Eine Meisterschaft für den Mittelstand

9. Mai 2010, 21:05

Ein Monat dem Anpfiff der Fußball-WM nehmen Proteste in den Armensiedlungen zu - Machtkampf im ANC

Am "Soccer Friday" geht es in Südafrika besonders ausgelassen zu, die Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft hat im Endspurt vor dem Weltereignis zugenommen: Freitags tragen Angestellte der Banken knallgrüne und gelbe Fußballtrikots mit der Aufschrift: "Ke Nako - Es ist Zeit". Fernsehmoderatoren streifen gern ein solches T-Shirt über, auch Kellner und Parkwächter, oft zur Unterstützung der Nationalmannschaft "Bafana Bafana". An vielen Auto-Antennen wedelt die Nationalflagge in Kleinformat. Hatten sich Fifa-Funktionäre noch vor Monaten über einen Mangel an Fußball-Atmosphäre beklagt - jetzt ist sie da. Und damit die Gelegenheit, Südafrika von seiner besten Seite zu präsentieren.

Präsident Jakob Zuma preist die Weltmeisterschaft als einzige, großartige Möglichkeit, der Welt die Vielfalt und das Potenzial der Nation und des gesamten Kontinents zu bieten. Danny Jordaan, Chef des einheimischen Organisationskomitees, vergleicht die Zeit sogar mit dem Ende der Apartheid, als Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft freigelassen wurde. Auch damals habe Südafrika allen Skeptikern zum Trotz der Welt einen friedlichen Übergang in die Demokratie vorgeführt.

Aber die Frage ist schon lange nicht mehr, ob Südafrika das sportliche Weltereignis stemmen wird und damit weltweit Beachtung erhält - sondern was danach kommt. Südafrika hat für die Verbesserung der Infrastruktur im Land viel Geld ausgegeben, laut Kritikern mehr, als sich ein Entwicklungsland erlauben kann. Präsident Zuma beteuert, die WM werde wirtschaftlichen Profit bringen, fast 66.000 direkte Arbeitsplätze schaffen und einen Betrag zum Bruttosozialprodukt von fast fünf Milliarden Rand (knapp 500 Mio. Euro) leisten.

Doch eine klare politische Vision für Südafrika scheint er nicht zu haben. Mehr und mehr soziale Proteste zeigen den Frust in den armen Schwarzensiedlungen, die Menschen machen ihrem Unmut über die schlechten Lebensumstände Luft - oftmals mit Gewalt. Sie wollen ihre Regierung in die Verantwortung nehmen, von der WM werden sie nicht profitieren. Die soziale Schere klafft auseinander. Trotz guter Ticketverkäufe in Südafrika in den vergangenen Wochen bleibt die WM für die Armen unerreichbar, sie werden höchstens in den Fanparks das Ereignis feiern können.

Zuma hat bisher nicht mit klaren Worten auf die Proteste in den Townships reagiert. Stattdessen debattiert die Regierungspartei ANC eine mögliche Verstaatlichung der Minenindustrie. Zudem steckte Südafrika immer noch in der schwersten Rezession seit 20 Jahren.

Empörung über Hetzreden

Julius Malema, der radikale Präsident der ANC-Jugendliga, hat die Atmosphäre zusätzlich angeheizt. Das Singen des alten Kampfliedes Kill the Boer (Tötet den Farmer) sollte Stimmung machen bei seinen Auftritten, doch die weiße Organisation "Afriforum" zog mit Erfolg vor Gericht: Hetzreden verstoßen gegen die Verfassung des modernen Südafrika. Aber auch ANC-Führer sind über Malema verärgert. Mit seinen Kommentaren nach dem Mord am weißen Rechtsextremisten Eugene Terreblanche - etwa mit dem Lob über die Enteignungspolitik Simbabwes - bringe er die Partei in Verruf, so die Kritik.

Zuma, der sein Amt auch dem Lobbying der ANC-Jugendliga verdankt, erklärte, nicht er, sondern der ANC sei für die Disziplinierung Malemas verantwortlich. Ein solches Verfahren hat der ANC jetzt eingeleitet. "Das Ausmaß der Bestrafung von Malema hängt davon ab, wie einflussreich seine Befürworter in den oberen Strukturen des ANC sind", meint die politische Kommentatorin Mohau Pheko.

