Wiener Linien überprüfen Sicherheitskonzept

9. Mai 2010, 19:22
128 Postings

Der Bub, der von einem U-Bahn-Zug mitgeschleift und dabei schwer verletzt worden war, wurde am Sonntag aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt

Wien - Jener fünfjährige Bub, der am Freitagnachmittag in Wien von einem U-Bahn-Zug mitgeschleift und dabei schwer verletzt worden war (der Standard hatte berichtet), wurde am Sonntag aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt. Sein Zustand war stabil, bereits am Vormittag wurde die künstliche Beatmung eingestellt.

Wie berichtet, hatte der Bub Freitagnachmittag versucht, einen Zug in der Station noch zu erreichen. Um ihn aufzuhalten, hatte das Kind sein Bein zwischen die sich schließenden Türen gesteckt. Der Zug jedoch fuhr an - und das Kind wurde mitgeschleift. Am Ende der Station prallte er gegen die Absperrung, brach sich beide Beine und verletzte sich am Kopf.

Die Wiener Linien setzten am Sonntag einen gerichtlich beeideten Sachverständigen ein. Er soll die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen und Abläufe im U-Bahn-Verkehr prüfen. Ein Ergebnis wird erst in einigen Wochen erwartet.

Die Technik der U3-Station Enkplatz in Wien-Simmering, in der es zu dem Unfall gekommen war, wurde bereits am Samstag geprüft, Mängel wurden nicht gefunden. Der Fahrer des Zuges wurde vorläufig vom Dienst freigestellt. Bei der Befragung gab er an, er könne sich nicht erklären, wie der Unfall passieren konnte, er habe den Buben nicht gesehen. Ein Alkotest bei dem U-Bahn-Fahrer war negativ ausgefallen.

Der betroffene Zug wurde aus dem Verkehr gezogen und wird derzeit überprüft. Es handelt sich bei dem Wagen um einen "Silberpfeil", die klassische alte U-Bahn- Garnitur. Die Türen sollten sich bei dem Modell wieder öffnen, wenn sie auf Widerstand stoßen. Mit einer offenen Türe ist es theoretisch nicht möglich, aus der Station zu fahren.

Notbremse überbrückt

Obwohl Fahrgäste die Notbremse zogen, hielt der Zug erst in der nächsten Station. "Wenn der Zug bereits so weit aus der Station gefahren ist, dass er erst im Tunnel zu stehen kommen würde, wird die Notbremse bis zur nächsten Station überbrückt. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, die nach dem Unglück in Kaprun eingeführt wurde", erklärt ein Sprecher der Wiener Linien.

So solle verhindert werden, dass ein Zug im Tunnel hält, da Rettungskräfte dort schlechter eingreifen könnten. Die Notbremsen in der Station wurden nicht gezogen. Der Stationswart habe korrekt gehandelt und sofort nach dem Unfall die Rettung gerufen, teilten die Wiener Linien mit. (Tobias Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 10. Mai 2010)

Share if you care.