Aufschrei

"Facebook gerät außer Kontrolle": Zeit sich zu wehren

Zsolt Wilhelm, 10. Mai 2010, 11:36

Wired fordert Nutzer auf, die Kontrolle über ihre Daten und deren Vermarktung einzufordern

Facebook stillt in vieler Hinsicht unser Bedürfnis nach Mitteilung. Fotos werden mit Freunden getauscht, mal kurz, mal länger gechattet oder die neuesten Erlebnisse in Statusmeldungen an die Bekanntschaft posaunt. Doch mit den Jahren sind die kommunikationsbedürftigen Netzwerker zunehmend zu Exhibitionisten geworden. In manch einem Anwender mögen diese Wesenszüge schon zuvor verankert gewesen sein, die Allgemeinheit dürfte ihre Intimitäten aber unfreiwillig an die Öffentlichkeit gewandt haben. Der Grund: Der Betreiber des größten sozialen Netzwerks mit rund 500 Millionen registrierten Nutzern veränderte mit Hilfe hochbezahlter Privacy-Experten schrittweise die Rahmenbedingungen der netzweiten Tratscherei, um aus einfachen Usern vermarktbare Zielgruppen zu machen. In einer Aufforderung nach Veränderung mit dem Titel "Facebook’s Gone Rogue" plädiert das US-Magazin Wired innezuhalten, nachzudenken und sich gegen das außer Kontrolle geratene System zu wehren.

Like the whole world

Tatsächlich wäre es technisch gar nicht so aufwändig ein neues soziales Netzwerk nach den Bedürfnissen der Nutzer auf die Beine zu stellen. Ein offenes, frei von kommerziellen Intentionen betriebenes Facebook nach dem Vorbild eines Wikipedia würde mit einem Schlag alles ändern. Doch wie realistisch ist es wohl, 500 Millionen Nutzer zum Übersiedeln zu bewegen? Wireds Aufschrei zielt daher mehr darauf ab, die Facebooker wachzurütteln. Seit Anfang des Jahres allein haben die Betreiber wesentliche Änderungen an den Datenschutzbestimmungen vorgenommen, welche die virtuelle Identität transparenter und damit vermarktbarer machen. 

Einige der Informationen, die ein Nutzerprofil beinhaltet, werden nun automatisch öffentlich gemacht. Das betrifft Ihren Namen, Ihren Wohnort, Ihr Profilfoto, die Namen Ihrer Freunde und die Seiten, denen Sie beigetreten sind. Seit April wurden die öffentlich einsehbaren Daten noch um Ihre bevorzugten Web-Inhalte erweitert. Über die "Like"-Funktion, die seit einem Monat auf zahlreichen Internetseiten zu finden ist, kann man bequem und rasch Artikel, Produkte oder andere Web-Inhalte markieren und mit der Facebook-Gemeinschaft teilen. Doch dabei bleibt es nicht. Dinge, die sie "mögen", erscheinen auch direkt auf dem öffentlich einsehbaren Profil. Die somit immer detaillierter gemeißelte Identität kann genauso von Werbetreibenden wie von Vorgesetzten oder Unbekannten eingesehen werden.

Undurchschaubar

Das Gegenargument der Betreiber lautet nach wie vor, dass man viele dieser Details mit den Datenschutzeinstellungen von Facebook verstecken kann. Wer jedoch schon einmal einen Blick in weit besser versteckten Menüs des Netzwerks geworfen hat, erhält recht rasch den Eindruck, dass die Damen und Herren rund um Mitbegründer Mark Zuckerberg gar nicht so sehr daran interessiert sind, dass Sie Ihr Online-Ich verschleiern. Wired kommentiert zynisch, man müsse einen "Master in Facebook" haben, um in diesem Privacy-Dschungel durchzublicken.

Würde Facebook wollen, dass Sie ihre Daten schützen, wäre dies alles andere als kompliziert. Vorgefertigte Einstellungen, wie "Ich will meine Daten nur mit Freunden teilen" oder "Ich will mein Profil mit der Öffentlichkeit teilen", könnten das Privacy-Chaos mit einem Schlag schlichten.

Kampf den Aufmüpfigen

Anstelle dessen setzen Facebooks Rechtsexperten alles in Bewegung, um den Nutzern die Kontrolle über deren Daten zu nehmen. Dienste wie die Web 2.0 Suicide Machine, die es ermöglichte sämtliche persönliche Daten aus Netzwerken wieder herauszulöschen, wurden abgestellt. Andere Unternehmen, die es erlauben die von Netzwerken gesammelten Daten einzusehen, werden verklagt, berichtet Wired.

