Das Schlusspünktchen einer Ära

9. Mai 2010, 19:40
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Als letzte Uraufführung seiner Direktion bringt Ioan Holender "Pünktchen und Anton" von Iván Eröd ins Kinderopernzelt

... und übt sich mit einer kleinen Rolle in Selbstpersiflage.

Wien - Ob der begnadete Selbstdarsteller Ioan Holender endgültig danach süchtig geworden ist, aktiv Bühnenluft zu schnuppern, wird sich erst nach Ende seiner Direktionszeit zeigen. Auch ob ihn sein Nachfolger Dominique Meyer engagieren wird, wenn ab September die letzte Uraufführung der ablaufenden Ära wiederaufgenommen wird, ist noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Dass der Altdirektor dann mit seiner Talkshow bei ATV ausgelastet sein wird, ist allerdings anzuzweifeln. Was als Netrebkos Kutscher und furchtloser Couplet-Sänger beim Opernball begann, hat nun jedenfalls einen Höhepunkt gefunden: Sein letztes Auftragswerk, Iván Eröds Kinderoper Pünktchen und Anton, beinhaltete ein Geschenk für den Hausherrn - die Rolle des Vaters der Heldin aus Erich Kästners klassenkämpferischem Kinderbuch.

Direktor als Direktor

Wie könnte es anders sein: Holender spielt vor allem sich selbst, indem er diesen Herrn Pogge gibt. Die Pointe, dass er als solcher seine Gattin (Ildikó Raimondi) nur widerwillig in die Oper begleitet, lebt von der originellen Besetzung durch den Direktor mit dem Direktor als "Direktor", zu dem der Eisenbahnminister der Vorlage im raffinierten Libretto von Thomas Höft kurzerhand mutiert.

Entweder hat Holender bei der Uraufführung am Samstag gnadenlos improvisiert - oder das Stück wurde mit etlichen Originalzitaten versehen: Was dabei herauskam, war jedenfalls für die Erwachsenen eine amüsante Selbstpersiflage, sodass er mit einer recht schonungslosen sängerischen und darstellerischen Flucht nach vorn unbestreitbar zum Star des Vormittags wurde.

Durchwegs beste Sänger umgeben ihn dabei, unter anderem Daniela Fally und Roxana Constantinescu sowie ein bis in die Nebenrollen hinein prominent besetztes Ensemble. Regisseur Matthias Stegmann zeigt die klug verknappte Geschichte kindgerecht, kurzweilig, mitunter auch so drastisch, dass die Kleineren wohl ein paar Fragen an die Eltern haben werden.

Iván Eröd hat eine eingängige, beschwingte, mitunter melancholische Musik geschrieben, die das Bühnenorchester der Staatsoper und Dirigent Friedrich Pfeiffer mit spürbarer Lust umsetzten - und er hat listig Zitate quer durch die Musikgeschichte eingeflochten, von denen der Seufzer aus der Fledermaus von Holenders Kinderoperngattin mit Abstand am meisten Lacher erntete: "Wenn er nur nicht singen würde! Die Stimme macht mich wahnsinnig!" (Daniel Ender / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5.2010)

 

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    Der Star des Vormittags: Direktor Ioan Holender (li.) spielt vor allem recht schonungslos sich selbst und quält damit Kinderoperngattin Ildikó Raimondi.

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