"Schutzschirm" von EU und IWF

Kursfeuerwerk folgt Rettungsschirm

Thomas Mayer, 10. Mai 2010 19:19
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Österreichs Anteil beträgt 12,5 Milliarden - EZB bereit zum Kauf von Staatsanleihen

Der 750 Milliarden Euro umfassende Rettungsring der Union und des Internationalen Währungsfonds, der in der Nacht auf Montag in Brüssel beschlossen wurde, hat ein Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten ausgelöst. In Europa notierten die wichtigsten Titel - gemessen am Leitindex Euro-Stoxx-50 - knapp zehn Prozent im Plus. Der Wiener ATX schloss um 9,1 Prozent höher.

Für große Erleichterung sorgte das Hilfspaket in hochverschuldeten Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal, wo die Verzinsung von Staatsanleihen in der letzten Woche sprunghaft angestiegen ist: Die Renditen, an denen die Kosten der Finanzierung gemessen werden, gaben deutlich nach. Nur kurz währte hingegen die Erholung des Euro, der zunächst um fast drei Prozent auf knapp 1,31 Dollar zulegte, dann aber den Gewinn wieder abgab.

***

Brüssel - Es ist 2.15 Uhr in der Nacht auf Montag, als Finanzminister Josef Pröll einen Presseraum im Brüsseler Ministerratsgebäude betritt, um die Einigung auf ein 750 Milliarden Euro schweres Hilfspaket zur Absicherung der Währungsunion zu erläutern. In Asien haben die ersten Börsen bereits geöffnet. Das ursprüngliche Ziel, rechtzeitig ein "starkes Signal" gegen die andauernde Spekulation der Märkte gegen die Eurozone zu setzen, bevor der Handel nach dem Wochenende wieder losgeht, hatten die 27 EU-Finanzminister also bereits verfehlt.

Eine Beruhigung des "Wolfsrudels" der Spekulanten, die die Schwächsten zu Tode hetzen, wie Schwedens Anders Borg sagte, hatten die Staats- und Regierungschefs ihnen aufgetragen.

Doch Pröll konnte Entwarnung geben: "Die Einigung heißt: Es werden bis zu 500 Milliarden Euro zusammengestellt: 60 Milliarden im EU-Finanzrahmen, 440 Milliarden durch Garantien der Eurostaaten. Letzteres "war der härteste Punkt". Etwas später stellte sich heraus, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) zusätzlich 250 Milliarden Euro bereitstellt.

Hinter den sachsprachlichen Ausführungen verbarg sich freilich ein bis dahin gut gehütetes Geheimnis: Die Krisensitzung hätte kurz davor beinahe in einer Katastrophe geendet. Erst im letzten Augenblick hatte Deutschland eingelenkt. Das mächtigste Euroland, ohne das keine substantielle Hilfsaktion möglich ist, war zuvor mit einem eigenen Vorschlag gescheitert. Eine Kerngruppe der kleinen Euroländer mit Slowenien, Belgien, Slowakei oder Luxemburg hatte sich dagegengestemmt. Auch Österreich. Das "Berliner Modell", das Kanzlerin Angela Merkel mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zusammengestellt hatte, hätte für die Kleinen einen explosionsartigen Anstieg der Staatsverschuldung bedeutet.

Die 440 Milliarden Euro hätten - im Notfall - in Form von bilateralen Krediten aufgebracht werden sollen. Allein Österreich hätte also budgetär Vorkehrungen treffen müssen, in eigenem Namen fast 13 Milliarden Euro Kredit aufnehmen zu können. Durch das Veto drohte für zwei bange Stunden das große Scheitern.

Aber davon konnte die Öffentlichkeit nicht Notiz nehmen. Aus dem gut abgeschirmten Sitzungssaal drangen bis zuletzt nur wenige gesicherte Informationen durch. Das Treffen hatte zunächst mit 30 Minuten Verspätung um 15.30 Uhr begonnen, weil die EU-Kommission mit ihrem Vorschlag noch nicht fertig war.

Dieser sah vor, dass sie selber aus EU-Budgetreserven einen neuen Topf für eine Zahlungsbilanzhilfe auch für Eurostaaten einrichtet, so wie er für EU-Länder außerhalb der Währungsunion existiert. 60 Milliarden sollte er umfassen - was am Ende auch akzeptiert wurde.

