dann soweit: Wales zog die Konsequenzen und erklärte einige seiner Sonderrechte abgetreten zu haben. In einer Entschuldigung betonte er, künftig nicht mehr derart einzugreifen. (zw)

Links

heise.de

  • Wikipedia verbreitet keine Kinderpornografie: Vorwürfe gegen die Enzyklopädie zurückgewiesen
    foto: derstandard.at/screenshot

    Wikipedia verbreitet keine Kinderpornografie: Vorwürfe gegen die Enzyklopädie zurückgewiesen

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