Regierung will einheitliche Matura auch für Berufsbildende Schulen

10. Mai 2010, 11:46

Ausweitung der Sprachförderkurse - Modulsystem für Abendschulen

Wien - Demonstrative Einigkeit streichen SPÖ und ÖVP derzeit in der Schulpolitik hervor: Seite an Seite präsentierten am Montag Unterrichtsministerin Claudia Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bei einer Pressekonferenz die Gesetzesnovellen des ersten Halbjahres, die vor dem Sommer im Parlament beschlossen werden sollen. Schmied betonte, in Schulfragen "Schritt für Schritt" vorgehen zu wollen, Amon meinte, dass man "Dinge sehr pragmatisch angehen muss, wenn man weiterkommen will".

"Herzstück" der neuen Gesetzesvorhaben ist die neue teilzentrale BHS-Matura, die sich an der bereits im Vorjahr beschlossenen neuen AHS-Matura orientiert. Ab dem Schuljahr 2014/15 soll die schriftliche Reifeprüfung auch an den BHS am gleichen Tag abgehalten werden, in den Fächern Deutsch, Mathematik und lebende Fremdsprache gibt es einheitliche Aufgaben. Außerdem müssen alle BHS-Maturanten im Vorfeld eine "Diplomarbeit" schreiben. Im Frühling 2015 werden damit erstmals alle 45.000 AHS- bzw. BHS-Maturanten am gleichen Tag ihre schriftliche Reifeprüfung absolvieren.

Ausweitung der Sprachförderung

Außerdem werden die derzeit auf Pflichtschulen sowie Berufsschulen und berufsbildende mittlere Schulen beschränkten Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler auf die AHS-Unterstufe ausgeweitet sowie insgesamt um zwei Jahre verlängert. An den Abendschulen wird darüber hinaus in den kommenden beiden Schuljahren ein Modulsystem eingeführt. An den Pädagogischen Hochschulen soll die Nachqualifizierung von Absolventen der Pädagogischen Akademien erleichtert und ein Datenverbund eingeführt werden.

Bei der neuen Matura werde es vermutlich noch zu einer "sozialpartnerschaftlichen Abstimmung" kommen müssen, so Amon. So verlangt etwa die Gewerkschaft die Abgeltung des Mehraufwands für die Betreuung der nunmehr verpflichtenden vorwissenschaftlichen Abschlussarbeiten bzw. Diplomarbeiten. Aber auch hier sei "der politische Wille klar". Schmied kündigte dazu Gespräche mit den Dienstnehmer-Vertretern an. Bei diesen werde sie aber auch die Arbeitsentlastung für die Lehrer durch die zentrale Vorgabe der Fragen einbringen.

"Vertrauensverhältnis aufgebaut"

Kritik aus dem Finanzministerium an den möglichen überbordenden Kosten für die neue Matura wiesen Schmied und Amon zurück. Der Entwurf sei mit dem Finanzministerium abgestimmt, so Schmied. "Möglicherweise ist beim einen oder anderen die Information nicht angekommen." Auch Amon will sich davon "nicht allzu sehr beirren lassen".

Generell sieht Schmied "ein Vertrauensverhältnis aufgebaut". Auch bei der Frage der ganztägigen Schulangebote "passt kein Blatt Papier zwischen uns". Dieses werde angebotsorientiert ausgebaut. Einzig beim ÖAAB-Vorschlag einer ganztägigen Verpflichtung zum Schulbesuch für Kinder, die zu schlecht Deutsch sprechen, zeigte sich Schmied skeptisch: Sie sei für ganztägige Angebote, halte aber nicht von einer strafweisen Verpflichtung einzig für Kinder mit Sprachdefiziten. Auch hier assistierte aber Ex-ÖAAB-Generalsekretär Amon: Diese Entscheidung solle am besten am Standort getroffen werden - es sei immerhin ein Unterschied, ob zwei Kinder oder eine ganze Klasse Sprachprobleme haben. (APA)

 

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21 Postings
ride my pimp
02
12.5.2010, 08:13

nicht einmal mehr einen deutschaufsatz zur matura, aber eine "diplomarbeit" (ich lach' mich tot).

heute heißt ein aufsatz schon diplomarbeit,
eine seminararbeit heißt bacc.-arbeit
eine diplomarbeit heißt diss.
und eine diss. heißt habil.

ein studienabbrecher heißt bacc.
die pädak heißt hochschule
die uni ist verschult

wohin denn noch?