Durch Garantien der EU-Staaten wollte die Kommission aber auch in die Lage versetzt werden, auf den Märkten insgesamt bis zu 600 Milliarden an Hilfskrediten aufzutreiben. Der Vorschlag wurde nicht alt. Der deutsche Staatssekretär Jörg Asmussen sagte kategorisch Nein dazu.

Niemals würde Deutschland zustimmen, dass eine solche Summe gemeinschaftlich verwaltet würde. Das wären genau jene "Eurobonds", die Paris seit jeher will, und die im Land der früheren starken D-Mark gefürchtet waren.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Sitzung bereits Böses ahnen lassen. Finanzminister Wolfgang Schäuble, Zentralfigur im Krisenmanagement, musste nach einem Schwächeanfall dringend ins Spital eingeliefert werden. An seiner Stelle musste nun erst einmal Innenminister Thomas de Maizière eingeflogen werden. Gegen 22 Uhr überraschte de Maizière die kleinen Euro-Partner mit dem deutschen Vorschlag von bilateralen Krediten. Österreicher, Slowenen, Belgier, Luxemburger sind geschockt. "Das war inakzeptabel", schildert Pröll später diesen Moment, "wir könnten uns eine solche Neuverschuldung nicht leisten. Da hat es eine klare Aussprache gegeben".

Keine Mätzchen mehr

Die Euro-Experten suchen nach Alternativen, ersinnen eine Kompromisslösung: Die 440 Milliarden Kredit sollen weder von der Kommission noch bilateral von den Staaten direkt aufgenommen werden, sondern von einem Dritten, einer "Zweckgesellschaft", die das Geld für Kredite im Notfall von den Märkten aufnimmt. Die Euro-Staaten liefern die nötige Garantie.

"Es war da am Schluss eine Stimmung, wo alle wussten, dass man jetzt keine Mätzchen mehr machen kann", resümierte Pröll Montag erleichtert: Kredit oder Garantie - dazwischen lagen Montagnacht ganze Eurowelten. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2010)

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Posting 1 bis 25 von 1409
silver steel
12.05.2010 15:23
kann mir bitte jemand...

nochmal die vorteile der währungsunion erklären. ich habs noch immer nicht begriffen.

dumpf in erinnerung ist mir geblieben, dass ich keine lira mehr wechseln brauche im italien urlaub...

Blauer Himmel
 
11.05.2010 10:13
Russischer Präsident hält Weltkrieg für möglich

Offtopic ABER unbedingt ansehen!!!


Medwedew spricht von einem Weltkrieg:

http://franchiseeverybody.blogspot.com/2010/05/r... g-fur.html


MfG

Mostbluzza
11.05.2010 10:29
das tun sie alle,

der biden und viele mehr.

die "grossen" kennen die zusammenhänge, die geschichte und projezieren diese erkenntnisse in die zukunft. zu recht. zumal sie am knopf dafür sitzen.

und wir basteln am friedensprojekt, der solidarität und versuchen das alles zu "kaufen". wenns schief geht, das tolle eu-projekt, gilt dann der umkehrschluss?

winedoctor
11.05.2010 09:36
wer hat pröll ermächtigt ...

... österreich einfach noch tiefer zu verschulden? entspricht sein vorgehen irgendwelchen bestehenden verträgen? oder steht in unserer verfassung, dass der finanzminister nach eigenem gutdünken das österreichische volk im alleingang enteignen darf?

ich erwarte mir, dass ein mathematisch möglicher ausweg aus der zinsen- neuverschuldungskrise, die seit dem zweiten weltkrieg absehbar ist, von unserem finanzminister für österreich und für europa gesucht und vorbereitet wird. europa soll ein langfristiges friedensprojekt sein, da ist ein geldsystem, das nach 70 jahren systematisch aus dem ruder läuft, ungeeignet. da hilft auch keine propaganda gegen pigs, spekulanten oder ratingagenturen

proteus
11.05.2010 13:58
Wer Pröll ermächtigt Österreich noch tiefer zu verschulden?

Das österreichische Parlament mit seiner SPÖVP-Mehrheit. Wer eine Partei wählt, die das 15 Milliarden-Geschenk unterstützt, darf sich nicht aufregen!

Altered States
 
11.05.2010 10:06
Geldsystem

Dem heutigen Geldsystem ist Dysfunktionalität inhärent.
Wir müssen weg vom Konzept der Vermögens-und Kreditverzinsung, that's it...