Ein Blick hinter die Kulissen der Datenkrake mache daher eher nachdenklich als zuversichtlich. 14 Datenschutz-Gruppen haben bei der US-Wettbewerbsbehörde FTC bereits Beschwerden gegen Facebook eingereicht. Weit wichtiger wäre es jedoch, dass die Nutzer sich nicht jede Datenschutzänderung gefallen zu lassen. Der nächste Schritt wird sein, dass Facebook automatisch persönliche Daten an Dritte - "überprüfte Partner" - weitergibt. Die Frage ist, wer stärker ist: Das Netzwerk oder seine User. (zw)

Links

Wired

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Posting 1 bis 25 von 361
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dieDenker.org/oberdenker
00
26.5.2010, 11:04
Der neueste Facebook-Clou (*grrr*)

Man wird nun offensichtlich (wie gewohnt auf ziemlich unverständliche und aufdringliche Weise) vor die Wahl gestellt, ob man Profilinfos wie Lieblingsbücher völlig öffentlich macht oder löscht (!). Und das, nachdem Facebook in den Medien eben erst wieder für wenig Rücksicht auf die Privatsphäre kritisiert wurde und Zuckerberg oder wie er heißt Besserung versprochen hat...

Aurora17
00
17.5.2010, 09:47
Persönlichkeitsspaltung

ich hab mittlerweile gezählte 9 webidentitäten zu verschiedenen Zwecken, eine davon für FB und FV (schäm) shopping ist dort nicht mein Thema - eigentlich nirgends, meine Fotos für die family sind auf Koday easy share gallery; den Aufwand wird sich wohl niemand antun daraus schlau zu werden - ich auch nicht ;-)

Wolfi-WA
00
16.5.2010, 22:43

Der Tag an dem es kein Facebook mehr gibt wird gefeiert, Leute ihr werdet das merken!

2feet2go
02
14.5.2010, 00:12
Es geht hoffentlich auch wieder besser

Diaspora
=eine Art "neues facebook"!
Ich denke die sind da 'onto something'. Wenn man sich so umhört reden schon viele Menschen 'warum macht niemand ein neues soziales Netzwerk?' Vielleicht ist es soweit?

http://www.nytimes.com/2010/05/1... tml?src=tp
http://www.kickstarter.com/projects/... -all-distr

MfG,
NoFeet2Go

Therimon
02
14.5.2010, 21:19
Oder direkt bei den Jungs:

http://www.joindiaspora.com/

Bulkhead
112
11.5.2010, 17:15
Die Wahrheit

...liegt wie so oft in der Mitte. Keine Sicherungsmechanismen ersetzen einen verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Daten und ein Risiko gibt es immer. Man kann das Profil für alle offen lassen, intime Daten eingeben, ein 1234 Passwort wählen und im Krankenstand posten, dass man jetzt mal ins Freibad geht - oder man geht eben mit einer gewissen Vernunft an die Sache heran. Letzendlich muss man sich ja auch nicht bei FB anmelden. Wenn man allerdings gegen alles ist wo es ein Risiko im Zusammenhang mit Daten gibt sollte man am Besten kein Telefon, keine Meldeadresse, keine Versicherung, keine Bankomatkarte usw. besitzen - wie heisst es so schön zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Hirnnutzung kann Abhilfe schaffen.

grog
 
11
12.5.2010, 17:06
Stimmt genau

Letztendlich entscheidet jeder selbst, welche Netzwerke er benutzt. Was soll das ganze Gejammer. Und wenn jemandem sonst nichts einfällt, wie er mit seiner Familie über Distanz Kontakt halten kann, dann gute Nacht. Man kann auch anrufen, skypen, Photos per mail schicken, oder sich (man glaubt es kaum) im Wirtshaus treffen.

rasi r.
 
01
16.5.2010, 09:51
Meine daten

werden offensichtlich weitergegeben, ohne das ich bei FB bin. Die auforderungen beizutreten, die ich an meine mailadresse bekomme, sind mit infos über andere bekannte befüllt! Was sagt man dazu?

Otto S.
00
16.5.2010, 17:25
Natürlich

Viele lassen FB ja auf ihre Mailadressen vollständig zugreifen. Somit haben die Adressen von nicht angemeldeten und können genauso Verknüpfungen zu Mitgliedern herstellen.

Ich habe meinen Account jetzt jedenfalls gelöscht. Ist ja doch zu 90% Bulls***...