Gallo Way
01
12.5.2010, 16:57

Ja und mit nem Volksschulabschluss bist Akademiker. Das fördert die Quote. *hust* Verwässerung des Bildungssystems *hust* Volksverdummung *hust*

ride my pimp
00
12.5.2010, 08:11

interne tests haben ergeben, dass an den gymnasien bereits die sechstklässler die neue englischmatura spielend schaffen - na, wozu dann noch bis zur achten zur schule gehen.

geht man halt zu einem institut und legt die pseudomatura schon früher ab, so mit 16 und erspart sich die leidig-sinnlos-lange schulzeit

ride my pimp
00
12.5.2010, 08:10
Leseverständnis der Kronen-Zeitung als Basis für die Deutschmatura

es wird leichter, es wird billiger, soviel ist fix.

die frage ist nur, wie billig es die matura in hinkunft geben wird.

meine these: sie ist ohnehin kaum noch etwas wert.

wenn jetzt die verschiedenen schultypen, die zT ordentlich auf Berufe vorbereiten wie HTL, HAK usw. auch noch verwässert werden, und das gymnasium zusätzlich entwertet wird, indem die humanistischen inhalte auf das niveau der anderen schultypen heruntergebrochen werden, was denn dann?

die krönung wäre, dass die berufrsreifeprüfung als maßstab dient -

man hat ja schon angekündigt, den maturaaufsatz (deutsch) auch abschaffen zu wollen. dann braucht man nicht einmal mehr schreiben zu können.

ein bisschen krone-lesen und man hat die matua.

ride my pimp
00
12.5.2010, 08:00
amon und schmied müssen weg

genau. schert ruhig alles über einen kamm, ohne rücksicht auf verluste.

schenkt weiterhin die berufsreifeprüfung als pseudomatura her
und macht die deutschmatura an den htl gleich schwer wie jene an den humanistischen gymnasien.

das ist garantiert ein schritt nach vorn (wo der abgrund lauert)

a-ch
00
11.5.2010, 19:34
the future looks bright

Wenn sich die BHS-Matura an der AHS orientieren soll, müsste das z.B. heißen: mehr Englisch-Stunden. Die kündigen sich aber nicht einmal leise an, weil eh klar: Die Lobbys anderer Fächer mauern. Lehrer mit Matura-Fächern wurden schon beim famosen "Erfolg" der Gewerkschaft (Abwehr der Schmied'schen 2-Stunden-Idee) zur Kasse gebeten (Stichwort Prüfungsgebühren). Dazu passt, dass jetzt die zeitintensive Betreuung von Diplomarbeiten mit der Erstellung von Prüfungsangaben (schriftlich eine einzige pro Klasse!) aufgerechnet werden soll. Und dass das Niveau der Diplomarbeiten sinken wird, ist bei der Devise "Masse statt Klasse" auch klar.

ride my pimp
00
12.5.2010, 08:16

die nunmehr obligate fachbereichsarbeit als diplomarbeit zu bezeichnen, ist ein hohn für zigtausende österr. magistri, die via diplomarbeit ihren akademischen grad erlangt haben.

metalwoman
00
11.5.2010, 18:01

Wenn jeder Maturant eine Diplomarbeit schreiben muss, bedeutet das noch mehr Stress im letzten Schuljahr und zwar für Schüler und Lehrer. Die Arbeiten müssen ja schließlich auch betreut werden...
Es ist zu befürchten, dass das Niveau der Diplomarbeiten absinkt und die Themen auch nicht mehr so aufregend sind.

metalwoman
00
11.5.2010, 17:57

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn die BHS auf ein einheitliches Niveau gebracht werden sollen. Dann gäbe es auch auf den Unis nicht mehr das Problem mit den unterschiedlichen Vorkenntnissen, wo die Leute Probleme kriegen, die nicht die richtige Schule als Vorbildung besucht haben.
Die Lehrinhalte in Deutsch und Englisch sollten eigentlich in allen BHS annähernd gleich sein. Die größten Probleme wird es meines Erachtens in Mathe geben. Wenn man das Niveau von HTL und BAKIP unter einen Hut bringen soll, dann gute Nacht...
Außerdem wird gar nicht an allen Schulen in Mathe schriftlich maturiert. Oder führen wir das jetzt eben schnell mal ein?

Doper
00
11.5.2010, 09:58
Diese Zentralisierung greift viel zu kurz.

Die Bildungsabschlüsse gehören mindestens EU-weit, wenn nicht weltweit einheitlich geregelt. Ideal wäre ein kosmosweit gültiges Bildungsabschlussgesetz. Sonst kommen wieder irgendwelche Aliens daher, die eine eigene Bildungssuppe kochen.

Arnold Layne
00
10.5.2010, 22:10
Ich wünsch' mir viel mehr Zentralverwaltung!

Chat long
00
10.5.2010, 16:30
Same time, same station?