Peter Pichler
 
11.05.2010 14:53
stimmt schon...

... wir müssen vom Schuldgeld/Zinssystem wegkommen...

Das Thema ist nicht ganz einfach... Was ist die Miete auf ein Haus, ein Auto oder eine Paar Ski... das wird auch Zins genannt und ist eine Form der Vermögensverzinsung...

Man kann Zinsen nicht per Gesetzt abschaffen... (fast alle Kulturen haben das mit religiösen Verboten versucht, sind dabei aber gescheitert, was logisch ist).

Man muss das Wesen des Geldes verändern, indem man es mit einer regelmäsigen Gebühr belegt. Wenn man diese Gebühr am Zinsnivau orientiert, dann bekommt man so die Zinsen auf Kredite weg. (die GläuberIn will nur den selben Betrag zurück... und erspart sich dadurch die Umlaufsicherungsgebühr).

Stern von Brokot
11.05.2010 09:31
Es ist offensichtlich, der "rechte" Weg hat

Europa in den Orkus geführt...

natoll
11.05.2010 09:29

das heisst nicht ernüchterung sondern schnelles geld mitnehmen.

solinger
11.05.2010 09:23

ich kanns schon nicht mehr hören!

Mostbluzza
11.05.2010 09:21
es wird offensichtlich, was läuft

jedermann mit hausverstand hätte unsere staatsmilliarden den öst. banken gegeben, sprich ihre GR anleihen abgekauft, mit abschlag. dann hätten die GR weniger schulden, die öst. banken wären "befreit". so lief es ja nicht, weil beides passieren muss ... der betrug wird offensichtlich.

gestern kaufte die ÖNB den öst. für eine weitere Mia deren GR Staatsanleihen. d.h. wir bailouten jetzt - nach den GR Krediten - unsere Banken, via ÖNB.

ergo, wir retten zuerst die EU-Länder, dann zusätzlich die Banken. wenn unsere 3 topbanken keine mia verlust verkraften in GR bzw. länger auf das geld warten, dann ist schicht im schacht.
Nowotny:
"Der Kauf erfolgt aus dem ganz normalen Veranlagungsbudget der Nationalbank.

Sie gehört ja den banken.

Der Alte vom Berge
11.05.2010 12:32
Traumhaft,...

...ein Blankoschek winkt Obendrein, da ja seit 09.05.10 sämtliche EUR-Staaten über die Garantie verfügen nicht "Pleite" gehen zu Können.

Der Finanzkomplex sowie die Mitesser aus der Politik sind nun in der Lage Staatsanleien mit Wert von kaltem Affenkot käuflich zu Erwerben, wie die EZB es Vorspringt, ja Aufzukaufen, ohne jedes Risiko.
Umso höher die Zinsen, um so Besser, denn die Schuld wird ja Garantiert Beglichen.

Auf Kosten der Steuerzahler.

Die EZB hat den letzten Strohalm mit dem Kauf von Schrottanleien bereits Ergriffen,während die Politik die "Krise" als Naturereigniss bezeichnet,Versäumnisse wie kriminelle Handlungen diverser PIIGS Regierungen als Naturkatastrophe Darstellt.

Von Gesammtschulden kein Sterbenswörtchen.^^

Altered States
 
11.05.2010 09:19
Bourdieu

Es ist höchste Zeit, die Voraussetzungen für den kollektiven Entwurf einer sozialen Utopie zu schaffen.

Mostbluzza
11.05.2010 09:13
athen holt sich die erste tranche

ca. 18 mrd euro aus dem reichen nordwesten.

wohl 8 mrd für die fällige refinanzierung und 10 mrd für die griechischen banken, die klamm sind.

let it flow.

wenn sich die lage nochmal anspannt (immomarkt, geldmarkt, interbanken) bzw. nicht entspannt, fliessen die hunderten milliarden fast so schnell, wie die zocker ihre limits und orders eingeben.

oder sie ziehen weiter nach GB, die holen sich euro-hilfe, solange der pott noch gefüllt ist. die ersten hilfesucher werden ja noch bedient ... die letzten (die nettozahler) beissen die hunde.

roemsi
11.05.2010 09:05

Schließt Griechenland aus der Währungsunion aus. Sie haben bewusst betrogen um die Kritärien zu erfüllen.
Weiters verstehe ich natürlich den unmut der griech. Bevölkerung, nur sie haben ihre Regierung, die Vertreter des Volkes, demokratisch gewählt.
Warum müssen, für einen absichtlichen Betrug, die anderen EU Länder jetzt herhalten? Es ist doch festgelegt, wenn ein Land die Auflagen für den Euro nicht erfüllt, dass sie aus der Währungsunion ausgeschlossen werden können.