Prince Mashele vom Zentrum für Politische Studien in Johannesburg erläutert: "Malema verkörpert die Interessen der Nationalisten im ANC, sie unterstützen ihn und drücken damit ihre Interessen durch - auch wenn sie hier und da mit seiner provokativen Art nicht einverstanden sind." Damit geht es in Südafrika kurz vor der WM politisch schon längst um die Positionierung der verschiedenen Flügel innerhalb des ANC, rechtzeitig zur Nationalkonferenz im Jahre 2012. (Martina Schwikowski aus Johannesburg/DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2010)

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10 Postings
WM wird kaum positive Wirtschaftseffekte entfalten

Der Weltfußballverband und dessen oberste Führung sind sehr optimistisch eingestellt, zumal die WM in erster Linie ein kommerzielles Projekt des Verbandes ist. Soziale Aspekte sind und waren vor allem in der Vergangenheit bei den Aktivitäten der FIFA in Südafrika eher nebensächlich. Auch wenn die südafrikanische Regierung durch die WM einen fiskalischen Gewinn für sich zu erkennen sieht.

Interessant ist jedoch die Tatsache, dass Volkswirte - wie z.B. Prof. Männing der Uni Hamburg - wenige positive Effekte der WM auf Südafrika erwarten. Man spricht hier vom sog. Bilbao-Effekt.

Für weitere Infos siehe das Südafrika-Portal unter
http://2010sdafrika.wordpress.com/

zur grafik oben

ähm, aber woher hat die APA/derStandard (Autoren Julia Raabe und Peter Frey) diese informationen in der grafik??????????

ziemlich schwach, 2 poster weiter unten haben auch schon fehler erwähnt

mein einwand:
der zweite burenkrieg war 1899 bis 1902, nicht wie in der grafik erwähnt 1880/81, da war nämlich der erste, nicht 1834! habt ihr wohl eine zeile überflogen!

die ersten freien wahlen (für alle) waren auch gleichzeit die wahl, nach der mandela präsident wurde, und diese wahl war 1994, nicht 1989/90, in der DeKlerk gewählt wurde (inder und "farbig" durften wählen, nicht aber "schwarze")

usw usf

ei ei

Ein Monat dem Anpfiff der Fußball-WM nehmen Proteste zu

hä? was soll das heißen? "-en" "vor" fehlen Dir? :-(

es ist natürlich nicht okay, wenn einer "kill the boer" singt.

andererseits fällt auf, dass die frau redakteurin kein einziges wort darüber verliert, dass erst kürzlich ein waffenarsenal der südafrikanischen nazis und apartheid-fans entdeckt wurde. die nazis wurden also zum glück noch rechtzeitig dabei ertappt, bevor sie terror für die herrenrasse machen konnten. insofern unterstelle ich der frau redakteurin einseitigkeit, da sie sich nur für schwarzen aber nicht für weissen rassismus interessiert. wahrscheinlich singen die südafrikanischen nazis statt "kill the boer" lieber "kill the poor" von den dead kennedys - aber vorsicht! man darf die dk nicht beim wort nehmen, die dead kennedys haben sehr radikale texte, nur meinen sie nicht alles so wie sie es sagen!

http://www.youtube.com/watch?v=_ORKLaozFzo

korrigiere mich wenn ich falsch liege, aber das waren 5 personen, die in diesem zusammenhang festgenommen wurden!!! die nazi-deppen in südafrika haben keine chance und werden auch nicht von den weissen akzeptiert, auch nicht die rednecks vom AWB!

wäre malema nicht, wäre die AWB sang und klanglos untergegangen, aber dann hätte malema wiederum einen politischen feind weniger, und OHNE politische feinde kommt halt keine nationalistische partei aus, weil dann müßte man sich ja mit sich selbst beschäftigen und würde draufkommen, wie dumm man nicht ist! ist halt wie bei uns!

Diesen Fund sollte man aber auch nicht ueberbewerten. Jede Gang in Alexandria oder Googuletu, die etwas auf sich haelt, ist 10x besser bewaffnet, als die von Ihnen erwaehnten Halblustigen.

Zur Grafik: "1961: Ende der Apartheit". Aber sicher nicht!

Verteilung der Sprachen

stimmt auch nicht....

What aboult learning English?

Wie kommen Sie darauf, dass Wort Boer in "Kill the Boer" als Farmer bzw. Bauer zu übersetzen?

Das heißt Bure. Der Komplette Titel des Liedes heißt "Kill the Boer, kill the Farmer".

Der erste Teil ist aber rassistisch motiviert gegen die niederländisch stämmige Bevölkerung gerichtet.

Weil "Boer" nunmal Bauer heisst. Und dass die Buren niederlaendischstaemmig sind ist auch nur zum Teil wahr. Die groesste Gruppe der Buren waren deutschen Ursprungs. Dann Hollaender, aber auch eine Menge franzoesischer Hugenotten und Belgier und sogar Englaender. Hollaendisch (bzw. das spaeter daraus entstandene Afrikaans) sprachen und sprechen die Afrikaaner deshalb, weil das Kap hollaendische Kolonie war vor den Briten.

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