Erotik im Prater, Kummer am Donaukanal

10. Mai 2010, 16:26
posten

Mit "Wien im Film - Stadtbilder aus 100 Jahren" zeigt das Wien Museum die Entwicklung der Hauptstadt im bewegten Bild - von der Stummfilmzeit bis heute

Monarchie, Walzer-Seligkeit und kleinbürgerliche Idylle: Zwar kommt man sich manchmal in Wien vor wie im falschen Film, doch die Stadt wirkt auch inspirierend auf das Kino. Nicht umsonst haben zahlreiche nationale und internationale Filmemacher die Hauptstadt als Kulisse für ihre Werke verwendet. Das Wien Museum zeigt ab 26. Mai mit der Ausstellung "Wien im Film. Stadtbilder aus 100 Jahren" Sequenzen aus rund 80 Spielfilmen, die Bilder der Stadt enthalten - von der Stummfilmzeit bis heute.

Der Bogen der gezeigten Filmausschnitte spannt sich von "Die freudlose Gasse" von G. W. Pabst aus dem Jahr 1925 über "Wiener Blut" von Willi Forst aus 1942 und dem Klassiker "The Third Man" von Carol Reed aus 1949 bis hin zu "Before Sunrise" von Richard Linklater aus 1995. Dabei wird auch die Veränderung des Stadtbildes offensichtlich. Stadtbilder aus Spielfilmen seien ganz wichtige Zeugnisse, gerade für eine Stadt wie Wien, deren Image sich vor allem aus Medienbildern und Klischees entwickelt hat, sagt Direktor Wolfgang Kos.

Zur Zeit des Kalten Krieges wurde die noch geteilte Trümmerstadt zum Schauplatz düsterer Spionagethriller. Waren einst die Paläste und Gassen von Alt-Wien beliebte Kulissen, so ist heute die Peripherie topografisches Leitmotiv. Seit 1970 sind es vornehmlich österreichische Produktionen, in denen Wien neu ins Blickfeld kommt. Vor allem soziale Schattierungen, wie etwa in Barbara Alberts "Nordrand" (1999) werden hervorgehoben.

Stranger than Fiction

Dabei muss Wien nicht immer Wien sein. Denn während Filme mit geringerem Produktionsbudget im Stadtraum gedreht werden und damit dessen schwer kontrollierbaren Effekten ausgesetzt sind, baut das "reiche Kino" in den Studios die Stadt nach. Dabei wird mit der Topografie freizügig umgegangen: Tatsächlich entfernte Orte werden aneinander montiert, eine Stadt zu einer anderen gemacht. So dienten Städte wie Moskau, Bratislava oder Paris als Kulisse für Szenen, die eigentlich in Wien angesiedelt sein sollen.

Verliebt, verlobt, verzweifelt

Es gibt Orte in Wien, die das Kino immer wieder aufsucht, um Gefühle und Stimmungen widerzuspiegeln: Auf den Kahlenberg pilgern die Liebenden, die mit dem Blick über die Stadt auch in die Zukunft blicken, im Prater lernt man sich kennen und gibt sich dem erotischen Spiel hin. Verzweifelte und Lebensmüde finden Zuflucht im unübersichtlichen Terrain des Donaukanals. Das Kino der Avantgarde räumte schließlich unbeeindruckt Wien-Klischees beiseite.

Kino unter Sternen

Das "Kino unter Sternen" zeigt zwischen 2. und 25. Juli am Karlsplatz zahlreiche Wien-Filme, die größtenteils auch in der Ausstellung vorkommen. Während der Laufzeit der Ausstellung wird im Atrium des Wien Museum Karlsplatz eine Auswahl an Filmplakaten aus der Sammlung der Wienbibliothek gezeigt. (jus, derStandard.at, 10. Mai 2010)

Wien im Film - Stadtbilder aus 100 Jahren

Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien
Ausstellungsdauer: 27. Mai bis 19. September
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 10.00 bis 18.00 Uhr
www.wienmuseum.at

  • Artikelbild
    foto: wien museum
Share if you care.