Ich seh da nicht mehr durch.

MoltoBene
11.05.2010 09:01
Die Börsen als Lebewesen

Wenn er diverse Zeitungen nicht nur heute liest, müßte ein Außerirdischer der erstmals die Erde betritt glauben, daß die Börse ein sensibles, schützenswertes Lebewesen ist. Die Börse freut sich, die Börse dankt es, die Börse ist schockiert, sie wacht in Asien auf und alle Politiker im Westen müssen sie schnell vorher mit viel Geld füttern, sonst ist sie böse. Allein die verwendete Sprache zeigt die Perversion die hier läuft. Geld ist nicht mehr nur Mittel zum Zweck, ja es ist mehr als ein zentrales Gut - es lebt!!

M.Honeybee
11.05.2010 09:35

Börse als Tamagotchi für Politiker?;-)

etepetete
11.05.2010 11:17
Nur beschei$t das Tamagotchi und Kräftig.

Es beißt uns die Finger ab, und ist im Stande uns zu ruinieren.
Also sowas hätt ich mir nicht gekauft.

Sinfioetli
11.05.2010 09:22

Geld ist im Kapitalismus nicht Mittel zum Zweck, es ist Endzweck...

ÖVP su:cks
11.05.2010 08:59
bin echt frohhhhh

das die verantwortlichen politiker, manager, finanzspekulierer, geldvernichter....
gerettet werden u. sie weiterhin großkopfig herumlaufen können in ihren mafia-anzügen

Der Alte vom Berge
11.05.2010 08:58
Politik und Finanzkomplex...

...plündern Hand in Hand Europa. ^^

Mostbluzza
11.05.2010 09:45
wo das system funktioniert

dank starker freiheiten (im sinne des echten liberalismus) zeigt die schweiz. nirgends sonst, sind die banken so mächtig, die politiker so frei und die politik so demkratisch.

aber die eu hat einen vorteil, einen wirklichen:

Eine EG-Bewilligung ist eine B-Bewilligung für Personen mit der Staatsangehörigkeit eines EU-Landes. Sie ist in erster Instanz 5 Jahre gültig und verleiht viele Rechte, die eine B-Bewilligung nicht bietet. Es dürfen z. B. Ihr Ehepartner und finanziell von Ihnen abhängige Vorfahren und Nachkommen (Kinder, Eltern, Großeltern, Neffen, Nichten, Urenkel usw.) bei Ihnen leben, Sie dürfen uneingeschränkt Immobilien in der Schweiz kaufen, genießen Freizügigkeit in der Schweiz, können selbstständig erwerbstätig werden usw.

Der Alte vom Berge
11.05.2010 12:22
Worauf...

...wollen`s Hinaus ? °°

Der Alte vom Berge
11.05.2010 08:57
Die Politik,...

...Verantwortlich für das Desaster,tritt auf als Retter der Gewinner.

Ähnlich der "Krise" Ende der 80er, damals gingen mehr als 1000 US-Banken pleite, eine Treuhandgesellschaft wurde vom Staat gegründet um all ihre schlechten Wertpapiere Auszulagern. Heute als „Bad Bank“ Bekannt.

Mitte der 90er wurde diese Treuhandgesellschaft mit gigantischen Gewinn für die USA Abgewickelt.

Ähnliche Abläufe zeigt die Geschichte Schwedens. Im Zuge der Bankenkrise Ende der 90er wurden alle bis auf EINE schwedische Bank Verstaatlicht.

Mit der Reprivatisierung in den 1990er-Jahren wurden Unsimmen Ausgehoben, wieder hiessen die Gewinner Staat und Banken.

"Krisen" sind keine Naturereignisse.

Spekulation wurde durch die Politik Ermöglicht. ^^

Der Alte vom Berge
11.05.2010 09:00
Die Menschen des "Westens"...

...werden Betrogen.

Die Welt wie sie ist, wird Verheimlicht.

^^

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