Jerry Garcia
 
01
16.5.2010, 14:11
Sehr bald wird es ganz einfach sein,

jemanden, der weder Mitglied bei Facebook ist und sich auch von Google fern hält, nur über die Informationen Dritter (Freunde, Handy, weitergegebene Kundendaten, usw.) persönlich einzugrenzen.
Sogar den Aufenthaltsort! (Freunde mit Googlehandy)

Hartmut Rücker
11
11.5.2010, 16:59

Bin ein absoluter FB-Gegner. Sehe meine Freunde lieber persönlich und tausche so Neuigkeiten aus. Aber die heutige Jugend scheint ja viel mehr im Netz herumzuhängen, als aus dem Haus zu gehen und real persons zu treffen!

little django
 
02
12.5.2010, 08:22

tja, ich auch. nur ist ein teil meiner familie nicht im lande. ich kann nicht jedes wochenende mit der ganzen familie dorthin fliegen um mal einen kaffee zu trinken. wir können uns das nicht mal einmal im jahr für alle leisten.
und so können wir ganz einfach kontakt halten, die fotos sind jederzeit für die familie abzurufen usw. ebenso meine kinder, deren vater ausgewandert ist. so kann er teilhaben wann er zeit hat, ohne rücksicht auf eventuelle mailboxbeschränkungen.

´s hat also nicht nur mit jugend zu tun, sondern auch mit einer angenehmen, einfachen form der kommunikation mit leuten die man eben nicht so einfach mal am wochenende besuchen kann, die einem aber trotzdem viel wert sein können.

Jerry Garcia
 
00
16.5.2010, 14:14
Dann wäre ein Wechsel zu Diaspora (neues soziales Netz, siehe oben)

wenigstens zu erwägen.
Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

stj911.org physics911.net
00
19.5.2010, 17:48

Scherzkeks, das gibt es nur noch nicht ...

Jerry Garcia
 
00
21.5.2010, 08:38
Aber bald

WunzelPunzel
06
11.5.2010, 19:51

"Diese heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird nie wieder so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten. (Babylonischer Kulturkritiker vor 5000 Jahren)"

o+
02
16.5.2010, 16:02

Mit der letzten Prophezeiung hatte er jedenfalls recht.

silurus g
01
11.5.2010, 19:11

Gebe ihnen komplett recht! Dummerweise sind die Flugpreise seit dem Vulkanausbruch so gestiegen dass es mir mittlerweile finanziell schwer fällt morgen eine Freundin in Minnesota, übermorgen Kumpels in Schweden und nächste Woche sehr liebe Freunde in Pushkar zu besuchen. Nein für manche Sachen ist Facebook schon ok....

aenema_lateralis
 
10
12.5.2010, 07:15
hm

sind sie eine werbung eines bestimmten telekommunikationsunternehmens?

WunzelPunzel
00
11.5.2010, 14:47
ein klick weit

mag sein dass u.a. iser recht haben und fb ein spiegel der heutigen zeit ist. mit aller kritik daran.
tatsache ist imho, facbook trifft den zeitgeist mit dem nagel auf den kopf.

aber: das mit der datenprivacy stört eigentlich alle fb-user. ein fb-substitute, wie im artikel oben erwähnt, wär für mich nur einen klick weit entfernt.!!!

Gefrierflügelverpacker
01
11.5.2010, 14:34

Facebook ist ein Spiegel der heutigen, digitalen und "fortschrittlichen" Zivilisation: oberflächlich und voll mit Informationen, die nur der Information willen bestehen und wo sich plötzlich alle einbilden, unbedingt auch Zugang haben zu müssen, zu diesen ganzen Informationen.

Die Versäumnisangst der Menschen brachte FB nun zig Millionen Kunden, und dieses Potential wird natürlich von diversen Unternehmen angezapft, schließlich geht es nicht um Inhalte, sondern darum, dass der Mensch noch mehr kauft, dass sich also zusammenfassend das Hamsterrad weiter dreht in dieser oberflächlichen Informationsgesellschaft.

hassel the hoff
15
11.5.2010, 14:47

Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen. (Aristoteles, gr. Philosoph, 384-322 v. Chr.)

DownTheLine
01
11.5.2010, 15:17

Die "schlimme Jugend" gibts sogar schon länger. Hab vor ein paar Jahren einen ägyptischen Text (3000-4000 Jahre alt) gelesen in dem ein alter Priester die Disziplinlosigkeit der Jugend beklagt.

jeffk
08
11.5.2010, 15:12

und?
er hatte e recht wenn man sich die griechen derzeit so anschaut

hassel the hoff
00
11.5.2010, 15:30

das hab ich mir beim posten eh auch gedacht :)

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