An den AHS findet ja derzeit schon in den lebenden Fremdsprachen der Probelauf für die "Teilzentrale Matura" statt. So wird der Hörverständnisteil zentral gestellt.
Heute wurde in OÖ die schriftliche Englisch-Matura abgehalten. Es würde mich interessieren, ob wirklich HEUTE an ALLEN AHS ÖSTERREICHS die Englisch-Matura mit IDENTEM HÖRTEXT veranstaltet wurde. Denn das kündigt man - nun auch für die BHS - ja an: in ganz Österreich am gleichen Tag die gleiche Aufgabenstellung.

Dante Alighieri
00
10.5.2010, 16:02

Eine gute Idee. Wird auch für etwas mehr Realismus bzgl. der Qualität unterschiedlicher Schultypen sorgen. Früher oder später wird das natürlich zu einem NC führen, sonst wäre der große Aufwand die Matura vergleichbarer zu gestalten ja irgendwie sinnlos.

Gallo Way
00
10.5.2010, 17:24

Ja klar führts zum Numerus Clausus. Ich frag mich halt wie die das vergleichen wollen. Was hilfts wenn AHS und BHS total unterschiedliche Lehrpläne haben. Ich mein wennst hypothetisch auf einer BHS eine höhere Stressbelastung und andere Fächerhäufigkeiten hast dann spiegeln sich die tatsächlichen Leistungen wieder nicht in den Noten ab. A Gack is des...

Ich gebs zu
04
10.5.2010, 18:47
Derzeit wird hinter hermetisch verschlossenen Türen ein einheitlicher

Lehrplan für alle BHS zusammengestoppelt.

Die Zentralmatura der AHS wird ja einfach nur auf die BHS umgebogen, d. h. ein wenig eingeschränkt, weil das Stundenvolumen in den allgemeinbildenden Fächern ja normalerweise geringer ist.

Das Problem ist meines Erachtens die völlige Zentralisierung der Vorbereitung. Da basteln ausgesuchte Kapazunder (die bestkontrollierten Köpfe) einen Einheitslehrplan, von dem nicht auszuschließen ist, dass er ein Einheizlehrplan wird.

Aber man soll ja nicht pessimistisch sein.

Gallo Way
00
10.5.2010, 20:44

Bezüglich den aktuellen Unbildungsverschlimmbesserungen kann man auch ein wenig paranoid sein. Das wird wohl eher ein Verheizlehrplan. Entweder wird alles so leicht dass es fast jeder schafft oder die Selektion wird ungenau und sehr unflexibel.

Ich gebs zu
02
11.5.2010, 09:35
Wie absurd die derzeitige Situation ist,

sieht man auch an einem stiefmütterlich behandelten zweiten Thema: Während eine Expertenkommission den eigenen Entwurf für eine neue Lehrerausbildung zum zweiten Mal präsentiert und in allerlei Interviews gleich selbst bejubelt, überholt die Realität jeden einzelnen der euphorischen Stehsätze.

Da die Hälfte aller aktiven Lehrer zwischen 2012 und 2025 in Pension gehen wird, müsste jeder Jahrgang an PH und Uni 4500 geeignete Lehrer ausstoßen, noch dazu mit den jeweils erforderlichen Fächerkombinationen.

Das ist natürlich illusorisch.

Da kann ja nur noch ein totaler Realitätsverweigerer von "strenger Selektion, Eignungsprüfung" etc. träumen.

17+4
03
10.5.2010, 15:57
Man sollte besser die 150 Ausbildungen der HTL

minimieren und nicht auf die Einheitsmatura übergehen.
Da kommt dann das Problem, dass nur mehr auf die Matura hin Unterrichtet wird und nicht angepasst an die Fähigkeiten der Schüler.
Ein pädagogischer Rückschritt, so wie der Bologniaquatsch.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
11
10.5.2010, 13:32
>>Amon meinte, dass man "Dinge sehr pragmatisch angehen muss..<<


Soll ich jetzt lachen oder doch weinen?

Pragmatisch?
Wir haben schon alles so durchkommerzialisiert und pragmatisch gestaltet, dass wir und unsere Kinder fast schon daran ersticken.

Und der Herr will uns noch mehr Pragmatik als Fortschritt verkaufen.

Frei nach dem Motto: Unser Haus brennt! Also gießen wir noch Öl ins Feuer, dann wird es uns bestimmt wärmer.


(Mal ehrlich: Ich seh' schwarz, wenn wir fortfahren, Amons, Hahns und ähnliche Kommerzministranten als Politiker einzusetzen).

Tethys
00
10.5.2010, 15:37

Sie gehen mit keinem einzigen Wort auf den Inhalt des Artikels ein.

Zu sachbezogener Kritik nicht fähig?

srinivasa
01
10.5.2010, 14:37

entweder ich verstehe Ihr Posting nicht oder Sie haben Probleme mit dem Begriff "pragmatisch".

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