Lizenzverhandlungen zwischen YouTube und GEMA / AKM gescheitert

10. Mai 2010, 13:10

Musikrechteverwerter fordert "angemessene Vergütung" für Videos der von ihm vertretenen Künstler

Der Musikrechteverwerter GEMA hat die Verhandlungen mit Google um die Bezahlung von Musikvideos auf YouTube abgebrochen. Bereits Ende März 2009 war der Nutzungsvertrag ausgelaufen, woraufhin viele in der GEMA vertretenen Künstler keine Tantiemen mehr von YouTube erhielten. Beide Seiten versuchten daraufhin, in Verhandlungen eine neue Lösung zu finden. Auch die österreichische Verwertungsgesellschaft AKM schließt sich dem Fall an, wie es am Montag in einer Aussendung heißt. "Wir können und wollen nicht weiter tatenlos zusehen, wie das Repertoire unserer Mitglieder von und auf YouTube.de illegal zugänglich gemacht wird", so Gernot Graninger, Generaldirektor der AKM. Google zeigte sich unterdessen von der GEMA-Entscheidung "enttäuscht".

Die GEMA handelt bei dem Gesprächsabbruch im Verbund mit acht weiteren Verwertungsverbünden, neben der AKM unter anderem auch mit den US-Autorengesellschaften ASCAP, BMI und SESAYC sowie der französische SACEM. "Die Verhandlungen mit YouTube haben leider bisher nicht zu einem akzeptablen Ergebnis geführt", erklärte GEMA-Vorstandschef Harald Heker. Bei der Auseinandersetzung geht es um die Einnahmen aus der Vermarktung von Musik im Internet. Laut GEMA ist es das Ziel der Verhandlungen, eine "angemessene Vergütung der Urheber zu erreichen".

Enttäuschung

Google zeigte sich von der GEMA-Entscheidung "enttäuscht": "Je mehr Musik-Videos auf YouTube abgerufen werden und je populärer diese Musik-Videos werden, desto mehr Geld kann YouTube erwirtschaften, um es mit Verwertungsgesellschaften und den von ihnen vertretenen Songwritern zu teilen", erklärte Google. Man könne jedoch nicht erwarten, dass sich YouTube in ein Geschäft begebe, bei dem es jedes Mal, wenn ein Musikvideo abgerufen wird, Geld verliere. "Das ist einfach nicht nachhaltig."

Parallel zum Abbruch der Verhandlungen verschärfte das internationale Bündnis der Verwertungsgesellschaften den Ton gegenüber dem Internetportal. Es forderte YouTube auf, 600 ausgewählte Werke zu sperren, die das Unternehmen trotz des Auslaufens der Nutzungsverträge angeblich unrechtmäßig anbietet. Damit wolle die Allianz "ein Zeichen" setzen, dass es die "anhaltende illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke" durch YouTube nicht dulden werde, erklärte die GEMA.

Entfernen

Die Verwertungsgesellschaften könnten problemlos alle Werke der von ihnen vertretenen Künstler sofort entfernen lassen, teilte die GEMA weiter mit. Darauf werde "mit Blick auf die Bedürfnisse" der Fans derzeit aber noch verzichtet. Auch die Urheber selbst hätten ein Interesse an der Internetvermarktung ihrer Musik. Das eigentliche Ziel der Verwertungsgesellschaften sei es, die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken ohne entsprechende Vergütung zu beenden und zu einer Vereinbarung zu kommen, "die für beide Seiten annehmbar ist."

Nach eigenen Angaben vertritt das internationale Bündnis der GEMA und ihrer Partner 60 Prozent des weltweiten Musikrepertoires. Die GEMA repräsentiert eine Million Rechteinhaber aus aller Welt sowie 60.000 deutsche Komponisten, Autoren und Musikverleger. (APA)

Dr. Bitter
00
11.5.2010, 08:48

Seit Jahren hört man, dass das Internet den Musikschaffenden neue Möglichkeiten zum Geldverdienen bringen wird.
Das alte Modell - Musikindustrie, Verwertungsgesellschaften, Urheberrechte - habe ausgedient, das Internet ermögliche den KünstlerInnen den direkten Kontakt mit den Fans.

Dadurch werden sich neue Möglichkeiten ergeben, wie die MusikerInnen von ihrer Musik leben können.
Ich warte nun seit ca. 15 Jahren darauf, dass sich so etwas in dieser Richtung abspielt. Bis auf wenige Ausnahmen hat sich nichts abgespielt. Das Internet hat Musik in Gratis-Content verwandelt. Die KünstlerInnen bekommen NICHTS von den Milliarden, die Youtube, Google, Facebook usw. mit Gratis-Musik, Verschachern von Fan-Privatdaten und Werbung verdienen.

gustl
 
00
12.5.2010, 15:41
Na entschuldigung

Schon einmal eine Band gefunden die ihre eigenen Produktionen in einem eigenen Webshop zum Verkauf anbietet?

Logischerweise würde so eine Band irgendwie publicity brauchen, d.h. eines ihrer besten Werke müssten sie auf youtube UND in diverse P2P Netzwerke gratis einspeisen.

Nur leider findet man so etwas eher selten.
Meistens tun sich die Bands die was ins Internet stellen das Inkasso nicht an, oder sie gehen zu einem Independent Label, wo sie pro Download ein Entgelt bekommen. Die major Labels sind für die meisten Musikschaffenden kein Geschäft.

qu3ntin
01
10.5.2010, 17:41

youtube sollte a la google adsense direkt den künstlern einen kleinen betrag zahlen ( der noch realistischerweise einen gewinn für beide seiten über lässt) und auf die mafiösen verlagsstrukturen einfach preiffen. (geht natürlich aber nicht wegen der abgetretenen verwertungsrechte).

aber das wäre am fairsten. dem medium was, dem künstler was. wozu einen dritten? noch dazu einen dritten der üblicherweise am meisten absahnt... vollkommen unverständlich.

Unbekannter
00
10.5.2010, 18:45

Da geb ich dir recht!

l'apathie de la bourgeoisie
11
10.5.2010, 14:37

Die GEMA ist inzwischen eigentlich auch nur mehr ein ziemlich lachhafter Haufen.

Martin295
05
10.5.2010, 14:05

Wann kapieren die das:

Musik Videos sind Werbung, das heißt wenn ich ein gutes Musikvideo sehe,dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich es mir dann auch kaufe. Und ich habe schon viele Songs gekauft, die ich zuvor auf youtube gehört habe.

Eigentlich müsste die GEMA Google etwas zahlen und nicht umgekehrt, aber Hauptsache beschweren wenn der Umsatz zurückgeht...

1010001010001010010
00
10.5.2010, 19:09

google macht geld mit den werken anderer. das sei ihnen vergönnt. aber einen teil davon werden sie hergeben müssen. wo ist das problem dabei?

Theodor Schule
00
10.5.2010, 14:18

Wann kapieren die das:

Ein Urheber/Interpret sollte selber bestimmen dürfen, ob er seine Werke gratis hergibt.

Sie haben völlig Recht, für einen Künstler ist es ziemlich sicher kein Nachteil, wenn er auf YouTube erscheint.

Aber YouTube fährt teilweise die gleiche Strategie wie Google - um die Rechte der Betroffenen kümmert man sich im Nachhinein, lässt aber nie den Hinweis aus, dass es eh für alle super ist, wenn die Öffentlichkeit gratis Zugang zu dem Inhalt hat. Vor allem super ist es nämlich für YouTube, die unter dem Mantel der freien Kultur bzw Werbung einen Batzen Geld mit der Arbeit anderer verdienen.

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